Zu viel Fluorid kann zu einer Zahnfluorose führen. 
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Fluorid schützt Zähne vor Karies, doch eine Überdosis des Minerals kann die Bildung des Zahnschmelzes stören. Das geschieht über eine Störung des Kalzium- und Energie-Stoffwechsels in den zahnschmelzbildenden Zellen. Das berichten Wissenschaftler vom New York University College of Dentistry im Fachmagazin Science Signaling.

Dies könne zu einer Zahnfluorose führen, bei der sich weiße bis bräunliche Flecken oder Streifen auf dem Zahnschmelz bilden. Nach Angaben von Zahnmediziner Stefan Zimmer von der Universität Witten/Herdecke gibt es in Deutschland allerdings kaum Probleme mit Zahnfluorose. Dagegen sei Fluorid ein wesentlicher Faktor zur Kariesvorbeugung.

Fluorid in Lebensmitteln oder Trinkwasser kein Problem

Die Sorge, über Lebensmittel oder Trinkwasser zu viel Fluorid aufzunehmen, ist in Deutschland nach Ansicht von Zimmer unbegründet. Tritt hierzulande aufgrund einer Überversorgung eine Zahnfluorose auf, sei das in der Regel ein kosmetisches Problem, für das es Behandlungsmöglichkeiten gebe, sagt Zimmer. So sei es möglich, Kunststoff in die betroffenen Bereiche einfließen zu lassen oder die Stellen vorsichtig abzuschleifen und zu versiegeln. Zu einer Überversorgung kann es zum Beispiel kommen, wenn Kinder zusätzlich zu fluoridhaltiger Zahnpasta Fluoridtabletten nehmen. Eltern sollen sich für einen der beiden Ansätze entscheiden, raten Experten.

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Größere Bedeutung als die Fluorose spiele in der Zahnmedizin seit einigen Jahren eine andere Mineralisationsstörung der Zähne, die Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation, kurz MIH. Auch dabei kommt es zu Verfärbungen auf den Zähnen, vor allem auf den Backenzähnen und – weniger stark ausgeprägt – auf den Schneidezähnen. Äußerlich ähnele eine MIH der Zahnfluorose. Fluorid spiele für ihre Entstehung aber keine Rolle, erläutert Zimmer. Diskutiert werden unter anderem Medikamente, Umweltgifte und ein Vitamin-D-Mangel.

Verfärbung der Zähne durch Mineralisationsstörung

Laut aktuellen zahnärztlichen Empfehlungen sollen bei Kindern die Zähne vom Durchbruch des ersten Milchzahns an täglich mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta geputzt werden. Experten raten, in den ersten beiden Lebensjahren zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge Zahnpasta mit 1000 ppm (Parts per Million) Fluorid zu putzen. Ab dem zweiten Geburtstag soll dann eine erbsengroße Menge verwendet werden. Das Fluorid lagert sich in den Zahnschmelz ein und macht ihn härter. Es schützt die Zähne so vor zahnschmelzschädigenden Säuren und damit vor Karies. „Das Putzen mit einer guten Fluorid-Zahnpasta verhindert etwa 40 bis 50 Prozent aller kariösen Läsionen“, sagt der Zahnmediziner Stefan Zimmer.

In den USA ist die Fluorose ein viel größeres Problem als in Deutschland. Den Forschern zufolge sind etwa 30 Prozent der Bevölkerung davon betroffen. „In Deutschland kann man etwa von gut 1,5 Prozent ausgehen“, sagt Zimmer. Wesentlicher Grund für den Unterschied sei, dass in den USA – und anderen Ländern – das Trinkwasser mit Fluorid versetzt werde. Auch die Kinderzahnpasten dort wiesen einen höheren Fluorid-Gehalt auf. (dpa/fwt)