01.05.2020, Schleswig-Holstein, Kiel: Verschlossene Strandkörbe stehen bei Sonnenschein am Strand von Kiel-Schilksee.
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BerlinBundesaußenminister Heiko Maas ist sich sicher: „Eine normale Urlaubssaison mit vollen Strandbars und vollen Berghütten wird es in diesem Sommer nicht geben können.“ Da möchte man den neuen, selbst ernannten Reise-Minister gleich fragen: „Wer will das denn auch?“"Der eigentliche Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß (45), macht dagegen den Urlaubshungrigen etwas Hoffnung. Er glaubt, dass ein „eher regionaler“ Urlaub dieses Jahr möglich sein werde. „Es gibt genügend schöne Urlaubsziele in Deutschland“" sagte er wörtlich. Aber: Was ist nun dran an den Verboten, Versprechungen und am Schüren von Hoffnungen? Ein Update und Faktencheck. 

Die Bundesregierung hat am 29. April 2020 die weltweite Reisewarnung bis zum 14. Juni 2020 verlängert. Was heißt das? Prof. Dr. Ernst Führich, Reiserecht-Experte: „Eine Reisewarnung des AA (Auswärtiges Amt) wird ausgesprochen, wenn davon ausgegangen werden muss, dass jedem Reisenden eine ‚konkrete Gefahr für Leib und Leben‘ droht. Niemand ist aber verpflichtet, nicht mehr ins Ausland zu reisen. Eine Reisewarnung ist nur eine Warnung und kein Reiseverbot.“ Übersetzt heißt dies: Bundesbürger dürfen trotzdem verreisen – es kommt halt darauf an, welche Bestimmungen im Zielgebiet gelten!

Reisen auf eigenes Risiko

Rechtsanwalt Klaus Siebert ergänzt: „Ein wichtiger Grund der so pauschal ausgesprochenen Reisewarnung ist, dass das Lagezentrum des Auswärtigen Amtes derzeit selber zugibt, die differenzierten Einzellösungen aller Reiseländer nicht mehr ausreichend schnell verifizieren zu können. Damit wird aber allzu deutlich, dass hier jeweils eine individuelle Lagebeurteilung erforderlich ist, die sich aus den unterschiedlichsten Quellen speisen kann.“

Wer sich trotz Reisewarnung hinaus in die Welt traut, kann sich jetzt auch nicht mehr auf die sofortige Rückhol-Hilfe der Bundesregierung verlassen. Heiko Maas:  „Wir haben uns um die Rückkehr von 240.000 Deutschen gekümmert. Das ist jetzt abgeschlossen. Wir werden jetzt vielleicht nicht mehr für jeden Fall gleich eine Lösung parat haben.“ Wer eine Möglichkeit findet, ins Ausland zu reisen, sollte immer daran denken, dass alle EU-Bürger nach ihrer (Wieder-)Einreise in Deutschland 14 Tage in Quarantäne bleiben und sich bei den Gesundheitsämtern melden müssen.

Europäische Nachbarn und ferne Länder

Dabei lockt die große weite Welt. Und ausgerechnet China, der Brutherd der Pandemie, macht uns Hoffnung: Mehr als drei Monate nach der Schließung wegen des Ausbruchs des neuartigen Coronavirus sind der Kaiserpalast in Peking und die Große Mauer wieder für Besucher geöffnet worden. Auch Parks und Museen öffneten jetzt wieder ihre Tore. Eintrittskarten müssen über das Internet bestellt werden. Die Zahl der Besucher wurde stark begrenzt. An den Eingängen wird Fieber gemessen. Besucher müssen außerdem Mundschutz tragen und per Handy-App nachweisen, dass sie nicht krank sind oder Kontakt zu Infizierten mit dem Sars-CoV-2-Virus hatten.

Spanien: Ab dem 4. Mai dürfen auf Formentera, La Gomera, El Hierro und La Graciosa kleinere Geschäfte wieder öffnen und Restaurants ihre Außenterrassen teilweise freigeben und Essen zum Mitnehmen anbieten. Reisen innerhalb des Landes sind voraussichtlich ab dem 22. Juni wieder erlaubt. Dann könnten eventuell auch die Flughäfen für ausländische Reisende wieder öffnen. Voraussichtlich ab Juni dürfen in Frankreich Restaurants, Parks, Gärten und Strände wieder öffnen. Allerdings nur, wenn die Infektionsraten weiter sinken, gab Frankreichs Premierminister Édouard Philippe jetzt bekannt. Von interregionalen Reisen sollten die Franzosen bis auf weiteres absehen, sagte er.

