Köln - Gestern noch den Sommertag im Freibad genossen und heute krank? Da könnte es eine Verbindung geben. Denn: Auch wenn das Badewasser im Schwimmbad gechlort und gereinigt wird, bleibt es immer noch eine große Badewanne für tausende Menschen – und jeder bringt seine Keime mit, die sich im Wasser sammeln und im schlechtesten Fall weitergegeben werden. 

Wir listen auf, welche Beschwerden nach dem Schwimmen auftreten können und erklären, wie man am besten vorbeugt, um sich gar nicht erst zu infizieren: 

Rote, juckende Augen

Wer nach dem Schwimmbadbesuch für ein paar Stunden rote, tränende Augen hat, sollte zunächst abwarten. Das liegt nicht selten einfach nur am Chlor. Wenn das mit Schweiß, Urin und Schmutz im Badewasser reagiert, entsteht eine chemische Verbindung, die den schützenden Tränenfilm der Augen angreift. Darauf weist die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft hin.

Was man dagegen tun kann: Im akuten Fall können Augentropfen mit Tränenersatzflüssigkeit die Beschwerden lindern. Ansonsten bleibt nur abwarten und hoffe, dass man sich keine Bindehautentzündung eingefangen hat.

Bindehautentzündung

Wer aber länger als 24 Stunden brennende, rote Augen hat, geht am besten zum Augenarzt. Denn unter Umständen hat man sich im Schwimmbecken eine Augeninfektion eingefangen. Obwohl Chlor ins Badewasser gegeben wird, können sich Schmutzpartikel, Keime, Haare, Schweiß und nicht zuletzt Fäkalien ansammeln. Die können in die Horn- oder Bindehaut gelangen und dort Entzündungen verursachen.

Chlamydien sind eigentlich eher bekannt als sexuell übertragbare Krankheit. Bestimmte Unterformen – Serotypen A bis C – können aber auch eine schwere Augenentzündung auslösen, so das Robert-Koch-Institut. Die Geschlechtskrankheit (Serotyp D) kann man sich im Freibad jedoch nicht über das Badewasser holen – sondern ausschließlich über ungeschützten Sex.

Wie man vorbeugen kann: Eine gut sitzende Schwimmbrille schützt die Augen. Wer Kontaktlinsen trägt, sollte beim Schwimmen darauf verzichten, denn durch sie können Keime und Pilze ins Auge oder die Kontaktlinse selbst geraten und schwere Infektionen auslösen.

Durchfall und Erbrechen durch Keime

Darmkeime, auch Coli-Bakterien genannt, gelangen über Fäkalien ins Schwimmwasser. Auch Parasiten namens Kryptosporidien, die ebenfalls aus dem Darm kommen, finden sich immer wieder im Schwimmbad. Das ist ganz normal, denn trotz sorgfältiger Stuhlhygiene sondert jeder gesunde Mensch bei einem Schwimmbadbesuch rund 0,14 Gramm Fäkalien ab, die ins Wasser gelangen. Kinder sogar noch viel mehr.

Problematisch ist: Vor allem Kryptosporidien lassen sich – anders als andere Erreger, nicht mit Chlor bekämpfen, sie sind resistent. Spezielle Wasserfilter sind nötig. Wer sich mit dem Darmkeimen ansteckt, hat meist einige Tage damit zu tun. Bei Kindern und Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann eine Infektion einen dramatischen Verlauf nehmen und Betroffene sollten einen Arzt aufsuchen und sich untersuchen lassen.

Was man dagegen tun kann: Richtig schützen kann man sich nicht davor, man sollte jedoch darauf achten, möglichst kein Badewasser zu verschlucken. 

Juckender Hautausschlag

Roter, juckender Hautausschlag ist nach einem Schwimmbadbesuch keine Seltenheit. Schuld an der Hautirritation kann das Bakterium Pseudomonas aeruginosa sein. Besonders in kleinen, warmen Becken wie dem Kinderbecken oder dem Whirlpool ist die Keimbelastung oftmals sehr stark, darum wird auch manchmal von Whirlpool-Dermatitis gesprochen. Sie tritt laut Deutschem Ärzteblatt nach acht bis 48 Stunden nach einem Bad in einem bakteriell verunreinigten Becken auf. Starker Juckreiz, Fieber und angeschwollene Lymphknoten sind Symptome der Erkrankung, die nach ein bis zwei Wochen meist von selbst abklingt.

