Berlin - Das Impfdashboard kann ziemlich effektiv sein gegen schlechte Laune. Scrollt man auf der Informationsplattform des Bundesgesundheitsministeriums, das Daten zum deutschen Impffortschritt aufzeigt, entdeckt man die virtuelle Impf-Uhr. Im Schnitt, heißt es da, werden bundesweit mehr als 177.000 Impfdosen am Tag verabreicht. Pro Sekunde werden also zwei Menschen rein statistisch mit einem kleinen Pieks gegen das Coronavirus geschützt.

Artikel über Impfskeptiker, die stagnierende Impfbereitschaft, die Angst vor der unaufhaltbaren Pandemiewelle im Herbst – sie lassen uns schnell vergessen, wie viel Positives es zu berichten gibt. Dass sich täglich Zehntausende von Menschen noch heute, also mehr als 260 Tage nach dem Start der Impfkampagne in Deutschland, gegen Sars-CoV-2 impfen lassen, ist eine hervorragende Information, die durch keine Nachricht verdrängt werden darf.

„Ich verlasse mich nicht auf die Impfbereitschaft meiner Mitmenschen, sondern trage aktiv zur Bekämpfung dieses verdammten Virus bei. Damit wir als Gesellschaft gemeinsam herauskommen aus der Krise, einen normalen Alltag führen können, weit weg von Debatten über Corona-Beschränkungen für Ungeimpfte, Lockerungen für Geimpfte und Genesene. Ich lasse mich für andere impfen, weil andere sich für mich impfen. Ich habe große Bedenken gegenüber den Corona-Mitteln gehabt, habe mich aber von meiner Hausärztin aufklären lassen, mich umentschieden und impfen lassen. Ich habe begriffen, wie gefährlich Sars-CoV-2 ist, welche Folgen eine Ansteckung für mich, meinen Ehemann, meine Kinder und Enkelkinder, meine Freunde, haben kann.“

Diese Gedanken sind imaginär, aber sie bilden vielleicht doch das Innenleben einiger Menschen ab, die sich für einen Impfstoff entschieden haben. Vielleicht hatten sie bis jetzt schlicht keine Gelegenheit, sich um einen Impftermin zu kümmern, oder sich ausreichend zu informieren. Über Nebenwirkungen, zum Beispiel die Frage, ob sich der Corona-Impfstoff auf die Fruchtbarkeit auswirken kann (es gibt keine wissenschaftlichen Hinweise dafür). Vielleicht hatten die Menschen jetzt erst die Möglichkeit, ein längeres Gespräch mit ihren behandelnden Ärzten zu führen. Oder sie haben sich von ihren Freunden oder ihrer Familie beeinflussen, gar überreden lassen. Egal welche individuellen Gründe dahinterstecken: Danke an die über 55 Millionen Geimpften da draußen. Jede einzelne verabreichte Impfdosis ist ein Schritt mehr aus der gefühlt ewig andauernden Pandemie.