Luft und Wasser.
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BerlinMit dem Erfolg der Unternehmen Beyond Meat und Impossible Foods, die vegane Rindfleisch- und Burgerersatzprodukte entwickelt haben, wächst der Markt der alternativen Proteine. Nach Angaben der Investmentbank Barclays könnte der Umsatz mit alternativem Fleisch innerhalb eines Jahrzehnts 140 Milliarden US-Dollar oder zehn Prozent des weltweiten Fleischmarkts erobern, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

Das wäre eine Verzehnfachung des derzeitigen Niveaus. Eine neue Produktgeneration vereint Spitzentechnologie mit jahrhundertealten Fermentationsprozessen, um ansonsten schädliche Elemente in Lebensmittelzutaten umzuwandeln. Das Ziel ist, den großen CO2-Fußabdruck der Landwirtschaft zu verkleinern.

Nach Angaben der Vereinten Nationen entfallen 23 Prozent der gesamten vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen auf die Land- und Forstwirtschaft sowie auf andere Landnutzungsaktivitäten. Laut der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft sind die Bauern mittlerweile für rund 14,5 Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Herstellung von Solein ähnelt der von Bier oder Wein

Einer der Pioniere ist Solar Foods, ein finnisches Unternehmen, das an einem essbaren Proteinpulver namens Solein arbeitet, das Wasser, Luft und erneuerbaren Strom nutzt. „Sie vermeiden Auswirkungen auf die Landnutzung wie die Rodung von Wäldern für die Landwirtschaft, den Einsatz von Pestiziden und die Verwendung von Düngemitteln, die Treibhausgase freisetzen, und so weiter", sagte Pasi Vainikka, Mitbegründer und CEO Reuters. Solein wird hergestellt, indem man Mikroben in eine Flüssigkeit gibt und ihnen Wasserstoff und Kohlendioxid zuführt, ein Prozess, der der Herstellung von Bier oder Wein ähnelt, erklärte Vainikka.

Wenn die Flüssigkeit eindickt, wird sie zu einem sehr feinen Pulver getrocknet, das etwa 65% Eiweiß enthält und nach Weizenmehl schmeckt. Im September schloss Solar Foods eine Vereinbarung mit dem Lebensmittelunternehmen Fazer über die Entwicklung von Solein-Produkten, die in bestehenden pflanzlichen Produkten oder zukünftigen Angeboten wie Fleisch aus Laboranbau verwendet werden können. Das Unternehmen plant, Solein bis 2021 für etwa 5 Euro pro Kilo zu verkaufen, sagte Vainikka.

Nachfrage nach alternativen Proteinen wächst

Ein anderes Unternehmen, das die Emissionen in der Landwirtschaft durch Fermentation bekämpft, ist String Bio aus Bangalore. Es arbeitet daran, das Treibhausgas Methan in ein Proteinpulver umzuwandeln - zunächst nur als Tierfutter. " Wir nehmen etwas, das wir nicht für die Umwelt brauchen, und wandeln es in etwas um, das wir brauchen", sagte Vinod Kumar, der mit seiner Frau Ezhil Subbian die Firma gründete.

Umwelterwägungen, aber auch die Sorge um den Tierschutz und die menschliche Gesundheit haben sowohl die Nachfrage als auch das Angebot an alternativen Proteinen gestärkt, sagt Dan Altschuler Malek, Managing Partner der Investmentfirma Unovis Partners. Noch vor 10 Jahren betrachteten Börsenhändler alternative Proteine als eine riskante Wette, aber „heute stellen sie fest, dass für all diese Produkte eine enorme Nachfrage besteht“. Unovis verwaltet New Crop Capital, einen Fonds, der ausschließlich in Start-ups investiert, die Fleisch-, Meeresfrüchte- und Milchersatzprodukte, einschließlich Beyond Meat, entwickeln.

Protein von Sustainable Bioproducts basiert auf Mikroben aus dem Yellowstone-Nationalpark

New Crop hat auch in Nova Meats investiert, ein spanisches Unternehmen, das den 3D-Drucker herstellt, der ein Steak ausdrucken kann, das Geschmack und Textur von Fleisch nachahmen soll. Verwendet werden pflanzliche Proteine.

Das Protein von Thomas Jonas, CEO von Sustainable Bioproducts, basiert auf Mikroben, die in vulkanischen heißen Quellen im Yellowstone-Nationalpark gefunden wurden. In dieser kargen Landschaft entdeckten Forscher „eine Reihe von Lebensformen, die sich über Jahrtausende hinweg entwickelt haben, um in dieser Umgebung zu überleben“, sagte er.

Nachdem das Unternehmen im Februar 33 Millionen US-Dollar gesammelt hat, plant es, nächstes Jahr durch eine „neuartige Fermentation“ der Mikroben ein „Hamburgeräquivalent“ zu produzieren. Bei voller Auslastung könnten in seinem 3.250 Quadratmeter großen Werk in Chicago so viele Burger hergestellt werden, für die man sonst 6.100 Hektar Weideland für Kühe bräuchte, sagte Jonas.