Wie man vorbeugen kann: Nach dem Baden gründlich abduschen und abtrocknen.

Ohrenentzündung

Wenn das Ohr nach dem Schwimmbadbesuch schmerzt, gerötet und geschwollen ist, kann eine Entzündung des äußeren Gehörgangs dahinterstecken, unter Fachleuten Otitis externa genannt. Unter Umständen sondert das Ohr auch Flüssigkeit ab oder fühlt sich bei Berührung unangenehm an, manche Betroffenen hören auch schlechter, heißt es auf der Webseite des Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Wer solche Symptome bemerkt, geht am besten zum Arzt. Bei manchen Betroffenen sind die Beschwerden so stark, dass sie einige Tage im Bett bleiben müssen. Die Entzündung wird meist durch Keime wie Pseudomonas aeruginosa ausgelöst.

Wie man vorbeugen kann: Nach dem Schwimmen die Ohren mit Leitungswasser ausspülen.

Fußpilz

Der Klassiker unter den Schwimmbadkeimen. Auf den feuchten Fliesen tummeln sich unzählige Sporen, die wir barfuß und mit aufgeweichter Haut wunderbar aufnehmen können. Oft beginnt Fußpilz zwischen den Zehen: Der Bereich ist meist gerötet, es bilden sich kleine Bläschen und es juckt, erläutert Annett Biedermann vom Deutschen Verband für Podologie. Als nächstes entwickeln sich Risse, die beim Spreizen der Zehen schmerzen. Hat man sich mit Fußpilz angesteckt, muss dieser auf jeden Fall behandelt werden – das ist in der Regel aber in Eigenregie durchaus machbar. Zur Behandlung gibt es sogenannte Antimykotika – pilzabtötende Cremes, Tinkturen oder Puder.

Wie man vorbeugen kann: Am besten trägt man in der Gemeinschaftsdusche oder im Schwimmbad Badelatschen. Dort sollte man die Schuhe erst am Beckenrand ausziehen, um sich vor Fußpilz zu schützen. Wer schon öfter Fußpilz hatte und anfällig ist, cremt am besten ein- bis zweimal in der Woche seine Füße vorbeugend mit einem Antimykotikum ein. Die Füße und Zehen nach dem Baden mit dem Handtuch trocken rubbeln.

Warzen

Warzen werden durch Viren verursacht und können sich überall bilden. Besonders die sogenannten Dellwarzen sind hochansteckend, wer sie aufkratzt und das enthaltene Sekret mit den Fingern an andere Körperstellen verteilt, riskiert weitere Warzen. Meist verursachen sie keine Schmerzen und stören nur kosmetisch. Auslöser ist das Molluscum contagiosum-Virus. Meist hat das Immunsystem nach einigen Monaten die Erreger besiegt und es besteht in Zukunft Immunität gegen die Viren.

Wie man vorbeugen kann: In Umkleideräumen oder Duschen am besten immer Badeschuhe tragen und erst am Beckenrand ausziehen.

Blasenentzündung

Mit einer Blasenentzündung können sich vor allem Frauen im Schwimmbad anstecken. Schuld daran sind Coli-Keime, die im Wasser schwimmen. Da die weibliche Harnröhre sehr kurz ist, gelangen die Keime schneller in die Blase – und entzünden sich dort. Anzeichen für eine Blasenentzündung sind Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen sowie häufiger Harndrang.

Wie man vorbeugen kann: Den nassen Badeanzug oder das nasse Bikini-Unterteil schnell ausziehen und eine trockene Unterhose überziehen, viel trinken und nach dem Schwimmgang auf Toilette gehen, damit mögliche Erreger herausgeschwemmt werden. (mit Material der dpa / sar)