Berlin - Von diesem Mittwoch an lebt Deutschland ökologisch betrachtet auf Pump. Denn der 5. Mai 2021 markiert den Tag, an dem unser Vorrat an natürlichen Ressourcen für das laufende Jahr aufgebraucht ist – rein rechnerisch zumindest. Erdüberlastungstag, auf Englisch Earth Overshoot Day, heißt dieses Datum, das vom Global Footprint Network jährlich für einzelne Länder sowie für den ganzen Planeten errechnet wird.

Am globalen Erdüberlastungstag, der im vergangenen Jahr am 22. August war, hat die Weltbevölkerung alle natürlichen Ressourcen verbraucht, die unser Planet im Laufe eines Jahres erzeugen kann. Ab diesem Tag beansprucht die Menschheit also für das übrige Jahr mehr Acker- und Weideland, Fischgründe und Wald, als rechnerisch zur Verfügung stehen. 

Deutschland also hat schon jetzt seinen Anteil natürlicher Ressourcen verbraucht und ist demnach deutlich verschwenderischer. Der frühe Termin des Erdüberlastungstages sei ein Alarmsignal und Armutszeugnis für die verfehlte Umwelt- und Naturschutzpolitik der vergangenen Jahre, sagt der Vorstandsvorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Olaf Bandt.

Massentierhaltung, CO2-Ausstoß im Verkehr, hoher Energieverbrauch

Dass Deutschland schon so früh im Jahr seine natürlichen Ressourcen verbraucht hat, liegt laut BUND unter anderem am hohen Energieverbrauch, dem hohen CO2-Ausstoß im Verkehr und in der Massentierhaltung sowie der Verunreinigung von Böden, Luft und Grundwasser. „Würden weltweit alle Menschen so verschwenderisch leben wie wir, bräuchte die Menschheit drei Erden, um ihren Ressourcenverbrauch zu decken“, sagt Bandt.

Deutschland lebe ab jetzt auf Pump und verschwende die Lebensgrundlagen aller Länder und zukünftiger Generationen. Die Umweltschützer beziehen sich in ihrer Kritik auch auf das kürzliche Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das Nachbesserungen am deutschen Klimaschutzgesetz eingefordert hatte.

Das Global Footprint Network ist eine in den USA und der Schweiz ansässige Denkfabrik. Für den Erdüberlastungstag des Planeten hat die Organisation ein Datum im Hochsommer berechnet. Der genaue Termin wird Anfang Juni bekannt gegeben. Zum Vergleich: In den Jahren 2018 und 2019 war der globale Erdüberlastungstag am 29. Juli, 2017 am 2. August, in den 1980er-Jahren im Zeitraum Oktober und November. Und 1970 war die Bilanz noch fast ausgeglichen: Da fiel der Earth Overshoot Day auf den 29. Dezember.

Das Datum verschieben: #MoveTheDate

Das Global Footprint Network appelliert nicht nur an die Politik, den Verbrauch der natürlichen Ressourcen effizienter zu gestalten. Die Organisation unterstützt auch zivilgesellschaftliche Initiativen, die sich für Nachhaltigkeit einsetzen. Unter dem Motto #MoveTheDate wollen sie dazu animieren, zu einer Verschiebung des Datums beizutragen. Dazu haben mit den Städten Aachen und Wuppertal Pilotprojekte begonnen, die zeigen sollen, welche Wirkungen die Aktivitäten von städtischen und zivilgesellschaftlichen Akteuren entfalten können.

„Gerade auf der lokalen Ebene bestehen große Potenziale, im direkten Dialog mit den Stadtverwaltungen eine klimafreundliche und ressourcenschonende Zukunft mitzugestalten“, sagt Lars Grotewold, Leiter des Bereichs Klimaschutz der Stiftung Mercator, die das Vorhaben fördert. In Wuppertal zum Beispiel wurde das Radwegenetz durch die 23 Kilometer lange Nordbahntrasse erweitert, die sich zu einer beliebten und schnellen Pendelstrecke für Berufstätige und Schüler entwickelt hat.

Und Aachen hat sich zum Ziel gesetzt, bis spätestens 2030 zu einer klimaneutralen Stadt zu werden, unter anderem durch Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern zur Deckung des Strombedarfs. Auch das Land Berlin strebt Klimaneutralität an: laut Energiewendegesetz bis zum Jahr 2050.