Die Zahl bestätigter Infektionen durch das Corona-Virus ist rund 300.
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BerlinErst waren es nur Einzelfälle, inzwischen steigt die Zahl gemeldeter Nachweise von Tag zu Tag deutlich: Ein neuartiges Virus greift in Asien um sich. Ein Überblick.

Wie viele Fälle gibt es bisher? Die Zahl bestätigter Infektionen stieg am Dienstag auf rund 300. Anfangs war nur die Metropole Wuhan betroffen, inzwischen werden von den chinesischen Behörden auch Fälle an anderen Orten gemeldet. Experten des Imperial College London gehen davon aus, dass die neue Krankheit weiter verbreitet ist als bekannt. Nach ihrer Hochrechnung könnte es mehr als 1700 Infizierte geben.

Wo liegt der Ursprung des Erregers? Die ersten Infektionen werden mit einem inzwischen geschlossenen Tiermarkt in Wuhan in Verbindung gebracht. Auch der Sars-Erreger von 2002/2003 war höchstwahrscheinlich von einem Wildtier auf den Menschen übergesprungen, angenommene Quelle sind Schleichkatzen. Den Behörden sollen bereits eine Hypothese haben, von welcher Tierart der neue Erreger auf den Menschen übergesprungen sein könnte.

Sind andere Länder betroffen? Bestätigte Infektionen wurden bis Dienstag aus Taiwan, Thailand, Japan und Südkorea gemeldet. Alle Erkrankten waren zuvor in Wuhan. Zudem gibt es in mehreren Ländern Verdachtsfälle, etwa auf den Philippinen.

Was ist über die Symptome bekannt? Nach derzeitigem Wissen sorge das Virus für Fieber und Symptome einer Lungenentzündung, erklärte der Berliner Virusforscher Christian Drosten. „Die oberen Atemwege sind kaum betroffen, es gibt beispielsweise keinen Schnupfen.“ Von Lunge zu Lunge gelangt ein Erreger schwerer als etwa mit den Tröpfchen beim Niesen. Eine Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der Infektion gibt es nicht, lediglich die Symptome können mit Medikamenten abgemildert werden.

Wie viele Todesfälle sind bekannt? Bis zum Dienstag waren es sechs. Beim ersten Opfer handelte es sich um einen 61-Jährigen, der nach Angaben chinesischer Behörden auch an Krebs und einer Lebererkrankung litt. Das zweite Opfer war ein 69-Jähriger mit einer Herzerkrankung. Zum dritten Todesopfer gibt es keine Angaben. Das vierte Todesopfer ist ein 89-Jähriger, der Diabetes und eine Herzerkrankung gehabt haben soll. Zu den zwei zuletzt bestätigten Todesfällen lagen keine Details vor.

Wie ungewöhnlich ist der Erreger? Dass ein Virus wie das jetzige Ausbrüche beim Menschen verursacht, kommt nach Drostens Einschätzung alle zehn Jahre vor. Tollwut, HIV, Mers, Ebola: Die meisten Infektionskrankheiten des Menschen stammen aus dem Tierreich. Als Quelle neuer Coronaviren gelten unter anderem Fledermäuse und Flughunde. Auch Nutztiere haben in der Vergangenheit Coronaviren auf den Menschen übertragen. Bei spontanen Wirtswechseln eines Erregers ist die Gefahr einer gefährlichen Epidemie oft größer als bei lange kursierenden, weil der Mensch keine Antikörper gegen den neuen Erreger hat.