BerlinZunehmend rücken mögliche gesundheitliche Langzeitfolgen von Covid-19 in den Fokus der Forschung. Dabei geht es nicht nur um Spätfolgen wie Lungen- oder Herzkrankheiten. Inzwischen berichten immer mehr Patienten von anhaltenden neurologischen Symptomen – wie Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen und Abgeschlagenheit.

Es gibt Befürchtungen, dass eine Sars-CoV-2-Infektion das Risiko, an Parkinson, Alzheimer oder Demenz zu erkranken, erhöhen könnte. Das geht aus einer Pressemitteilung der Yuvedo Foundation hervor. Die Berliner Stiftung will auf neurodegenerative Erkrankungen aufmerksam machen.

Die Annahme beruht auf einem Symptom, das sowohl ein Anzeichen für eine Parkinson-Erkrankung ist als auch bei Covid-19 auftritt: dem Verlust des Riechvermögens. Die Riechstörung gilt als eines der häufigsten neurologischen Symptome von Corona-Infektionen. Sie ließ sich in größeren Fallserien bei mehr als zwei Drittel der Covid-19-Patienten nachweisen. Auch Parkinsonpatienten können oft nicht mehr richtig riechen. „Die Störung tritt schon in den frühesten Krankheitsphasen auf. Sie kann somit ein Hinweis sein, dass jemand in den nächsten Jahren motorische Symptome entwickelt“, erklärt Thomas Müller, Chefarzt für Neurologie am Alexianer Krankenhaus in Berlin-Weißensee.

Parkinson ist eine Bewegungsstörung, bei der Nervenzellen im Gehirn absterben. Sie produzieren dann kein Dopamin mehr, mit dessen Hilfe der Körper normalerweise Bewegungen steuert. Die Krankheit ist nicht heilbar. Die Ursachen sind kaum erforscht.

„Es ist ungeklärt, ob eine Infektion mit Covid-19 das Risiko, im Verlauf an Parkinson oder einer anderen neurodegenerativen Krankheit zu erkranken, beeinflusst. Denkbar wäre es“, sagt Neurologin Susanne Schneider von der Uni-Klinik München. Ein Hinweis könnten Folgeerkrankungen sein, die nach der Spanischen Grippe in den 1920er-Jahren aufgetreten sind. Nachweislich seien mehr Menschen an Parkinson erkrankt als vor der Pandemie. „Die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit einem post-enzephalitischen Parkinsonismus zwischen 1925 und 1938 wird allein für die USA auf knapp 15.000 geschätzt“, so Schneider.

Noch handelt es sich um Annahmen, ob es eine „Dritte Welle“ der Corona-Pandemie in Form von neurodegenerativen Erkrankungen geben könnte. „Falls sich die Befürchtungen bewahrheiten, brauchen wir massive Anstrengungen, um in naher Zukunft nicht Opfer dieser Folgeerkrankungen zu werden“, sagt Jörg Karenfort, Vorstand der Yuvedo Foundation. Er ist selbst an Parkinson erkrankt und davon überzeugt, dass die Krankheit in Zukunft heilbar wird. „Wir müssen endlich die verschiedenen Ursachen entschlüsseln“, betont er. Zusammen mit mehreren Patientenorganisationen wie der Deutschen Parkinsonvereinigung fordert die Stiftung, die Erforschung und Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen zu intensivieren. 


Die Berliner Zeitung ist Medienpartner der Yuvedo Foundation.