Die Route könnte politischer nicht sein: Sie führt von Deutschland in die Ukraine, also mitten hinein in den Krieg, und sie verbindet zwei Länder, deren Verhältnis wegen dieses Krieges derzeit sehr angespannt ist. Andreas Fath weiß das, und eigentlich kommt ihm das nicht zupass. Der Chemieprofessor aus Furtwangen will die Donau hinabschwimmen, und zwar von Ulm bis zum Mündungsdelta am Schwarzen Meer, rund 200 Kilometer südlich von Odessa. Mit diesem Projekt, bei dem immerhin 2700 Kilometer zurückzulegen sind, geht es dem 57-Jährigen nicht etwa um extremsportliches Exempel, vielmehr möchte er auf die Belastung des Flusses durch Plastikabfälle aufmerksam machen.

Den vom Krieg betroffenen Menschen, insbesondere Kindern helfen

Dieser ökologische Fokus droht nun etwas abhanden zu kommen vor dem Hintergrund des russischen Vernichtungskrieges gegen die Ukraine und der deutschen Debatte um zu erbringende und unterlassene Hilfsleistungen für das überfallene Land. Andreas Fath ist am Freitag dennoch in die Fluten gestiegen. Mit seinem Projekt „CleanDanube“ – saubere Donau – nimmt er nun auch Bezug auf den Krieg, zwar werde er die Ukraine nicht besuchen können, so die Erklärung, „aber wir möchten im Rahmen unserer Möglichkeiten versuchen, vom Krieg betroffene Menschen, insbesondere Kinder zu unterstützen. Deshalb sind wir an unseren Etappenzielen vor Ort und sammeln Sachspenden“.

Malblöcke, Spielzeug, Schokolade: Die Organisation „Osteuropahilfe Wien“ soll die Spenden an geflüchtete Kinder in der Republik Moldau verteilen – das Donauland grenzt bekanntlich an die Ukraine. Unterdessen wird Fath die Aufmerksamkeit zu nutzen wissen. Beim Auftakt in Ulm war auch die baden-württembergische Umweltministerin Thekla Walker (Grüne) dabei, ebenso wie der Professor im Neoprenanzug, und begleitete ihn etwas des Weges. Apropos Aufmerksamkeit: Die Lage für die Donau ist ernst, täglich spült der Fluss bis zu vier Tonnen Plastik ins Schwarze Meer. Während der auf drei Monate angelegten Schwimmaktion wird der Wissenschaftler täglich Wasserproben nehmen.

Der Hochschullehrer verbindet nicht zum ersten Mal Wissenschaft und Extremsport. Der aus Speyer in Rheinland-Pfalz stammende Fath schwamm bereits 2014 den Rhein hinab, rund 1400 Kilometer, um auf den mangelnden Gewässerschutz aufmerksam zu machen. Die Donau verspricht nun einen besonderen Erkenntnisgewinn: Sie durchfließt zehn Länder, so viele wie kein anderes Land auf der Welt, weshalb sich hier die unterschiedlichen Umgangsweisen mit dem Plastikmüll und ihre Auswirkung auf die Umwelt gut vergleichen lassen. Fath muss auf der Hut sein, wie er weiß: „An zahlreichen Stellen ist es gesundheitsgefährdend, in der Donau zu schwimmen.“