Das sogenannte El-Dorado-Feuer nördlich der kalifornischen Gemeinde Angelus Oaks ist mehr als 19.000 Hektar groß.
Foto: Will Lester/Orange County Register via ZUMA

BerlinEs brennt in Kalifornien. So schlimm wie nie zuvor. Am 16. September 2020 waren durch die seit dem Sommer tobenden Waldbrände bereits 13.000 Quadratkilometer Wald vernichtet worden – doppelt so viel wie im bisherigen Rekord-Brandjahr 2018. Langanhaltende Dürre und Winde treiben die Ausbreitung der Feuer an, die neben dem Wald ganze Ortschaften zerstören und Dutzende Menschen töten.

Woher kommt diese Feuergewalt? Ist das die Folge des Klimawandels? US-Präsident Trump ist nicht dieser Meinung. Er sieht eher die Regierungen der demokratisch regierten Westküste in der Verantwortung – mit falscher Fortwirtschaft. Gavin Newsom, der demokratische Gouverneur von Kalifornien, entgegnete jedoch klar: „Wir befinden uns in einer Klimakrise.“ Viele Forscher hätten diese Entwicklung schon seit Jahren vorhergesagt. Was stimmt nun? Welche Ursachen haben diese Mega-Waldbrände in Kalifornien?

Zunächst einmal: Waldbrände in der Region sind nichts Ungewöhnliches. Es gibt sie in jedem Jahr – mal in geringerem, mal in größerem Ausmaß. Manche Ökosysteme in der Region brauchen solche Feuer sogar und sind daran gewöhnt. Gemeint ist etwa der Chaparral, eine Art Buschvegetation ähnlich der in der Mittelmeer-Region, deren Bezeichnung aus dem spanischen Wort für „niedrige immergrüne Eiche“ kommt. Der Chaparral wächst oft so dicht, dass er undurchdringlich wird.

„Diese Buschvegetation in Kalifornien, die ist das, was wir als Wissenschaftler als ein Feuerökosystem bezeichnen“, sagte vor einiger Zeit der Freiburger Feuerökologe Johann Goldammer im Deutschlandfunk. Periodische Brände sorgen  dafür, dass sich die Vegetation immer wieder erneuert. Diese Brände sind normalerweise klein, die Bäume sind mit dicker Rinde daran angepasst. In der nährstoffreichen Asche wachsen schnell neue Bäume.

Heiße Winde fachen die Brände immer weiter an

Doch seit Jahren werden die Brände immer größer und bedrohlicher. Das liegt an verschiedenen Dingen. Unter anderem daran, dass Menschen seit dem 20. Jahrhundert die natürlich entstehenden Feuer immer öfter unterdrücken. Und dass sie sich mit ihren Siedlungen mitten im „Feuerökosystem“ ausbreiten. Damit hat sich so viel trockenes Material angesammelt, dass aus kleinen Bränden schnell Großfeuer entstehen, die Häuser und Menschen bedrohen. Die Trockenheit belastet auch andere Wälder, in denen vor allem viele Nadelbaumarten wachsen, darunter Kiefern, Tannen, Douglasien und Zedern. Bedroht sind auch die Nationalparks mit ihren Mammutbäumen.

Zu den Faktoren, die die Feuer immer weiter entfachen und zu riesigen Flächenbränden vereinen, gehören neben vorangegangenen heißen und trockenen Sommern auch Winde. Zum Beispiel die trockenen Santa-Ana-Winde, die im Großen Becken zwischen den Rocky Mountains und der Sierra Nevada entstehen. Sie werden in der Wüste aufgeheizt und beeinflussen als Fallwinde im Herbst das Wetter in Kalifornien. Sie fachen die Brände immer stärker an.

Feuerwehrmänner beobachten das sogenannte El-Dorado-Feuer nördlich der kalifornischen Gemeinde Angelus Oaks.
Foto: imago images/ZUMA Wire

Für diese Brände braucht es allerdings erst einmal Auslöser. Aber solche gibt es zur Genüge. Oft reicht ein einfacher Funke – etwa durch schadhafte Hochspannungsleitungen –, ein Lagerfeuer, der Funke von einem Grill, eine Zigarettenkippe oder ein Blitz.

In diesem Jahr gab es in Kalifornien einen heißen Frühling, der bereits die Vegetation austrocknete, gefolgt von einem heißen und trockenen Sommer. Die erste Serie von Feuern brach im August aus, nachdem in Kalifornien an drei Tagen sogenannte Trockengewitter mit insgesamt etwa 11.000 Blitzeinschlägen getobt hatten. Die zweite große Welle begann im September, mit dem Auftreten einer massiven Hitzewelle mit bis zu 54,4 Grad Celsius. Starke, trockene Winde von See fachten die Feuer an, wie berichtet wurde.

Noch ist hier kein Wort vom Klimawandel gefallen, wenn auch durch Besiedelung und Brandunterdrückung ein menschlicher Einfluss erkennbar ist. Bedenklich stimmt viele Forscher allerdings, dass die Brände seit Jahren immer größer werden und eine ganz neue Dimension annehmen. Sowohl die Größe der Brände als auch die Geschwindigkeit ihrer Ausbreitung sind Berichten zufolge nahezu beispiellos in der jüngeren Geschichte. Die diesjährigen Brände werden bereits mit dem Großen Brand in den Staaten Washington, Montana und Idaho („The Big Blow Up“) im Jahre 1910 verglichen. Damals brannte eine Fläche von mehr als 12.000 Quadratkilometern, 78 Feuerwehrleute kamen ums Leben.

