Berlin - Das schlimmste in einer Notfallsituation, was man tun kann, ist: nichts zu tun. Eine aktuelle Umfrage des ADAC unter 3631 Befragten hat ergeben, dass etwa die Hälfte der deutschen Bevölkerung sich zwar zutraut, Erste Hilfe zu leisten. Allerdings war sich ein Viertel nicht sicher, und ein weiteres Viertel glaubte sogar, zu Erster Hilfe nicht in der Lage zu sein. Viele Menschen haben gravierende Wissenslücken, so kannte in der Umfrage nur etwa zehn Prozent das genaue Verhältnis von Herzdruckmassage und Atemspende. Nicht verwunderlich: Die Hälfte der Befragten gab an, dass ihr letzter Erste-Hilfe-Kurs zehn Jahre oder länger  zurückliegt.

In einer Notfallsituation kommt es oft alleine auf die Erste Hilfe durch Laien an. Es sind die allerersten Sekunden, die über Leben und Tod, über die Zukunft des Verletzten oder der hilflosen Person entscheiden. Deshalb sollte niemand tatenlos herumstehen, sondern immer helfen, denn auch das ist klar: Niemand muss für fehlerhafte Erste Hilfe haften, sofern er in guter Absicht versucht zu helfen. Unterlassene Hilfe dagegen ist strafbar.

Die Bundesländer haben unterschiedliche gesetzliche Hilfsfristen, also eine Vorgabe für den einzuhaltenden Zeitraum vom Eingang der Notfallmeldung in der Rettungsleitstelle bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes am Notfallort. Diese reichen von acht bis 15 Minuten. Berlin sieht dabei eine bedarfsgerechte Versorgung vor, ohne konkrete Zeitvorgaben zu unterbreiten.

Bevor ein Notruf abgesetzt wird, sollte man sich einen Überblick über die Situation verschaffen und beispielsweise bei einem Verkehrsunfall sicherstellen, dass man sich selbst und andere nicht gefährdet, sowie den Unfallort absichern. Dann sollte so schnell wie möglich der Notdienst angerufen werden. Die 112 ist die europaweit einheitliche Notrufnummer und verbindet mit dem Rettungsdienst, der Feuerwehr und der Polizei. Auch ohne Empfang wird man durchgestellt.

Die Notrufzentrale fragt nach Angaben des ADAC in der Regel nach diesen Infos: Wo hat sich der Notfall ereignet? Was ist passiert? Wie viele Personen sind verletzt oder erkrankt? Welche Verletzungen/Erkrankungen liegen vor? Sie gibt auch häufig schon konkrete Anweisungen, wie der Verletzte oder die kranke Person bis zum Eintreffen des Rettungswagens stabilisiert und versorgt werden kann. Deshalb sollte man beim Absetzen eines Notrufs auch nicht direkt auflegen.

Bis professionelle Helfer eintreffen, muss geklärt werden, ob die betroffene Person bei Bewusstsein ist, also auf lautes Ansprechen oder auf Rütteln an der Schulter reagiert – und vor allem: atmet.

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Stabile Seitenlage – bei Personen, die nicht bei Bewusstsein sind, aber ausreichend atmen

Wenn eine Person von selber atmen kann (2–3 Mal in 10 Sekunden), aber dabei bewusstlos beziehungsweise nicht ansprechbar ist, sollte sie in die stabile Seitenlage gebracht werden, da Erstickungsgefahr besteht.

Im ersten Schritt gilt also: Überprüfen, ob die Atemwege frei sind. Erbrochenes sollte mit dem Zeigefinger aus dem Mundraum entfernt werden. Falls die Zunge nach hinten gefallen ist, sollte sie nach vorne geholt werden. Bei Bewusstlosen sollte der Kopf immer behutsam überstreckt und das Kinn angehoben werden – dadurch werden die Atemwege freigemacht.

– Dann wird die Seitenlage durchgeführt: Der Betroffene liegt dabei gestreckt auf dem Rücken. Der Hilfeleistende kniet sich neben ihn und legt seinen nahen Arm im rechten Winkel nach oben. Die Handinnenfläche zeigt nach oben.

– Der ferne Arm des Betroffenen wird über die Brust hinweg über Kreuz gelegt. Sein Handrücken wird an seine Wange gelegt, festgehalten und auch im nächsten Schritt nicht losgelassen.

– Der Hilfeleistende greift das ferne Bein des Betroffenen, winkelt es an und rollt ihn auf die Seite zu sich her.

– In der Endposition liegt der Oberschenkel des Betroffenen im rechten Winkel zur Hüfte. Die Hand unter seiner Wange ist so ausgerichtet, dass sein Kopf überstreckt bleibt und sein Gesicht nach unten zeigt. Sein Mund ist leicht geöffnet.