Bis zum 1. September dürfen argentinische Airlines weder fliegen noch Tickets verkaufen – das gilt für inländische Verbindungen ebenso wie für internationale. Die Wirtschaft des Emirats Dubai hängt stark vom Tourismus ab, mit fast 17 Millionen Besuchern in 2019. Dubais Tourismuschef Helal Al Marri kündigte eine schrittweise Lockerung mit strengen Hygienevorschriften an. Je nach Situation und globalen Trends rund um Covid-19 könne sich der Prozess aber bis September verzögern.

Wie wird sich der Reisemarkt entwickeln?

Werden Maßnahmen wie in China auch bei uns Pflicht und in nächster Zeit zur Normalität gehören? Wie wird sich der Reisemarkt 2020 entwickeln? Der TUI-Vorstandsvorsitzende Fritz Joussen (57) sagte dem Fernsehsender Sat.1: „Für mich sind zwei Dinge klar: Reisen in 2020 wird natürlich anders sein – andere Ziele, mehr Schutzmaßnahmen, andere Angebote vor Ort. Aber die Menschen wollen reisen – sobald der Tourismus verantwortungsvoll und sicher starten kann, werden Urlauber sich auf den Weg machen. Eine Öffnung wird vermutlich schrittweise und regional erfolgen.“

Regional? Deutschland first? Der Soziologe, Psychologe und frühere Professor der Universität Hamburg, Horst Opaschowski, ist heute Direktor des Hamburger Instituts für Zukunftsfragen. Er sagte in einem aktuellen Gespräch mit der Berliner Zeitung: „Deutschland war immer schon Urlaubsland Nummer eins der Deutschen. Sie sind nicht am liebsten nach Spanien, Italien oder Österreich gereist. Das verstärkt sich jetzt, Nord- und Ostsee, Schwarzwald, Bayern werden noch beliebter. Erreichbarkeit und Sicherheit spielen plötzlich eine Hauptrolle. Fern- und Auslandsreisen können beides nicht mehr garantieren. Die Paradiese, nach denen wir uns sehnen, werden in Corona-Zeiten zwangsläufig bescheidener.“

Urlaub in der Heimat ist angesagt

Noch zeigen sich die nahe liegenden und immer noch sehr beliebten Urlaubsziele für uns Berliner verschlossen. Die Ostsee, die angebliche Badewanne der Hauptstadt, ist vor den großen Sommerferien noch unerreichbar. Mecklenburg-Vorpommern will sich Mitte Mai zu weiteren Entwicklungen äußern und verfolgt einen mehrstufigen Plan. Zunächst dürfen Dauercamper und Zweitwohnungsbesitzer wieder ins Land kommen. Danach öffnen Gastronomiebetriebe unter strengen Hygienevorschriften, die etwa den Sicherheitsabstand betreffen, und Tagesangebote wie Fahrrad- und Bootsverleiher. Als dritter Schritt ist ein „vorsichtiger Start in den Übernachtungstourismus“ geplant, der zunächst nur für Einwohner von Mecklenburg-Vorpommern gestattet werden soll. Übernachtungsgäste aus anderen Bundesländern sind in der vierten Phase erlaubt. Gäste aus anderen Staaten können dem Konzept zufolge erst in der fünften Stufe wieder nach Mecklenburg-Vorpommern reisen.

