Bargeld liegt in einer Kasse. Das über Münzen oder Scheine das Virus übertragen wird, ist nicht sehr wahrscheinlich.
Foto: Daniel Reinhardt/dpa

BerlinDen Deutschen ist ihr Bargeld bisher lieb und teuer - weniger als in anderen europäischen Ländern setzen sie auf Kartenzahlung, vor allem bei kleinen Einkäufen. Die Deutsche Bundesbank will am Dienstag zur Bargeldversorgung in Zeiten der Corona-Krise und einer möglichen Übertragung des Virus über Banknoten und Münzen informieren. Im Zuge der Pandemie sind Zweifel aufgetaucht: Ist Bargeld wirklich eine Virenschleuder?

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Behauptung: «Viren auf Banknoten können eine Gefahr darstellen, wenn man sich nach dem Anfassen nicht die Hände wäscht und ins Gesicht greift», sagte Mark Witchi, Leiter der Sektion Impfempfehlung und Bekämpfungsmaßnahmen im Schweizer Bundesamt für Gesundheit, jüngst der «Wirtschaftswoche». Influenzaviren könnten beispielsweise bis zu 17 Tage auf Banknoten überleben, hätten seine Untersuchungen ergeben.

Bewertung: Die Wahrscheinlichkeit, sich an Geldscheinen oder Münzen mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, ist nach Einschätzung deutscher Experten sehr gering.

Fakten: «Das auf dem Geldstück klebende Virus würde ich mal weitgehend vergessen», sagte dazu der Virologe Christian Drosten in einem NDR-Podcast. Der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité erläuterte, bei Corona- und Influenzaviren handele es sich um behüllte Viren. Diese seien gegen Eintrocknung «extrem empfindlich».

Anders sei es bei Schnupfenviren, die unbehüllt seien und weniger empfindlich gegen Eintrocknung. Diese würden eher mit den Fingern in die Nase gebracht und könnten dort für Infektionen verantwortlich sein. Bei Coronaviren erfolge eine Infektion dagegen meist über den Rachen - «und wir stecken uns den Finger nicht in den Hals», so Drosten.

Viren müssen eingeatmet werden

Er verwies darauf, dass die Abläufe nicht abschließend erforscht seien. Aber «wahrscheinlich ist das so, dass diese Viren einfach schwerpunktmäßig mehr über Tröpfcheninfektion übertragen werden, weil sie eben eingeatmet werden müssen». Deshalb trage bei der aktuellen Coronaviruserkrankung die Kontaktübertragung eine geringere Rolle, als bei anderen Erkältungskrankheiten.

Der Greifswalder Hygienefacharzt Günter Kampf sieht zwar eine gewisse Wahrscheinlichkeit, im unbelebten Umfeld von Covid-19-infizierten Personen Viren zu finden - etwa auf der Kleidung, auf Brillen und auch Geldscheinen. Aber: «Ob das Material noch infektiös ist, weiß man nicht. Ob die Menge ausreicht, um über die Hände auf die Nasenschleimhaut übertragen zu werden und eine Infektion auszulösen, weiß man nicht», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Ebenso unwahrscheinlich sei es, dass Viren beim Streicheln des Fells von Hunden und Katzen übertragen werden. «Theoretisch ja, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es passiert, geht gegen Null», sagte Kampf.

US-Forscher haben für eine neue Studie nachgewiesen, dass das neuartige Corona-Virus Sars-CoV-2 mehrere Tage auf Oberflächen überdauern kann. Das lebensfähige Virus sei in Luftpartikeln bis zu drei Stunden nachweisbar gewesen, auf Kupferoberflächen bis zu vier Stunden und auf Pappe etwa einen Tag, schrieben die Forscher mehrerer Institute in der Studie, die im «New England Journal of Medicine» publiziert wurde. Auf Kunststoff und Edelstahl konnten lebensfähige Coronaviren noch nach zwei bis drei Tagen nachweisbar gewesen. Geldscheine oder Münzen wurden für diese Studie allerdings nicht untersucht.

Die Empfehlung, sich oft und gründlich die Hände zu waschen, bleibt also von höchster Bedeutung, um eine Virenübertragung auf Atemwege und Schleimhäute zu vermeiden.

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