Gingko Bäume sind widerstandsfähig gegen Krankheiten.
Foto imago Images/View Stock

Berlin/BarcelonaBestimmte Bäume können in Einzelfällen mithilfe raffinierter Mechanismen mehrere Tausend Jahre alt werden. Heißt das, sie können theoretisch unendlich lange leben? Sergi Munné-Bosch von der Universität Barcelona ist überzeugt: Nein. Uralte Bäume seien genauso von den Abnutzungserscheinungen des Alterns betroffen wie andere Organismen auch, schreibt er in einem Debattenbeitrag im Fachblatt Trends in Plant Science. Er ist überzeugt: „Sie sind nicht unsterblich.“

Auf der Erde gibt es einige extrem alte Bäume. Methuselah, eine Langlebige Kiefer (Pinus longaeva) im Inyo National Forest im US-Bundesstaat Nevada bringt es zum Beispiel auf knapp 5000 Jahre. Die Zypresse von Abarqu im Iran ist mehr als 4000 Jahre alt. Einer der ältesten Bäume in Europa ist der Kastanienbaum der hundert Pferde, eine Edelkastanie (Castanea sativa), die auf ein Alter von 2000 bis 4000 Jahren geschätzt wird.

Das Geheimnis uralter Bäume zu lüften, ist gar nicht so leicht. Es gibt schlicht sehr wenige davon, was ihre Erforschung erschwert. Für sehr alte Bäume ist es wahrscheinlicher, an äußeren Faktoren wie einem Brand, einer Dürre oder einer Krankheit zu sterben als an Altersschwäche.

Verschiedene Faktoren sind notwendig, damit ein Baum ein sehr hohes Alter erreichen kann. Dazu gehört beispielsweise, hohe Temperaturen, Nährstoffmangel und Dürren wegstecken zu können. Auch ein langsames Wachstum ist laut Munné-Bosch wichtig. Bei Ginkgos und anderen sehr alten Bäumen sei gezeigt worden, dass sie widerstandfähig gegen Krankheiten sind, eine Vorliebe für Standorte ohne große Konkurrenz haben und immer wieder neu am Stamm austreiben können.

Eine im Januar im Fachmagazin PNAS erschienene Studie hat sich eingehender mit dem Alterungsprozess bei Ginkgos beschäftigt. Diese Bäume können mehr als 1000 Jahre alt werden. Die chinesischen Forscher nahmen Exemplare im Alter zwischen 15 und 667 Jahren genauer unter die Lupe. Diese zeigten, dass auch sehr alte Exemplare hinsichtlich Fotosynthese und Samenkeimung in einem gesunden Zustand sein können. Mit Blick auf die Genaktivität waren in bestimmten Zellen zwar altersbedingte Veränderungen messbar, die Forscher fassen aber zusammen: „Betrachtet man den Baum als Ganzes, ist kein Alterungsprozess erkennbar.“

Munné-Bosch von der Universität Barcelona hält diese Erkenntnisse für wichtig. Dennoch ist er der Meinung, dass auch die effizientesten Mechanismen zur Verlängerung der Lebenszeit den Alterungsprozess nicht aufhalten können. Seiner Meinung nach sind Alterungsprozesse bei sehr alten Bäumen aus bestimmten Gründen aber schwer festzustellen. Einerseits können wegen der extremen Zeiträume keine Langzeitbeobachtungen gemacht werden. Andererseits gibt es kaum Vergleichsexemplare. Munné-Bosch: „Wenn eine Baumart 5000 Jahre alt werden kann, ist es sehr schwer auch nur zwei Bäume zu finden, die zwischen 2000 und 5000 Jahre alt sind.“

Der vermutlich älteste Baum Berlins ist eine Stieleiche am nördlichen Ausläufer des Tegeler Sees. Sie soll aus dem Jahr 1107 stammen und ist auch als „Dicke Marie“ bekannt. Die Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt, die im nahe gelegenen Schloss Tegel aufwuchsen, gaben ihr diesen Namen. (dpa/fwt)