Ähnlich, allerdings noch ohne konkreten Öffnungsplan, sieht es auch in Schleswig-Holstein und in Niedersachsen aus. Göran Sell ist Geschäftsführer der Nordseeheilbad Borkum GmbH. Er fasst zusammen: „Noch können wir nicht sagen, wann und wie die Lockerungen des Lockdowns auch den Tourismus erreichen. Wir arbeiten daran, mit den Vertretern der einzelnen Angebotsbereiche, insbesondere aus dem Beherbergungsgewerbe, der Gastronomie und dem Einzelhandel, Lösungen für eine Öffnung zu entwickeln und mit der Politik abzustimmen. Es gilt: Safety first! Es zeichnet sich daher für uns ab, dass wir manche Angebote nicht in gewohnter Form unterbreiten können. So werden wir auf die Durchführung von Großveranstaltungen in jedem Fall bis zum 31. August verzichten.“

Zurzeit fast unberührt: der Strand auf der Nordseeinsel Borkum.
Foto: Moritz Kaufmann/Nordseeheilbad Borkum

Überall an der Küste fällt auf, dass der fehlende Urlaubsrummel in den letzten Wochen Flora und Fauna ganz gut getan hat. Auch auf Borkum. Sell: „Uns Insulanern präsentiert sich Borkum derzeit an vielen Stellen ungewohnt. Dies schärft auch unseren Blick für bisher noch nicht so stark beachtete Seiten der Insel. So gewährt z. B. der frisch sanierte Deich auf der Reede fantastische Einblicke in Naturlandschaften, die bisher so nicht möglich waren.“

Social Distancing im Ferienhaus

Von Bayern bis Schleswig-Holstein wird überlegt, die deutschen Tourismus-Regionen im Zuge der Corona-Lockerungen wieder zu öffnen: Urlaub möglich machen, ohne Infektionen zu riskieren – gerade für Familien ist dies am besten in einem Ferienhaus möglich, sagt Kai-Uwe Finger, Deutschland-Chef des Ferienhausanbieters Novasol: „Urlaub in einem Ferienhaus bietet exakt dieselben Bedingungen für Social Distancing wie die eigenen vier Wände zu Hause. Anders als Hotels, Gastronomie und Einzelhandel benötigen Ferienhäuser keinerlei Hygieneplan oder organisatorische Voraussetzungen für die Wiedereröffnung – man verhält sich schlicht so wie zu Hause auch.“

Aber wann öffnen sich die Ferien-Destinationen zwischen Bayern und Schleswig-Holstein denn nun? Noch ist in Bayern zum Beispiel alles geschlossen, was man mit dem Tourismus in Verbindung bringt. Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat den Bürgern angesichts der Corona-Pandemie empfohlen, einen Sommerurlaub in Deutschland zu planen. „Meine Einschätzung ist, wenn man das Infektionsgeschehen anderer Länder anschaut, ist der Urlaub wohl besser in Deutschland zu machen“, sagt Söder. Er wirbt angesichts der Corona-Grenzsperren um deutsche Österreich-Urlauber. „Für all diejenigen, die sich Österreich als Urlaubsort vorstellen können, kann ich dann einfach nur sagen: Bayern ist genauso schön“, so der christlich-soziale Politiker im ZDF. „Also wer Österreich genießen will, kann das auch in Bayern tun.“

Wird die Grenze nach Österreich geöffnet?

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz glaubt an eine baldige Grenzöffnung zwischen Deutschland und dem Alpenland und hält dagegen: „Wenn jemand in Ost-Deutschland lebt, kann es derzeit gefährlicher sein, nach Nordrhein-Westfalen zu fahren, als nach Österreich.“ Und er kritisierte die Äußerungen von Außenminister Heiko Maas, der vor einem „europäischem Wettlauf“ im Tourismus-Bereich gewarnt hatte. „Also von einem Überbietungswettbewerb kann ja wohl nicht die Rede sein. Wir werden die Grenzen zu allen Ländern geschlossen halten, die eine Gefahr für uns darstellen.“

Wie sieht es in Österreich aus – so kurz vor Ende der Pandemie-Einschränkungen? Ich habe mit Georg Overs gesprochen, Geschäftsführer der Region Villach Tourismus GmbH. Er glaubt fest daran, dass es nur eine europäische Lösung geben kann. Und weiter: „Dies nur unter den Ländern, die die Pandemie unter Kontrolle haben, und in denen die Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen weitestgehend akzeptiert werden und eingehalten werden. Ich gehe im Moment von Anfang Juli aus.

