Bramsche - Endlich spielte das Wetter mit und hüllte in den vergangenen Tagen auch den Südwesten Niedersachsens in ein dichtes Weiß: auch die Gemeinde Bramsche im Osnabrücker Land an der Hase in eine prächtige Schneelandschaft. Ideale Bedingungen für Mirjam Seidl-Meyerrose, die 40-Jährige ist mehrfache deutsche Meisterin im Schlittenhunderennen und hatte endlich wieder die Möglichkeit, mit ihren 13 Siberian Huskys vor der Haustür im Schnee zu trainieren. „Gut war, dass ich diese Woche Urlaub hatte“, erzählt sie. Beruflich arbeitet sie als Ergotherapeutin in Osnabrück.

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Mirjam Seidl-Meyerrose und einer ihrer Siberian Huskys: ausdauernd, wendig, schnell.

In schneelosen Zeiten behilft sich die Sportlerin mit einem vierrädrigen Wagen. So trainiert sie dann auch bei wärmeren Temperaturen, achtet aber darauf, dass es nicht über 15 Grad werden: Ihre Siberian Huskys sind nämlich wärmeempfindlich und könnten überhitzen – im Sommer  geht sie mit ihnen deswegen nur noch joggen. Die Vorfahren des Siberian Huskys kommen aus der Kälte, sie stammen aus dem nördlichen Sibirien. Dort waren sie jahrhundertelang die unentbehrliche Begleiter der dort lebenden Nomadenvölker, zum Beispiel der Tschuktschen oder der Jakuten.

Zuerst belächelt: „Husky“ war ein Schimpfwort für die Inuit

Als Schlittenhunde wurden die vergleichsweise zierlichen Vierbeiner eher zufällig entdeckt. Im Jahr 1909 trat der russische Pelzhändler William Goosak erstmals mit Siberian Huskys zum „All-Alaska-Sweepstakes-Schlittenhunderennen“ an. Da die Hunde um einiges kleiner waren als die zu der Zeit in Alaska verbreiteten Alaskan Malamutes, nahmen ihn die anderen Teilnehmer nicht sonderlich ernst und nannten seine Hunde „Huskys“ – ein damaliges Schimpfwort für die Inuit. Wie auch immer, das Team von Goosak belegte den dritten Platz.

Bereits ein Jahr später belegten Teams mit Siberian Huskys die Plätze eins, zwei und vier – damit setzten sie sich als die leistungsstärkeren und ausdauerndsten Hunde durch. Im Jahr 1910 begann der norwegische Musher (Hundeschlittenführer) Leonard Seppala mit seinem Rüden Togo die erste Husky-Zucht außerhalb Sibiriens. Die Rasse wurde 1933 in den USA anerkannt. Die Fédération Cynologique Internationale (FCI), der größte kynologische Dachverband, ordnete die Huskys 1966 in die Gruppe 5 „Hunde vom Urtyp“ zur Sektion 1 „Nordische Schlittenhunde“ ein.

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Unterwegs in Bramsche: Das spart weitere Reisen nach Österreich oder Schweden.

Auch heute setzen die Inuit die Hunde als Schlittenhunde ein, doch sie sind ebenso weltweit beliebte Familienhunde. Denn Huskys sind nicht nur der sportliche, sondern auch gesellige Tiere. Sie gelten als freundlich, sanftmütig und menschenbezogen – weshalb sie ungern alleine sind. Sie sind am liebsten immer und überall dabei und vertragen sich problemlos mit anderen Hunden. Die Hunde bauen eine enge Beziehung zu ihren Haltern auf und gehen mit ihnen durch dick und dünn. Zu beachten ist allerdings ihr starker Jagdtrieb – anleinen ist da unbedingte Pflicht.

Aber zurück zu Seidl-Meyerrose. Coronabedingt sind zuletzt alle nationalen und internationalen Wettkämpfe ausgefallen. Umso mehr freut sie sich über den Schnee: „Es ist auch mal ganz nett, nicht jedes Wochenende unterwegs zu sein“, sagt sie, denn um im Schnee fahren zu können, muss sie normalerweise mit ihren Hunden weiter reisen, nach Thüringen, Österreich oder Schweden. „Gerade die internationalen Meisterschaften sind eher in den nordischen Ländern.“ Aber jetzt, findet Seidl-Meyerrose, könnten die Wettkämpfe endlich wieder anfangen. (mit dpa)