Auckland„4BBRW“, das ist doch kein Name für einen Vogel, werden Sie jetzt sagen, und wir hier in der Tierkastenredaktion der Berliner Zeitung können Ihnen da nur beipflichten. So einen schnöde-technischen Abkürzungsnamen hat die Pfuhlschnepfe, von der in dieser Kolumne die Rede ist, eigentlich nicht verdient. Man sollte sie viel lieber Speedy Vogalis nennen, oder Superschnepf, oder vielleicht Nonstoppy?

Aber es hilft ja nichts, als seriöses Medium halten wir uns am Ende natürlich an die von Wissenschaftlern erdachte Registrierungsbezeichnung, an „4BBRW“ also (nach der Beringung „4-Blau-Blau-Rot-Weiß“). Viel wichtiger als die Benamung ist schließlich die Leistung des hier erwähnten Zugvogels: Die männliche Pfuhlschnepfe „4BBRW“ hat nämlich mit einem mehr als 12.000 Kilometer langen Nonstop-Flug über den Pazifik einen neuen Weltrekord aufgestellt.

In neun Tagen ohne Zwischenlandung von Alaska nach Neuseeland – da ist die Naturschutzbehörde, die diese Nachricht am Freitag bekanntgab, zu Recht aus dem Häuschen. „4BBRW“ hat mit seinem Nonstop-Langstreckenflug einen früheren Rekord eines Artgenossen aus dem Jahr 2007 gebrochen, der 11.680 Kilometer ohne Zwischenlandung geflogen war.

Die Route der Schnepfe.

Quelle: Facebook/Pukorokoro Miranda Shorebird Centre

Die Pfuhlschnepfe wurde mit einem Ring markiert, ihre Reise per Satellit verfolgt. Am 18. September hob „4BBRW“ in Alaska ab, am 27. September endete ihr Flug in der Bucht Firth of Thames auf Neuseelands Nordinsel. Macht stolze 224 Stunden ohne Unterbrechung, bei einer Geschwindigkeit von bis zu 100 Stundenkilometern. „Wir wissen, dass Wind ein wichtiger Bestandteil der Migrationsstrategie ist. Wie Radfahrer werden die Tiere versuchen, Rückenwind zu bekommen, wenn sie können, aber das schaffen sie nicht immer“, sagt der Vogelexperte Keith Woodley vom Miranda Shorebird Centre in Neuseeland. Die Rekordschnepfe nennt Woodley einen „echten Champion“.

Pfuhlschnepfen (Limosa lapponica) sind etwa 40 Zentimeter lang und haben einen zehn Zentimeter langen Schnabel. Sie sind auch im Wattenmeer Mitteleuropas in Scharen zu sehen, wenn sie dort auf dem Weg in ihre Winterquartiere Rast machen. Von September bis März halten sie sich in dem Inselstaat im Südpazifik auf. Auf dem Rückweg machen sie einen Stopp in China und fliegen im Mai oder Juni wieder nach Alaska zurück, wo sie kaum Fressfeinde haben und ein reichhaltiges Nahrungsangebot vorfinden. Für einen Langstreckenflug braucht es schließlich ordentlich Energie!