Wir in der Region Villach in Kärnten sind sehr gut vorbereitet. Wir haben die ganze Leistungskette betrachtet, die unsere Gäste in Anspruch nehmen, und werden die Abstandsregeln im Angebot berücksichtigen und kommunizieren. Zum Beispiel braucht man beim Eintritt ins Strandbad zum gegenseitigen Schutz schon eine Maske, aber beim Baden und Liegen nicht. Daran gewöhnen wir uns gerade alle im Alltag, im Urlaub wird es für die meisten eher komfortabler.

Unendliche Weiten - bald erreichbar? Wandern und Durchatmen auf dem Dobratsch in der Region Villach in Kärnten/Österreich.
Foto: Franz Gerdel/Region Villach Tourismus

Zwischen 30 und 40 Prozent unserer Gäste kommen sommers wie winters aus Deutschland. Entsprechend ist die Bedeutung und unsere Hoffnung auf offene Grenzen. Aber denken wir bitte auch an die Enttäuschungen in den Familien, wenn sie nicht zu ihren Lieblingszielen und befreundeten Gastgebern kommen können – gerade nach den entbehrungsreichen letzten Wochen.“

Und was sagt er zu Söders Vorschlag, statt nach Österreich zu reisen, lieber in Bayern zu bleiben? „Ich hätte ihn für einen überzeugteren Europäer gehalten. Bayern und Österreich haben bestens mit offenen Grenzen gelebt. Hierfür sollten wir kämpfen – übrigens nicht nur für den Tourismus. Fachlich kann ich nur sagen, dass dann vor allem in Oberbayern Overtourism herrschen wird, mit vielen Problemen und hohen Preisen. Ob das dann noch so schön ist, wie bei uns?“

Billig-Airlines rechnen nicht mit frühem Neustart

Wer Fernweh hat, muss meist zwangsläufig fliegen, um an seinen Sehnsuchtsort zu kommen. Aber mit wem? Easyjet hat Schritte eingeleitet, die es der Airline ermöglichen sollen, die Corona-Pandemie mit einem kompletten Grounding der Flotte maximal neun Monate durchzuhalten. Dazu hat die Airline unter anderem das Flottenwachstum ausgesetzt und neue Kredite aufgenommen. Innerhalb von zwei Wochen kann Easyjet den Flugbetrieb nahezu vollständig wieder hochfahren.

Die Airline rechnet damit, dass man in der Startphase nach der Corona-Pandemie den Mittelplatz auf allen Flügen freilassen werde. Das würden die Menschen erwarten. Rund die Hälfte aller Kunden, deren Flüge wegen der Krise storniert wurden, hätten mittlerweile statt einer Rückerstattung Gutscheine oder Umbuchungen auf spätere Flüge akzeptiert. Daher gebe es auch Überlegungen den Sommerflugplan 2021 früher freizuschalten als gewöhnlich.

Europas größter Billigflieger Ryanair plant den Abbau von bis zu 3.000 Arbeitsplätzen. Für das laufende zweite Quartal erwartet Ryanair einen Verlust von 100 Millionen Euro. Ryanair-Chef Michael O’Leary geht inzwischen davon aus, dass die Normalisierung des Betriebs erst im Juli beginnt. Bislang war das Management von Juni ausgegangen. Es rechnet nun damit, im dritten – und traditionell wichtigsten – Quartal nur 50 Prozent der geplanten Flüge durchführen zu können. Eine Erholung des europäischen Flugverkehrs von der Corona-Krise sei frühestens für den Sommer 2022 zu erwarten, so O’Leary.

Unterstützung für die Lufthansa

In den Vereinigten Staaten ist schon vor mehr als vier Wochen ein Rettungspaket für dortige Fluggesellschaften geschnürt worden - 25 Milliarden US-Dollar schwer. Rund ein Fünftel dieser Summe sollen die Airlines quasi geschenkt bekommen. Thema Lufthansa: 5,5 Milliarden Euro in Form einer stillen Beteiligung des Bundes sollen an die Fluglinie fließen. Im Gegenzug verlangt die Bundesregierung offenbar eine Garantiedividende von neun Prozent. Außerdem will der Staat mit 25,1 Prozent direkt bei der Lufthansa einsteigen. Ab Montag müssen Passagiere der Lufthansa übrigens während der gesamten Reise – also am Flughafen und an Bord der Maschine – einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Im Gegenzug entfällt das Freihalten des Mittelsitzes. An Bord aller Maschinen der Lufthansa-Gruppe – also auch Austrian, Brussels, Eurowings und Swiss – gilt von Montag, 4. Mai 2020, an eine Maskenpflicht auf all ihren Flügen. Passagiere müssen demnach während des gesamten Fluges und bereits am Flughafen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Diesen erhalten sie nicht von der Fluggesellschaft, sondern müssen ihn selbst mitbringen. Die Maskenpflicht gilt auch für die Stewardessen.

