Ziemlich klein, aber widerstandsfähig: Phallocryptus fahimii.
Foto: SMNS / Pallmann

Stuttgart/WienAls Wissenschaftler vom Naturkundemuseum in Stuttgart und von der Universität Teheran im Jahr 2017 zu einer Expedition in die Wüste Lut aufbrachen, rechneten sie wohl kaum damit, dort – am heißesten Punkt der Erde – eine neue Süßwasser-Krebsart zu entdecken. Aber genau von so einer wissenschaftlichen Sensation berichten die Forscher jetzt in der Fachzeitschrift Zoology in the Middle East.

Die Wüste Lut – der heißeste Punkt der Erde

Die Wüste Lut – auch bekannt als Dasht-e Lut – ist die zweitgrößte iranische Wüste und mit 51.800 Quadratkilometern größer als die Schweiz. Im Südwesten des Iran gelegen, wurde hier die bisher höchste je gemessene Oberflächentemperatur der Erde gemessen. Satelliten der NASA registrierten einen Rekordwert von 80,8 Grad Celsius. Diese enormen Temperaturen sind unter anderem auf sehr dunkles Geröll zurückzuführen, welches sich besonders stark aufheizt. Die täglichen Durchschnittstemperaturen schwanken zwischen minus 2,6 Grad im Winter und 50,4 Grad im Sommer, und der durchschnittliche Niederschlag beträgt nur 30 mm pro Jahr.

Nicht zuletzt wegen dieser meteorologischen Gegebenheiten sind Gewässer absolute Mangelware. Außer dem ganzjährig wasserführenden Rud-e Shur, einem Fluss mit extrem hohem Salzgehalt, gibt es keine permanente Wasserquelle.

Expedition in die Wüste Lut, Iran.
Foto: R. Rajaei

Allerdings können sich nach stärkeren Regenfällen vereinzelt temporäre Gewässer bilden. Und in so einem kleinen, derart entstandenen See im Süden der Wüste gelang es den Forschern bei ihrer Expedition, mehrere Exemplare sogenannter Feenkrebse zu fangen, deren wissenschaftliche Untersuchung ergab, dass es sich um eine neue Art von süßwasserlebenden Krebsen handelt.

Eier überstehen Jahrzehnte der Trockenheit

Die auch als „Urzeitkrebse“ bekannten Geschöpfe vermehren sich mit Hilfe von äußerst haltbaren Eiern. „Diese sogenannten Dauereier sind auch von anderen Arten bekannt und man weiß, dass sie Jahrzehnte im ausgetrockneten Boden überleben können. Die Larven schlüpfen, sobald sich die Gewässer nach Regenfällen wieder füllen. Sie sind somit bestens an das Leben in Wüsten angepasst. Dass sie auch in der Wüste Lut überleben können, zeigt noch mal wie widerstandsfähig diese Dauereier sind“, berichtet Krebstierspezialist Martin Schwentner vom Naturhistorischen Museum Wien.

„Bei einer Expedition in einen so extremen Lebensraum wie die Wüste Lut sind die Antennen überall – besonders, wenn man auf Wasser trifft. Die Entdeckung der Krebstiere in der sonst sehr heißen und trockenen Umgebung war für uns Wissenschaftler wirklich eine Sensation“, freut sich Hossein Rajaei, der eigentlich Schmetterlingsexperte ist.

Die in der Wüste Lut entdeckte und neu beschriebene Art Phallocryptus fahimii gehört zur Gattung Phallocryptus von der bisher vier andere Arten bekannt waren. Benannt wurde die Art nach dem iranischen Biologen und Umweltschützer Hadi Fahimi. Er war 2017 Teilnehmer der Expedition in die Wüste Lut und kam bei einem Flugzeugabsturz im Jahr darauf ums Leben.