Damals wie heute verschmolzen einzelne Brände in ausgetrockneten Wäldern durch starke Winde innerhalb kürzester Zeit zu riesigen Feuermeeren. Die diesjährigen Brände in Kalifornien vernichteten bis zum 16. September bereits etwa 13.000 Quadratkilometer Vegetation. Das sogenannte Bear Fire nördlich der kalifornischen Hauptstadt Sacramento hatte sich zum Beispiel über Nacht um 920 Quadratkilometer vergrößert. Die Brandbekämpfung wird verhindert durch Feuertornados und dichte, bis zu zwölf Meter hohe Rauchwolken.

Nach Auffassung von Forschern verstärken sowohl die aktuelle Wetterlage als auch der Klimawandel das natürliche Brandgeschehen in Kalifornien. So hatte man es ja auch bereits für die verheerenden Buschbrände in Australien 2019/20 und die Waldbrände in Sibirien in diesem Jahr konstatiert, die das Abtauen der Permafrostböden vorantreiben. Zum Wetter sagte der Feuerökologe Johann Goldammer in der „Zeit“, dass der Westen der USA, insbesondere Kalifornien, in diesem Jahr unter einem sogenannten Heat Dome liege. Dies sei ein besonders starkes Hochdruckgebiet, unter dem die heiße Luft festgehalten werde. Solche Blockadesituationen in der Atmosphäre könnten durch die Erwärmung der Erdatmosphäre häufiger auftreten und verstärkt werden, sagen Forscher.

Die Luftzirkulation in der Atmosphäre verändert sich

Wie dies geschehen könnte, untersuchten Klimaforscher der Standford University bereits 2016. „Kennzeichnend für diese Hochdruckblockade sind Veränderungen des Höhenwindes. Wir kennen ihn als Jetstream“, sagte der Klimaforscher Daniel Swain im Deutschlandfunk. Er bringe Kalifornien normalerweise Niederschläge und Stürme während der Regenzeit. Seit einiger Zeit aber schlenkere der Jetstream nicht so weit südwärts. Der Regen, den Kalifornien abbekommen soll, falle weiter im Norden.

Auch andere Forscher wiesen bereits darauf hin, dass die Regenfälle um Halloween herum immer öfter ausblieben. Statt Regen gebe es ausdauernde winterliche Hochdruckgebiete über dem Nordpazifik – gefolgt von besonders heißen und trockenen Jahren in Kalifornien. „Die Zunahme der Temperaturen durch den Klimawandel erhöht ja eh schon das Risiko für Dürren“, sagte Daniel Swain. „Hier haben wir jetzt einen zusätzlichen Faktor: Auch die Luftzirkulation der Atmosphäre verändert sich. Es gibt häufiger Wetterlagen, mit denen extrem geringe Niederschläge in Kalifornien verbunden sind.“

Vor zehn, zwanzig Jahren hätten die Amerikaner an der Westküste noch von einer sogenannten Feuersaison gesprochen, sagte Feuerökologe Johann Goldammer, als es bereits 2018 zu besonders ausgeprägten Waldbränden in Kalifornien kam. Die Feuersaison habe in der Zeit zwischen Mai und September gelegen, als es trocken und heiß wurde. Inzwischen aber brennt es Goldammer zufolge in Kalifornien praktisch das ganze Jahr über, zwölf Monate lang.

Zwischen 1972 und 2018 vergrößerte sich die verbrannte Waldfläche in Kalifornien um das Fünffache, wie Forscher berichteten. Der Weltklimarat IPCC erklärte in einem Bericht, dass die erhöhte Waldbrandfrequenz in Nordamerika „auf den anthropogenen Klimawandel zurückgeführt werden kann“. Verantwortlich sei die zunehmende Trockenheit, die für leicht entflammbaren Brennstoff sorge. 15 der 20 schlimmsten Brände in Kalifornien sollen sich Forschern zufolge seit dem Jahre 2000 ereignet haben.

Viele erinnern sich gewiss noch an die Bilder von der kalifornischen Dürre in den Jahren 2011 bis 2017, die sich am Ende zur Megadürre verstärkte. Man sah ausgetrocknete Seen und Kanäle sowie verdorrte Plantagen. Die Dürreperiode der Jahre 2012 bis 2014 sei die schlimmste seit 1200 Jahren gewesen, erklärten Forscher des US-Instituts Woods Hole Oceanographic Institution und der University of Minnesota nach der Analyse von historischen Baumringen. Der Grund sei, dass zwei Faktoren zusammenkamen: geringe Niederschläge und lang anhaltende Rekordhitze. Die Folge der Megadürre sei eine ungewöhnlich hohe Zahl von 129 Millionen toten Bäumen, sagte die Erdsystemforscherin Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Es gibt also genügend Brennmaterial für verheerende Feuermeere.