Für große Reise-Veranstalter ist der 14. Juni Stichtag

Was sagen die großen Reiseveranstalter? Die FTI Group passt ihre Regelung an und sagt für den deutschen Markt vorsorglich alle Reisen von FTI Touristik, 5vorFlug, BigXtra sowie LAL Sprachreisen mit Abreisen bis einschließlich 14. Juni 2020 ab. Ausgenommen davon sind Buchungen mit Abreisen vom 16. Mai bis einschließlich 14. Juni 2020 nach Deutschland, Österreich, Polen, in die Schweiz und in die Niederlande.

Ralph Schiller, FTI Group Managing Director: „Von dieser Regelung klammern wir bewusst Buchungen für Urlaub in weiten Teilen unseres Eigenanreise-Bereichs aus. Grund dafür ist, dass wir mögliche bilaterale Vereinbarungen mit den genannten Ländern erwarten, die Einreise und Urlaubsaufenthalte vor dem 14. Juni 2020 ermöglichen. Gerade in Hinblick auf die Pfingstferien wollen wir dann Gästen entsprechende Optionen offen halten können. Sollten sich Gäste hierzu aber aktiv melden und stornieren oder umbuchen wollen, so können sie dies kostenfrei tun.“

Anex Tour und deren Marken Bucher Reisen und Öger Tours sagen ebenfalls alle Reisen mit Abreise bis zum 14. Juni ab. Die Reisen werden kostenfrei umgebucht oder storniert. Bei Stornierung besteht die Wahl zwischen Reisegutschein oder Rückzahlung bereits geleisteter Zahlungen. Kunden mit betroffenen Buchungen werden, je nach Buchungsweg, von den Veranstaltern oder von ihrem Reisebüro direkt informiert.

TUI rechnet mit früher Öffnung des Deutschland-Marktes

Auch die DER Touristik Deutschland reagiert auf die Verlängerung der weltweiten Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Bis einschließlich 14. Juni 2020 wird der Reiseveranstalter keine Auslandsreisen durchführen. Zur DER Touristik Deutschland gehören die Marken Dertour, ITS, Meiers Weltreisen, ADAC Reisen und Travelix.

„Die Saison wird dieses Jahr später starten und der Schwerpunkt wird sich in den Spätsommer verschieben. In vielen Urlaubsorten am Mittelmeer ist dies sogar die schönste Zeit. Das Interesse der Menschen zu verreisen oder abgesagte Urlaube nachzuholen, ist groß, das zeigt auch die Suche auf unserer Internetseite und die Einlösung unserer Reisegutscheine. Reisen ist und bleibt für die Deutschen eine Herzensangelegenheit – jetzt mehr denn je,“ sagt Hubert Kluske, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing TUI Deutschland.  TUI Deutschland pausiert das Reiseprogramm bis zum 14. Juni, Reisen innerhalb Deutschlands werden bis Mitte Mai ausgesetzt, da von einer früheren Öffnung der Ferienhäuser und Hotels in Deutschland auszugehen sei.

Wann kann man diesen Blick auf Rovinj in Kroatien wieder genießen. Vielleicht nach einer Fahrt durch einen touristischen Korridor?
Foto: FVA Kroatien

Ein Korridor nach Kroatien?

Gibt es sonst noch Bewegungen im Tourismus in Europa? „Wir brauchen jetzt eine Strategie für einen gemeinsamen Neustart des Tourismussektors in der EU“, betonte auch der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, immer wieder. Kroatien scheint davon überzeugt, im Sommer deutsche Urlauber willkommen heißen zu können und präsentiert sich ganz deutlich als virenfreie Alternative zu den Lieblingsreisezielen der Deutschen wie Spanien oder Italien. Das Land will sich also als Corona-sicheres Urlaubsziel vermarkten, in dem beispielsweise deutsche Touristen sorglos ihre Sommerferien verbringen können. Der kroatische Tourismusminister Gari Cappelli sagte im Interview mit Bild, er führe bereits Gespräche mit Slowenien, Ungarn, Tschechien und Österreich, um zum Beispiel Durchreisen für Touristen zu ermöglichen.

