Dekorativ: Das Gewebe von Stoffmasken sollte nicht zu dicht sein. Sonst wird auf Dauer das Atmen mühsam. 
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BerlinBeim Einkaufen, in der U-Bahn und anderswo, wo viele Menschen unterwegs sind, wird es immer selbstverständlicher, Schutzmasken zu tragen. Angenehm ist es jedoch nicht, längere Zeit damit unterwegs zu sein. Bei Brillenträgern beschlagen die Gläser – und mit so manchem Maskenmodell ist auch das Luftholen mühsam. Das liegt daran, dass zum Beispiel einige Baumwollstoffe einen relativ hohen Luftwiderstand aufweisen, erläutert die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) in einer aktuellen Stellungnahme zum Thema Alltagsmasken.

Die Experten haben darin unter anderem das aktuelle Wissen über Filterleistung und Luftwiderstand verschiedener Materialien zusammengetragen. Das Fazit: „Eine geringere Luftdurchlässigkeit ist in der Regel mit einer besseren Filterleistung verbunden, erhöht aber auch die Belastung der Atempumpe.“ Sie raten daher, bei der Materialauswahl darauf zu achten, dass längeres oder gar dauerhaftes Atmen durch die anliegende Maske möglich ist.

Der Vergleich zeigt: Normierte chirurgische Masken haben die beste Filterleistung und einen geringen Luftwiderstand. Andere Stoffe, etwa Staubsaugerbeutel oder Geschirrhandtücher, haben zwar eine nur etwas geringere Filterleistung, dafür aber einen deutlich höheren Luftwiderstand. „Letzteres führt zu einer erhöhten Atemanstrengung und kann vor allem bei älteren und vorerkrankten Patienten problematisch sein“, sagt Michael Pfeifer, Präsident der DGP und Mitautor des Papiers.

Staubsaugerbeutel sind keine gute Wahl

Ärztliche Beratung bei der Wahl der Maske halten sie für Patienten mit Herz- und Lungenerkrankungen sowie Atemnot oder eingeschränkter Lungenfunktion notwendig. Bei ihnen sollte eine Blutgasanalyse bei anliegender Maske – idealerweise unter Belastung – durchgeführt werden, rät die DGP. „So lässt sich untersuchen, ob das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes für diese Patienten möglich ist“, betont Michael Pfeifer.

Die Stellungnahme zeigt: Wer mit Masken aus Baumwollstoff nicht zurechtkommt, ist vielleicht mit einer industriell gefertigten Maske besser beraten. Die auch als chirurgische Mund-Nasen-Masken bezeichneten Modelle bestehen aus mehreren Vlies- oder Papierschichten. Sie unterliegen einer europäischen Norm, die bestimmte Werte für die Filterleistung vorgibt und einen Mindestwert für die Luftdurchlässigkeit.

Messungen der Luftdurchlässigkeit anderer Materialien ergaben, dass zum Beispiel Geschirrtücher, Baumwoll-Mischgewebe und mikrobendichte Kissenbezüge eine geringere Luftdurchlässigkeit haben. Am schlechtesten schnitten Staubsaugerbeutel ab. Textile Gewebe wie Leinen, Seide und T-Shirt-Stoff wiederum sind zwar noch luftdurchlässiger als normierte Schutzmasken. Dafür filtern sie aber auch schlechter Bakterien und andere Mikroben aus der Atemluft.

Unabhängig von der Wahl des Modells bekräftigt die DGP: „Nicht medizinische Mund-Nasenmasken bieten einen nachgewiesenen Fremdschutz.“ Zwar könne ein Mund-Nasen-Schutz die Ansteckung anderer nicht vollständig verhindern, er verringere jedoch die Gefahr, indem er infektiöse Tröpfchen beim Husten oder Niesen abfängt.  Dass diese einfachen Masken den Träger selbst schützen, sei zwar nicht in klinischen Studien nachgewiesen, aber wahrscheinlich.

„Viren haben in der Regel eine Schwellendosis, die erforderlich ist, um eine Infektion auszulösen“, erläutert Pfeifer. Beim Influenzavirus etwa scheinen mehrere hundert Kopien des Virus erforderlich zu sein, damit eine Infektion erfolgt. Auch für das Coronavirus Sars-CoV-2 sei es wahrscheinlich, dass es eine individuelle Schwellendosis gibt, so der DGP-Experte: „Infektion und Schwere der Covid-19-Erkrankung hängen sehr wahrscheinlich mit der inhalierten Virendosis zusammen. Jede Verringerung dieser Dosis – zum Beispiel durch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes – ist somit von Vorteil.“

Im Alltag sei bei Stoffmasken zu beachten, die Masken regelmäßig zu wechseln und sie nach jedem Tragen zu reinigen. Sonst könnten die durch Feuchtigkeit bedingten besseren Lebensbedingungen für Viren das Infektionsrisiko für den Träger erhöhen.