Exeter/Berlin - Ein Leben mit bekannten, vertrauten Nachbarn erhöht die Überlebenschancen und die erfolgreiche Aufzucht eines Eichhörnchens. Das zeigt eine neue Studie der Biologin Erin Siracusa vom Zentrum für Tierverhaltensforschung an der britischen Universität von Exeter. Für die Studie wurde das Überleben nordamerikanischer Eichhörnchen über einen längeren Zeitraum  hinweg gemessen und festgestellt, dass es sich für die Zahl der Nachkommen als vorteilhaft erweist, wenn in der unmittelbaren Umgebung die Artgenossen dieselben blieben.

Der Befund ist einigermaßen erstaunlich, wie Siracusa schreibt: „Denn eigentlich sind Eichhörnchen Einzelgänger – jedes verteidigt ein Gebiet mit den dort deponierten Lebensmittelvorräten. Also müssten wir annehmen, dass die Tiere nicht kooperieren … Jedoch ist die Verteidigung eines Territoriums auch kostspielig, weil sie sowohl Energie als auch Zeit verbraucht, um Nahrung zu sammeln oder Welpen aufzuziehen. Es kann daher sein, dass Eichhörnchen nach einer bestimmten Zeit eine Art ,Einigung‘ über territoriale Grenzen erzielen.“

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Ein Rothörnchen (Tamiasciurus hudsonicus) im kanadischen Banff National Park.

Siracusas Forschung ist Teil des Kluane Red Squirrel Project und konnte deswegen über einen Zeitraum von 22 Jahren auf die Daten zu Eichhörnchen in Yukon, Kanada, zurückgreifen. Die Studie erfasst die Nachbarschaft innerhalb von 130 Metern um ein Territorium und berücksichtigt sowohl die „Verwandtschaft“ (wie eng die Eichhörnchen verwandt waren) als auch die „Vertrautheit“ (wie lange einzelne Eichhörnchen benachbarte Gebiete besetzten). Die Forscher setzten diese Parameter dann in einen Verhältnis zu den Überlebensraten und den Bruterfolg.

Der Reproduktionserfolg wurde bei den Männchen anhand der Anzahl der gezeugten Welpen gemessen und bei den Weibchen daran, dass die Welpen überhaupt ihren ersten Winter überlebten. Dabei ergab sich ein weiterer überraschender Befund: Gute Nachbarschaft gleicht die Auswirkungen des Alterns aus. Denn ein zunehmendes Altern verringert die alljährliche Überlebensrate ganz erheblich von 68 Prozent (bei vier Lebensjahren) auf 59 Prozent (fünf Lebensjahre). Bei Eichhörnchen aber, die in „guter Nachbarschaft“ lebten, wurde eine Überlebenschance von 74 Prozent ab dem fünften Lebensjahr festgestellt.