Fischlarven
Foto:  Jonathan L. Whitney

HawaiiZahlreiche Fische der Weltmeere sind in ihren ersten Lebenstagen besonders stark von Plastikmüll umgeben. Das zeigt die Studie eines internationalen Forscherteams vor der Westküste Hawaiis. In den Arealen an der Wasseroberfläche, in denen sich Fischlarven besonders gerne aufhalten, schwimmt demnach weit mehr Plastikmüll als im übrigen Wasser. Da die Fische den Müll verschlucken, vermuten die Forscher Auswirkungen auf die gesamte Nahrungskette bis zum Menschen.

In der Studie ging es um die sogenannten Slicks. Dabei handelt es sich um planktonreiche, besonders ruhige Wasserbahnen, die sich wie Schlieren durch die Meere ziehen. Von oben betrachtet sind sie als helle Linien zu erkennen. Das Wasser wird hier durch Strömungen zusammengedrückt und ist relativ glatt und nährstoffreich. Nach Erkenntnissen der Forscher leben in den Slicks besonders viele junge Fische. Zugleich werde dort jedoch auch besonders viel Plastik zusammengetrieben, berichten sie im Fachmagazin PNAS.

Das Team um Jamison Gove vom Pacific Islands Fisheries Science Center in Honolulu untersuchte von 2016 bis 2018 die Slicks und andere Wasserregionen vor der Westküste von Hawaii. Es stellte fest, dass die Slicks besonders reich an Nährstoffen sind. Durch Strömungen sammeln sich dort zudem pflanzliches Plankton und kleinste Wassertiere. Slicks bieten somit eigentlich ideale Aufwachsbedingungen für kleine Fische.

Fischlarven mit vergrößertem Plastik, Dime als Maßstab
Foto: Jonathan L. Whitney

Satellitenbilder zeigten, dass diese Wasserbahnen zwar nur einen kleinen Teil des Meerwassers ausmachen, dennoch lebten dort über 42 Prozent der jungen Fischlarven. Die Jungfische in den Slicks waren zudem größer und konnten besser schwimmen als die Jungfische im umgebenden Wasser.

„Wir haben herausgefunden, dass die Slicks reich an Fischlarven aus verschiedensten ozeanischen Lebensräumen sind, solche aus seichtem Wasser an den Korallenriffen und auch Fische aus Tiefseegewässern. Zu keinem anderen Punkt ihres Lebens teilen sich diese Tiere einen Lebensraum“, sagt Co-Autor Jonathan Whitney.

Siebenmal mehr Plastikteilchen als Fischlarven

Diese Kinderstube birgt inzwischen allerdings auch besondere Gefahren. Denn durch die Strömung sammelt sich dort auch Plastikmüll. Der Studie zufolge befinden sich mehr als neunzig Prozent des Plastiks, das an der Westküste Hawaiis im Meer schwimmt, in den Slicks. Damit fanden die Forscher in diesen Wasserbahnen eine höhere Plastikdichte als im berühmten Nordpazifikwirbel, der auch Großer Pazifischer Müllteppich genannt wird. In den Netzen der Forscher waren siebenmal mehr Plastikteilchen als Fischlarven.

Die Forscher sezierten 658 Fischlarven aus acht Fischfamilien und fanden bei 42 Larven aus sieben Familien Plastikteilchen im Verdauungstrakt. Darunter war der Nachwuchs von Schwertfischen, Goldmakrelen, Fliegenden Fischen (einer Beute von Thunfischen und Vögeln), aber auch von Fischen aus Korallenriffen. Mit 8,6 Prozent hatten in den Slicks mehr als doppelt so viele Larven Plastik verschluckt wie im sonstigen Wasser.

Dabei enthielten die jungen Fische vor allem blaue, durchscheinende Teilchen, die ihrer Nahrungsgröße von höchstens einem Millimeter entsprachen. Die Forscher vermuten, dass die Larven das Plastik mit einer Krebsart verwechseln, die ebenfalls blau reflektiert und zur Nahrung der Tiere zählt.

Die Plastikteilchen in den Netzen der Forscher waren hauptsächlich Zersetzungsprodukte von Alltagsgegenständen wie Plastiktüten, Verpackungen oder Plastikflaschen. Aber auch in der Fischerei zum Beispiel für Kisten und Netze wird diese Plastikart verwendet. Die Forscher weisen darauf hin, dass die Menge dieses Plastikmülls durch Abfallmanagement und Konsumverhalten stark beeinflussbar wäre.

Problem für die gesamte Nahrungskette

Sie gehen davon aus, dass die Verschmutzungen ein Problem für die gesamte Nahrungskette darstellen können. Auch wenn bisher noch Untersuchungen fehlen, die den gesundheitlichen Einfluss von Plastik auf Fischlarven nachweisen, so ist doch von ausgewachsenen Fischen bekannt, dass der Plastikmüll für die Tiere tödlich sein kann. Die Fischarten, in denen solche Plastikteile gefunden wurden, werden beim gewerblichen Fischfang für Menschen gefangen oder bilden die Nahrung für andere Fische oder Wasservögel.

Die Biodiversität und die Fischproduktion seien derzeit von einer ganzen Reihe von Stressfaktoren bedroht, die von Menschen verursacht werden, so wie der Klimawandel, der Verlust von Lebensräumen und Überfischung, sagt Co-Autor Gove. „Leider hat unsere Forschung nun gezeigt, dass wir die Aufnahme von Plastik über die Nahrung von Fischlarven wohl mit auf diese Gefahrenliste setzen können.“