Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit dem Alter.
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BremenAlzheimer schlägt zwar vor allem im höheren Alter zu. Doch die Wahrscheinlichkeit, daran zu erkranken, lasse sich vorher deutlich reduzieren, erklärt der Bremer Altersforscher Prof. Sven Voelpel. Er rät, sich nicht erst am Lebensabend damit zu beschäftigen.

„Das Leben ist wie ein Bankkonto, auf das ich stets einzahle und damit beeinflusse, ob es in Richtung Wohlbefinden oder in Richtung Krankheit geht“, erklärt Voelpel, der ein Buch darüber geschrieben hat, wie man bis ins hohe Alter gesund bleibt („Die Jungbrunnenformel“). Seine Tipps, um sich länger jung zu fühlen:

Einstellungssache: Der Blick aufs Alter beeinflusst das Alter – zumindest das biologische. Anders gesagt: Wer entspannt und positiv darauf schaut, fühlt sich auch jünger. „Habe ich jedoch eine negative Einstellung zum Alter, macht mich das biologisch bis zu sieben Jahre älter“, sagt Voelpel.

Die Alzheimer-Krankheit

In Deutschland haben etwa 1,7 Millionen Menschen Alzheimer oder eine andere Demenzerkrankung. Unter Demenz werden verschiedene Leiden zusammengefasst, bei denen die geistige Leistungsfähigkeit sehr stark zurückgeht. Die weitaus meisten Betroffenen haben Alzheimer.

Symptome: Betroffene verlieren innerhalb von Jahren geistige Fähigkeiten und verändern sich in ihrer Persönlichkeit. Die Erkrankung führt in der Regel zu Hilflosigkeit und schwerster Bedürftigkeit sowohl in psychischer als auch in körperlicher Hinsicht. Viele erkennen ihre Angehörigen nicht mehr, manche werden aggressiv.

Ursache: Bei Alzheimer sterben Hirnzellen ab. Es ist unklar, was genau im Gehirn passiert. Eiweißfragmente (Amyloid-Peptide) lagern sich im Hirn ab. Die Zellen schaffen es nicht, die Ablagerungen loszuwerden. Diese stören die Reizübertragung zwischen Hirnzellen und machen sie so funktionsuntüchtig.

Therapie: Es gibt weder eine vorbeugende Impfung noch ein Heilmittel gegen Alzheimer. Medikamente können die Beschwerden allenfalls hinauszögern oder etwas lindern.

Alter: Das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, steigt mit dem Alter. Vor dem 65. Lebensjahr sind nur wenige betroffen, unter den 85- bis 89-Jährigen leidet nach Auskunft der Deutschen Alzheimer Gesellschaft jeder Vierte an Demenz.

Hauptsache Mittelmeer: Das Gehirn besteht – von Wasser abgesehen – hauptsächlich aus Eiweiß und Fett. Und das muss man zu sich führen, rät der Forscher. Hier sei die Mittelmeer-Diät ideal, bei der viel Gemüse, Fisch und gute Öle auf den Tisch kommen.

„Die ist aus mehreren Gründen gut“, sagt Voelpel. Sie sei kalorienarm und reich an Vitalstoffen. Omega-3-Fettstäuren in Olivenöl und Fisch seien gut für die Hirnentwicklung. Zugleich nimmt man nicht zu viel Zucker zu sich – was gut ist, denn in zu großen Mengen kann Zucker nach Voelpels Worten die Eiweißstrukturen im Hirn angreifen.

Ausreichend schlafen: Dabei werden die Kurzzeitinfos im Langzeitgedächtnis überspielt, wie Voelpel erläutert. Das Hirn werde entrümpelt. Das klappe nur, wenn man genug schläft. Andernfalls wird eben nicht ausreichend „aufgeräumt“, Infos werden nicht so gut abgespeichert und Verknüpfungen nicht so gut hergestellt. Die Folge: Das Hirn werde auf Dauer anfälliger für Krankheiten wie Alzheimer.

Freundschaften pflegen: Soziale Kontakte wurden nach Einschätzung des Altersforschers bisher ziemlich unterschätzt mit Blick auf Demenz und Alzheimer. In den „blauen Zonen“, also den Weltregionen, wo Menschen sehr alt werden, lebten sie in sehr engen Verbünden, erläutert er.

„Jeder soziale Kontakt führt dazu, dass ich mir unheimlich viel merken und eine Menge wahrnehmen muss.“ Gestik, Mimik, Emotionen, aber auch Inhaltliches: Was steht im Leben des anderen gerade an, worüber haben wir uns zuletzt unterhalten? Wo wollten wir uns treffen? „All das“, sagt Voelpel, „ist enorm wichtig für die Synapsenbildung im Hirn.“

Einen Freundeskreis aufzubauen sei sehr wichtig, sagt Voelpel – im Studium, wenn die Kinder im Kindergarten sind, im Verein, überall da könne man Freundschaften schließen.

Bewegen und Lernen: Ob Sport oder Spazierengehen, beim Bewegen entstehen ebenfalls neue Vernetzungen im Hirn. „Aber wir brauchen dafür auch eine Vielzahl anderer Anregungen“, betont Voelpel und nennt einige Beispiele: Klavierspielen, Lesen, Skat, Scrabble.

Die Devise lautet: Niemals aufhören, neugierig zu bleiben. „Man kann in jeder Lebensphase noch Neues machen und neue Leute kennenlernen.“