Weiden - Unerwarteter Beifang nach einem „luchstigen“ Einsatz der Polizei im oberpfälzischen Weiden: Die Beamten waren nach einem anonymen Hinweis in einer Mietwohnung vorstellig geworden und fanden dort in der kleinen Küche einen Wüstenluchs vor, der sie sogleich lautstark fauchend begrüßte. Selbst der 44-jährigen Halterin schien das Tier auf einmal nicht mehr geheuer, so der Polizeibericht, sie habe geradezu erleichtert gewirkt, als die Raubkatze beschlagnahmt wurde. Weil Philipp, so der Name, die Möglichkeiten eines Tierheimes überfordert hätte, leistete der Nürnberger Tiergarten Amtshilfe.

Dort muss Philip nun erst mal für 30 Tage in Quarantäne. Über den Europäischen Zooverband soll eine Lösung gefunden werden, erklärte der stellvertretende Tiergartendirektor Jörg Beckmann. Im Polizeibericht heißt es dazu: „Im Zoo wird sich der Wüstenluchs aller Voraussicht nach wohler fühlen als in der kleinen Weidener Küche … Da das Tier in unseren Breitengraden nicht unbedingt als Haustier geeignet ist und auch Erfordernisse wie Impfung und Genehmigung usw. nicht vorlagen …, erwartet die Tierhalterin nun eine Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.“

Foto: Polizeiinspektion Weiden
Wüstenluchs Philipp in seiner Hundehütte.

Barbara Bäumel vom Veterinäramt in Weiden sagte, Philipp habe in der Küche eine Hundehütte und eine Kuschelecke gehabt und sei nicht verwahrlost gewesen. Wüstenluchse (Caracal caracal) zählen nicht zu den bedrohten Tierarten. Das Verbreitungsgebiet der auch Karakal genannten Tiere erstreckt sich über weite Teile Afrikas, wo sie nur in den feuchten zentralafrikanischen Waldgebieten und der Zentralsahara fehlen, sowie Südwestasien von der Arabischen Halbinsel über die Türkei und den Iran bis zum Aralsee und Nordwestindien.

Aber zurück nach Weiden und zu Philipp. Etwas mitunter „Lu(ch)stiges“ hatte der Einsatz dennoch, schrieb die Polizei in ihrem Bericht: „In der Wohnung der Weidenerin wurde zudem ein 49-jähriger Weidener angetroffen, gegen den ein Haftbefehl vorlag. Natürlich wurde der Weidener verhaftet und mit zur Dienststelle genommen. Sowohl der Weidener als auch der Wüstenluchs blickten fortan durch Gitter in die Augen der Beamten.“ Wer von den beiden ist nun der Beifang?