Ist der Verletzte in der stabilen Seitenlage, sollte dafür gesorgt werden, dass sein Körper warm bleibt. Auch sollte mit ihm gesprochen und ihm erklärt werden, dass Hilfe unterwegs ist. Das gilt auch dann, wenn die Person bewusstlos ist. Außerdem sollte die Atmung des Betroffenen immer wieder überprüft werden, bis der Notarzt übernimmt.

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Wiederbelebung – bei Personen, die nicht mehr oder nicht normal atmen

Ist eine Person bewusstlos und atmet nicht oder nicht normal, muss mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung (Reanimation) begonnen werden. Das Gehirn reagiert auf einen Sauerstoffmangel sehr empfindlich.

Bei fehlender Atmung muss eine Herzdruckmassage mit Beatmung angewendet werden – und zwar unverzüglich. Denn: Schon nach wenigen Sekunden führt Sauerstoffmangel zur Bewusstlosigkeit, heißt es auf der Seite Fernarzt.com. Nach wenigen Minuten sei das Gehirn irreversibel geschädigt, es entstehe ein hypoxischer Hirnschaden. „Nach etwa zehn Minuten ohne Sauerstoff stirbt das Gehirn endgültig ab und mit ihm die Fähigkeit, selbst zu atmen.“

Durch den Wechsel von Herzdruckmassage und Beatmung soll ein Minimalkreislauf bei der betroffenen Person aufrechterhalten werden. Auch hier gilt: Erst überprüfen, ob die Atemwege frei sind, und den Kopf überstrecken.

– Zur Wiederbelebung kniet sich der Hilfeleistende neben den Betroffenen, in Höhe seines Brustkorbs. Der Betroffene muss dabei auf einem harten Untergrund liegen.

– Der Handballen wird in die Mitte auf den Brustkorb zwischen die Brustwarzen gelegt, der Ballen der anderen Hand wird darübergelegt.

– Dann werden 30 Herzdruckmassagen durchgeführt. Die Arme sind durchgestreckt, das Brustbein wird schnell und kräftig fünf bis sechs Zentimeter nach unten gedrückt. Die Geschwindigkeit: 100 bis 120 Mal pro Minute. Zur Orientierung: Das ist der Rhythmus der Lieder „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees, „Yellow Submarine“ von den Beatles, „Get Lucky“ von Daft Punk feat. Pharrell Williams oder „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer. Nach jedem Druckstoß muss der Brustkorb vollständig entlastet werden.

– Danach folgt die Beatmung: Die Nase des Betroffenen wird zugehalten, sein Mund wird bei angehobenem Kinn geöffnet. Der Kopf muss wieder nach hinten geneigt werden.

– Der Hilfeleistende legt die Lippen dicht um den Mund des Betroffenen und atmet eine Sekunde gleichmäßig hinein, sodass sich der Brustkorb hebt.

– Wenn sich der Brustkorb des Betroffenen wieder gesenkt hat, wird der Vorgang wiederholt.

– Diese Wiederbelebungsmaßnahmen – 30-mal Herzdruckmassage, zwei Atemspenden – müssen so lange fortgeführt werden, bis professionelle Helfer übernehmen oder der Betroffene wieder normal atmet. Eine Herzdruckmassage ist auch ohne Beatmung sinnvoll – beispielsweise auf Grund erhöhter Infektionsgefahr etwa in Corona-Zeiten oder bei fehlender Übung. Die Empfehlung der Deutsche Herzstiftung lautet sogar, dass eine Mund-zu-Mund-Beatmung nur von Personen angewendet werden sollte, die regelmäßig geschult sind und die einzelnen Schritte sicher beherrschen. Möglich sei es auch, dass ein zweiter Ersthelfer die Beatmung übernimmt. Die Reanimationslinie besagt außerdem: Die Herzdruckmassage darf keinesfalls für mehr als zehn Sekunden unterbrochen werden.

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Ein automatisierter externer Defibrillator (AED) sollte nur dann benutzt werden, wenn er sich in unmittelbarer Nähe befindet oder ein Mithelfer ihn holen kann. Die Herzdruckmassage sollte für das Anbringen der AED-Elektroden möglichst nicht unterbrochen werden. Die Herzdruckmassage bleibt auch bei Verwendung eines AED weiterhin die wichtigste Hilfsmaßnahme.

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Blutungen stillen

Zur Erste-Hilfe-Leistung gehört auch, mögliche Blutungen zu stillen. Dabei sollten Einmalhandschuhe aus dem Verbandskoffer verwendet werden, um sich vor eventuellen Infektionen zu schützen.

Die Wunde wird gezielt mit einem Druckverband, einem Shirt oder ähnlichem abgedeckt und fixiert, sodass kein Blut mehr austritt. Der Verband wird dann einige Male um das verletzte Körperteil herumgewickelt. Danach muss ein zweites Druckpolster aufgelegt und ebenfalls umwickelt werden. Der Verband muss fest sitzen, aber nicht so fest, dass die Blutzufuhr unterbrochen wird. Es muss dafür gesorgt werden, dass das verletzte Körperteil möglichst hochgehalten oder hochgelagert wird.

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