Maria Mundry und ihre Angus-Rinder – sie kennt sie alle.
Foto: Gerd Engelsmann

Kleßen-Görne„Da hinten steht die dicke Carmen mit ihren Zwillingen“, sagt Maria Mundry und weist mit dem ausgestreckten Arm über die Wiese. Am anderen Ende der Weide im brandenburgischen Havelland steht die schwarze Kuh mit ihren Jungtieren. Maria Mundry hat einen blauen Eimer dabei und die Kühe kennen diesen Eimer genau, wissen, darin verbirgt sich eine Leckerei. Schwarze Ohren wackeln, dann legt die Kuh die Distanz im wahren Schweinsgalopp zurück, erst unmittelbar vor der Landwirtin bleibt sie stehen. Mundry streichelt der Kuh über den Nacken und lacht. „Ja, ja, für Futter lässt Carmen wirklich alles stehen.“

Tierwohl immer wichtiger

Maria Mundry hat eine Herde mit 60 Angus-Rindern. Große, meist schwarze Fleischrinder, deren Fleisch sehr schmackhaft ist, sagt Mundry. Gezüchtet werden sie selten, andere Rinderarten bringen mehr Fleisch und damit mehr Ertrag. Doch immer mehr Menschen sind bereit, für schmackhaftes Fleisch und Tierwohl mehr zu bezahlen.

So suchen sich immer mehr Konsumenten ihre Weihnachtsgans schon zu Jahresbeginn in kleineren Betrieben aus. Die Gans watschelt im Sommer über sattgrüne Wiesen, geht baden, lässt sich die Sonne auf die Daune scheinen und oftmals kann der Kunde seine Gans sogar besuchen. Weihnachten liegt sie dann im Bräter, der Kunde weiß, vorher hat sie es gut gehabt.

„Wir lieben unsere Kühe“

So ist das auch auf Mundrys Hof, „Schwarze Kuh“. Hier kann im sogenannten Rinderleasing eine Kuh, beziehungsweise ein Kalb, erworben werden. So wie Norbert. Das Rind Norbert wird noch eine Zeit lang hier draußen stehen und frisches Gras fressen. Norbert wird im Familienverbund groß werden, wird gemeinsam mit den anderen Kühen ab und an einen Anhänger besteigen und zur nächsten Weide gefahren werden.

Wenn er dann eines Tages wieder auf den Anhänger steigt und zum Schlachthof gefahren wird, wird er den Unterschied zunächst gar nicht bemerken, sagt Mundry. Eben weil Norbert und die anderen Kühe den Transport gewohnt sind. Dieser Umstand ist Mundry sehr wichtig. „Wir lieben unsere Kühe“, sagt sie. Auch wenn klar ist, dass die Kühe geschlachtet werden. Bis dahin aber soll es ihnen gut gehen, sagt die 37-jährige Landwirtin.

Zurück aufs Land

Wir, das sind Mundrys Ehemann und ihre vier Kinder. Mundry kommt ursprünglich vom Land, ist in Görne aufgewachsen. Oder besser im Kuhstall, wie sie sagt. Etwas mit Tieren, am liebsten mit Kühen machen, das war schon immer ihr Berufswunsch, erzählt sie. Vom Leben auf dem Land war sie zunächst meilenweit entfernt. „Wir lebten in Berlin, am Rosenthaler Platz“, sagt sie. Und genau dort traf sie die Menschen, von denen sie ahnte, dass sie ihr Produkt, ihr Fleisch von den glücklich lebenden Angus-Rindern, kaufen würden, sagt sie weiter. Kaum war ihr drittes Kind geboren, zog die Familie zurück aufs Land, nach Görne, ein Dorf das zwischen Berlin und der Kreisstadt Rathenow, liegt. Umgeben von Wäldern und saftigen Wiesen, auf denen nun ihre Rinder stehen.

Im Mai 2016 fingen sie hier mit der Zucht an. Die „Schwarze Kuh“ ist Nebenerwerb. Hauptberuflich ist Mundry die Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes Ostprignitz-Ruppin. Erst in diesem Jahr ging es an die Vermarktung des Rindfleisches. Dabei werden nicht nur Filet und Steak verkauft, das komplette Rind geht über die Theke: Der Braten aus der Nuss, Schaufelbraten, Bürgermeisterstück, Tafelspitz und Nierenzapfen. Und nicht wenige dieser in unseren Zeiten in Vergessenheit geratenen Fleischspezialitäten sind echte Delikatessen und Mundry erlebt so etwas wie einen Run auf die Innereien oder die Ochsenschwänze.

Kein anonymes Fleisch mehr

Das Fleisch vermarket Mundry selbst und über Marktschwärmereien. Dabei erlebt sie die Freude und Dankbarkeit der Kunden, sagt sie. Etwas, was den Kollegen in den Großbetrieben, deren Fleisch anonym in den Supermarktregalen landet, fehlt. Das findet sie schade, denn sie erlebt damit eine Wertschätzung für ihr Produkt. Etwas, das ihre Kollegen aus der Landwirtschaft oft vermissen.

Ihre Kunden schätzen das Fleisch der Angus-Rinder. „Diese Kühe haben einen tollen Charakter, keine Hörner, was die Haltung einfacher macht und sie haben geringe Futteransprüche“, sagt Mundry. Die Rinder stehen ganzjährig auf den Weiden, haben einen Unterstand, der sie vor Hitze schützt. Mit Kälte kämen sie gut zurecht, sagt Mundry. Die Kühe brächten ihre Kälber auch auf der Weide zur Welt.

Sie alle haben Namen. Und die Kunden mehr als ein anonymes Stück Fleisch auf dem Teller.