Ist Deutschland dem Inlands-Boom gewachsen?

Noch einmal zurück nach Deutschland. Gibt es überhaupt genug Hotelbetten und Ferienwohnungen für alle Urlauber, die jetzt in Deutschland bleiben werden? Torsten Kirstges (57) ist Studiengangsleiter für Tourismuswirtschaft an der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven. Er beantwortete diese Frage im aktuellen Spiegel so: „Eindeutig nein. Rund drei Viertel aller längeren Urlaubsreisen der Deutschen gehen zu normalen Zeiten ins Ausland, vor allem nach Spanien, Italien, Griechenland, Österreich und in die Türkei. Das sind mehr als 50 Millionen Auslandsurlaubsreisen pro Jahr mit im Schnitt jeweils rund 13 Übernachtungen. Diese Bettenkapazität muss man erst mal haben. Hinzu kommen Kurzurlaubsreisen.

Urlaubshungrige, die eigentlich in der ersten Jahreshälfte ihren Haupturlaub machen wollten, werden ihn nun nachholen wollen. Nach dem Stress mit Homeschooling und Kinderbetreuung zu Hause brauchen gerade Familien eine Erholungszeit. Das Sommer-Schulferien-Fenster ist aber auf circa zehn Wochen über alle Bundesländer begrenzt.

Wenn jetzt also auch noch viele der üblichen Auslandsurlauber innerhalb Deutschlands verreisen wollten, würde die vorhandene Kapazität hierzulande - selbst unter Einberechnung der letzten verfügbaren Betten auf dem flachen Land - niemals ausreichen.

Das sollten Sie wissen

Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes berechtigt dazu, eine Pauschalreise kostenfrei zu stornieren. Denn es liegt ein unvorhersehbarer, außergewöhnlicher Umstand vor, der zum kostenfreien Rücktritt berechtigt. Auch wenn ein generelles Einreiseverbot für Touristen aus Deutschland besteht, kann man kostenfrei vom Pauschal-Reisevertrag zurücktreten.

Das gilt nicht für individuell gebuchte Flüge, Mietwagen, Transfers und Hotels. Hier gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen, die man bei der Buchung akzeptiert hat. Aber: Wenn nach deutschen Recht gebucht wurde und es besteht für das Land, in dem sich das Hotel befindet, ein generelles Einreiseverbot, muss der Urlauber, der schlichtweg nicht anreisen kann und darf, keine Stornokosten bezahlen, da die Unterkunft nicht mehr erreichbar ist.

Wird ein Flug annulliert, muss der Ticketpreis erstattet werden. Ist die Einreise am Flugziel generell für Touristen aus Deutschland verboten, darf die Airline den Passagier gar nicht mitnehmen, sodass man auch in diesem Fall, den Ticketpreis erstattet bekommt.

Versicherung: Wenn man trotz Reisewarnung verreist, kann es Probleme mit der Ausland-Krankenversicherung geben. Je nach Versicherungsbedingungen kann der Versicherungsschutz bei Auslandsreisen nach einer Warnung des Auswärtigen Amts ausgeschlossen sein.

Haben Sie Fragen zum Thema Reise während und nach der Corona-Pandemie, dann senden Sie uns eine E-Mail an: leser-blz@berlinerverlag.com

Wab-Adressen, die helfen können

Auswärtiges Amt:

www.auswaertiges-amt.de

Informationen zu Grenzkontrollen:

www.bmi.bund.de

Informationen zu allen Reisebestimmungen in Europa:

Europäisches Verbraucherzentrum Deutschland: www.evz.de

Reise-Recht

www.flightright.de

www.test.de (Stiftung Warentest)

www.rechtecheck.de

Destinationen

www.sh-tourismus.de

www.tmv.de

www.reiseland-niedersachsen.de

www.bayern.by

www.borkum.de 

www.visitvillach.at