Am Anfang ist die Liebe oft noch groß.
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ChongqingMänner mit besonders tiefer Stimmlage wirken auf Frauen attraktiver und allgemein vertrauenswürdiger als andere Männer. Doch andererseits ist die Paarbindung bei ihnen geringer und ihre Neigung zu Seitensprüngen stärker ausgeprägt, wie chinesische Psychologen im Fachblatt Personality and Individual Differences berichten. Demnach lassen Frequenzanalysen von Sprachlauten junger Männer Rückschlüsse auf die Stabilität ihrer Liebesbeziehung zu. Sowohl die Stimmlage als auch das Sexualverhalten sind unter anderem auf die Höhe des Testosteronspiegels zurückzuführen. Bei jungen Frauen ergab sich kein Zusammenhang zwischen Stimmlage und Qualität der Paarbeziehung.

„Wir haben herausgefunden, dass Eigenschaften der Stimme zuverlässige Hinweise auf Untreue und Stärke der Paarbindung liefern können“, schreiben die Forscher um Yong Zheng von der Southwest University in Chongqing. Die unterschiedlichen Stimmlagen von Männern und Frauen beruhen im Wesentlichen auf anatomischen Veränderungen des stimmerzeugenden Apparats durch verstärkte Testosteronproduktion bei Jungen in der Pubertät. Individuelle Unterschiede im Testosteronspiegel von Männern können die Tonhöhe ihrer Stimmen teils mehr, teils weniger stark absinken lassen.

Dominanteres Verhalten und höherer sozialer Rang

In der Evolution dürfte es sich für Frauen als vorteilhaft erwiesen haben, Sexualpartner mit möglichst tiefer Stimme zu bevorzugen. Diese zeigten aufgrund des höheren Hormonspiegels dominanteres Verhalten und erreichten leichter einen höheren sozialen Rang als andere Männer. Frühere Untersuchungen hatten aber auch ergeben, dass Menschen mit geringerem Testosteronspiegel empathischer sind und eine höhere Stimmlage als freundlicher empfunden wird.

An der Studie beteiligten sich 254 heterosexuelle chinesische Studenten und Studentinnen im Alter von 18 bis 26 Jahren. Die Forscher registrierten das Frequenzmuster der beim Aussprechen von fünf vorgegebenen Wörtern erzeugten Töne und ermittelten insbesondere die für die Tonhöhe bestimmende Grundfrequenz, deren Schwankungen sowie die Obertöne, die die Klangfarbe prägen. Mithilfe standardisierter Fragenkataloge gaben die Probanden Auskunft über ihre Einstellung und Neigung zur Untreue sowie über die Qualität ihrer derzeitigen Partnerbeziehung.

Studien mit Menschen verschiedener Kulturen sind nötig

Für die Männer ergab sich ein enger Zusammenhang zwischen der Grundfrequenz und deren Schwankungsbreite einerseits und ihren Aussagen zu Untreue und Festigkeit der Paarbindung andererseits. Je tiefer die Stimmlage und je geringer die Schwankungen der Tonhöhen, desto wahrscheinlicher waren untreues Verhalten und schwache Bindung in der Beziehung. Bei den Frauen fehlten eindeutige statistische Zusammenhänge. Studien mit älteren Teilnehmern, länger andauernden Paarbeziehungen und Menschen anderer Kulturen seien nötig, so die Forscher, um diese Ergebnisse zu bestätigen. (wsa)