Berlin - Sie kommen in Gang, kommen voran, die Verhandlungen an den Berliner Landeskliniken von Vivantes und Charité im Ringen um bessere Arbeitsbedingungen. Ergebnisse zeichnen sich ab oder sind nicht mehr auszuschließen. Am Ende könnten Haus-Tarifverträge verbindliche Regeln festlegen. Das ist gut und wichtig für die Patienten, die Beschäftigten, die Geschäftsführungen, auch für den künftigen Senat. Eine befriedigende Lösung ist das jedoch nicht.

Warnstreik bei Asklepios in Brandenburg

Die Arbeitsbedingungen in der klinischen Pflege sind hierzulande wie ein Flickenteppich. Krankenhäuser wie die Unikliniken Schleswig-Holstein, Mainz oder Jena haben einen Tarifvertrag Entlastung, wie er auch in Berlin nun schon seit längerem zur Diskussion steht. Andere Betreiber treffen eigene Regelungen, allen voran die privaten. Der Asklepios-Konzern etwa, in dessen Fachkliniken in Brandenburg/Havel, Lübben und Teupitz ein Warnstreik stattfindet.  Die Mitarbeiter dort erhalten bis zu 10.600 Euro pro Jahr weniger als ihre Konzernkollegen in Hamburg.

Deutschland erlebt eine Fachkräfteflucht in der Pflege. Neben der Entlohnung ist vor allem die extreme Belastung ein Grund dafür. Was benötigt wird, ist eine gesetzliche Regelung. Ein Modell dafür existiert seit längerem. Entwickelt hat es eine ungewöhnliche Koalition aus Deutscher Krankenhausgesellschaft, der Gewerkschaft Verdi und dem Deutschen Pflegerat. PPR 2.0 heißt es, erprobt wurde es an einigen Kliniken. Seit anderthalb Jahren liegt der Vorschlag beim Bundesgesundheitsministerium in der Schublade.

PPR 2.0 ist als Zwischenlösung konzipiert. Ob sie jemals umgesetzt wird, ist fraglich. Ob sie als Grundlage für ein anderes Modell dient, ist unklar. Klar ist, dass die neue Leitung des Bundesgesundheitsministeriums nach der Bundestagswahl ein drängendes Problem zu lösen hat. Weitere anderthalb Jahre verstreichen lassen kann sie nicht.