Schon von Kind auf an hat sich bei Paul Scheuschner alles um die Krankheit gedreht. „Ich war ein Einzelkind, und meine Eltern waren ständig in Sorge um mich“, sagt der 32-Jährige. „Ich hatte ausgeprägte Neurodermitis, besonders im Gesicht, aber auch am restlichen Körper. In der Nacht wurden die Stellen vorsorglich mit Mullbinden umwickelt, damit ich ruhiger und möglichst kratzfrei schlafen konnte“, erzählt der Berliner Internet-Unternehmer.

Ein Teufelskreis – Jucken, Kratzen, noch stärkeres Jucken, damit geht die chronisch entzündliche Hauterkrankung einher. Zu Beginn der Schulzeit hat Paul Scheuschner dann zum ersten Mal bewusst wahrgenommen, wie die Krankheit auf Dritte wirkte. Schließlich war nicht nur sein Gesicht betroffen, sondern auch Armbeuge, Hände und Kniekehlen.

Ursache ist ein Mix aus verschiedenen Faktoren

Die anderen Kinder fingen an, ihn zu hänseln. „Ich war schrecklich unglücklich und habe mich nur noch geschämt“, sagt er. Durch dicke Pullover und Hemden mit langem Arm versuchte er, so viel Haut wie möglich zu verdecken.

Neurodermitis gilt als eine der häufigsten Krankheiten im Kindesalter. Etwa 14 Prozent der Kinder und bis zu drei Prozent der Erwachsenen sind laut Robert-Koch-Institut von Neurodermitis betroffen.

Das sogenannte atopische Ekzem ist nicht ansteckend. Typisch sind rote, schuppende Hautstellen und starker Juckreiz. Als Ursache gilt ein Mix aus genetischen Faktoren, entgleisten Immunprozessen und Umwelteinflüssen.

Neurodermitisstiftung soll mehr Aufklärung bringen

Ein Patent-Heilrezept gibt es nicht, denn Neurodermitis ist eine sehr komplexe Krankheit. Was dem einen hilft, wirkt bei dem anderen noch lange nicht. Auch Paul Scheuschner hat schon Dutzende Heilmethoden ausprobiert – von diversen Salben mit Kortison, über Harnstoffpräparate bis hin zu Schüßler Salzen.

Positive Erfahrungen machte er unter anderem mit der Eigenblut-Therapie. Dabei werden wenige Milliliter Blut eines Patienten aus der Fingerkuppe oder einer Vene entnommen und dann zur Stimulation der Abwehr teilweise aufbereitet und mit Ozon, Sauerstoff oder homöopathischen Mitteln versetzt. Dann wird das Eigenblut dem Patienten zurückgegeben, entweder in Form einer Tablette oder als Injektion in einen Muskel oder eine Armvene.

Noch können Schulmediziner und Komplementär-Mediziner vielen Patienten nur unzureichend helfen. Darum will Paul Scheuschner mit einer Neurodermitisstiftung für mehr Aufklärung sorgen.

Akupunktur verspricht Linderung

Aufgrund seines langen Leidensweges hat es sich der Berliner zur Aufgabe gemacht, alternative Behandlungsmethoden durch Studien erforschen zu lassen. So trat er an Professor Benno Brinkhaus heran, der derzeit eine Studie an der Hochschulambulanz für Naturheilkunde der Charité in Mitte durchführt.

„Wir wollen mit dieser qualitativ hochwertigen Studie untersuchen, ob sowohl Akupunktur als auch Osteopathie bei Neurodermitis helfen können“, erklärt Brinkhaus. Erste Studien stimmen die Mediziner zuversichtlich. „Es gibt bereits Forschungsergebnisse, die zeigen, dass Akupunktur, eine der Säulen der traditionellen chinesischen Medizin, gegen Juckreiz hilft.“

Paul Scheuschner hat sich inzwischen mit seiner Krankheit arrangiert. „Ich werde durch den Juckreiz natürlich immer wieder daran erinnert“, sagt er. „Aber ich habe mittlerweile gelernt, mit der Krankheit zu leben.“