Mainz - Im Städtischen Klinikum Ludwigshafen ist mit mangelhaften Filtermasken gearbeitet worden. Das zeigen Untersuchungen im Auftrag des ARD-Politikmagazins „Report Mainz“. Eigentlich sollten die Masken Mitarbeiter und Patienten vor Infektionen mit dem Coronavirus schützen und wurden nach Angaben der rheinland-pfälzischen Klinik auch in den Covid- und Intensivstationen eingesetzt. Es handelt sich dabei laut Aufdruck um so genannte KN95-Masken aus China. Sie sollten einen vergleichbaren Schutzstandard wie FFP2-Masken haben.

„Report Mainz“ hat jeweils eine dieser Masken von einem Sachverständigen für Schutzausrüstung und einem Labor der Dekra – einer zertifizierten Prüfstelle für solche Filtermasken – untersuchen lassen. Das Ergebnis: Es fehlten nötige Filter-Funktionen der Maske, laut Laboruntersuchung würde sie 42,8 Prozent der Viren passieren lassen. Erlaubt sind maximal sechs Prozent.

Corona-Infektion durch mangelhafte Masken nicht ausgeschlossen

Mit den Ergebnissen dieser Tests konfrontiert, hat das Ludwigshafener Klinikum am vergangenen Freitag nach eigenen Angaben die Masken dieses Typs aus allen Bereichen entfernt. Beim Einkauf des Produkts habe man sich die erforderlichen Unterlagen zusenden lassen. „Für unser Haus gab es zum damaligen Zeitpunkt keinen Anhaltspunkt, der Gründe zum Zweifeln für uns geboten hätte“, teilte eine Sprecherin des Klinikums schriftlich mit.

Günter Layer, Ärztlicher Direktor der Klinik, schloss laut dem Politikmagazin nicht aus, dass es zu Ansteckungen wegen der mangelhaften Maske gekommen ist. „Wir haben eine Vielzahl von Mitarbeitern, die infiziert sind, auch eine Vielzahl von Mitarbeitern, die in Quarantäne sind.“ Die Maske sei auf vielen Stationen zum Einsatz gekommen, darunter acht Stationen, auf denen Covid-Patienten behandelt werden. Auch Patienten hätten sich im Klinikum angesteckt. Aufgrund der aktuellen Auslastung seien alle planbaren Eingriffe inzwischen abgesagt worden, teilte das Klinikum vor kurzem mit.

Experten: Hunderttausende Masken können problematisch sein

Hunderttausende der in Deutschland im Umlauf befindlichen FFP2- und KN95-Masken könnten problematisch sein, schätzen Experten. In den Labors der Dekra seien bei Tests bislang mehr als 80 Prozent der Produkte durchgefallen, teilt Geschäftsführer Jörg-Timm Kilisch mit.

Das Bundesgesundheitsministerium plant einem Beschluss von Bund und Ländern zufolge, mehr als 27 Millionen Risikopersonen mit vergünstigten, gar kostenlosen, FFP2-Masken zu versorgen. Wie genau das geschehen soll und wie man sicherstellen will, dass keine mangelhaften Masken ausgegeben werden, konnte das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage von „Report Mainz“ nicht beantworten. Man arbeite derzeit noch an der nötigen Rechtsverordnung.

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