Osaka - Mithilfe von Stammzellen und einem 3D-Drucker haben japanische Wissenschaftler Rindfleisch im Labor erzeugt. Das Fleisch bestehe wie ein natürliches Steak aus Muskel- und Fettgewebe sowie Blutgefäßen, berichten sie im Fachmagazin Nature Communications. Das Laborfleisch könne dabei helfen, den Fleischverzehr umweltfreundlicher und nachhaltiger zu gestalten.

Wissenschaftler arbeiten seit einiger Zeit an der technologischen Herstellung von Fleisch. Ein wesentlicher Grund für diese Bemühungen sind die schädlichen Auswirkungen der konventionellen Tierzucht auf die Umwelt, etwa der große Flächenverbrauch, der Ausstoß von Treibhausgasen oder der hohe Wasserbedarf. Immer mehr Menschen geht es auch um die Verhinderung von Tierquälerei in der Massentierhaltung.

In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler bereits Rindfleisch-Zellen zu Fleischstücken oder Burger heranwachsen lassen und Hühnchenfleisch am Stück erzeugt. Ein echter Durchbruch lässt aber bisher auf sich warten, die Produktionskosten sind immens und die Herstellung in größerem Maßstab ist eine Herausforderung.

dpa/Christian Charisius
Wagyu-Rindfleisch, in diesem Fall nicht aus dem 3D-Drucker

Auch das Laborprodukt der japanischen Wissenschaftler um Dong-Hee Kang von der Osaka University (Osaka/Japan) ist von Marktreife weit entfernt, bisher wurde es auch noch keinem Geschmackstest unterzogen. Zumindest optisch ähnelt das winzige Stück Laborfleisch dem natürlichen Vorbild, dem Wagyu-Rindfleisch.

Als Wagyu-Rinder werden verschiedene Rinderrassen japanischen Ursprungs bezeichnet. Eine der teuersten Rindfleisch-Sorten der Welt, das Kobe-Rindfleisch, stammt von einer Wagyu-Rinderrasse aus der Region um die japanische Stadt Kobe. Das Fleisch der Tiere zeichnet sich durch eine besondere Textur aus, es ist von Fett fein durchzogen und sieht daher marmoriert aus. Die besondere Fettverteilung bezeichnen Kenner als „Sashi“.

Diese Struktur ahmten die Wissenschaftler nun nach. Aus dem Muskelfleisch eines geschlachteten Rindes isolierten und reinigten sie dazu zunächst bestimmte Vorläuferzellen der verschiedenen Gewebetypen. Aus diesen wurden dann mit einem speziellen Verfahren im 3D-Drucker, über das die Forscher die natürliche Struktur und die Anbindung von natürlichem Gewebe an Sehnen imitierten, Fasern von Muskel-, Fett- und Gefäßgewebe erzeugt.

Insgesamt produzierten sie 72 Fasern: 42 Muskel-, 28 Fett- und zwei Blutgefäßfasern. Muskel- und Blutgefäßfasern färbten sie rot ein, die Fettfasern blieben weiß. Dann setzten sie die einzelnen Fasertypen manuell zusammen – so, wie sie auch im natürlichen Wagyu-Fleisch angeordnet sind.

Auf den entstandenen Stapel gaben die Forscher schließlich ein Enzym, das die einzelnen Fasern zu einem Mini-Stück Steak miteinander verband. Es hat eine Länge von zehn Millimetern und eine Dicke von fünf Millimetern, schreiben die Forscher in ihrer Studie. Dieses schnitten die Forscher zuletzt in dünne Scheibchen.

„Die Verbesserung dieser Technologie wird es ermöglichen, nicht nur komplexe Fleischstrukturen zu reproduzieren, wie etwa das schöne Sashi des Wagyu-Rinds, sondern auch subtile Anpassungen der Fett- und Muskelbestandteile vorzunehmen“, sagt Mitautor Michiya Matsusaki laut Mitteilung der Osaka University. Kunden könnten dann zum Beispiel basierend auf ihren Geschmacksvorlieben oder mit Rücksicht auf gesundheitliche Probleme Laborfleisch mit der gewünschten Menge Fett bestellen. Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. (dpa/fwt, har.)