Die jungen Buchen werden wieder eingepflanzt.
Foto: camcop media/Andreas Klug

BerlinWenn 800 Buchen umziehen, ist das eine schlammige Angelegenheit. Oder eine, bei der man Gänsehaut bekommt. So ergeht es in diesen Tagen Dr. Manfred Forstreuter (61). Der FU-Dozent topft seine bis zu sechs Meter hohen Schützlinge von ihrem derzeitigen Standort im Botanischen Garten um in einen neu entstehenden Klimawald im Grunewald. Eine Herzensaktion. Und eine für die Klimaforschung.

Forstreuter ist ein geländegängiger Wissenschaftler, der anpacken kann. Beim Termin im Botanischen Garten verteilt er zunächst umsichtig Warnwesten, schließlich ist großes Gerät unterwegs. Ein Traktor mit Gabelstapler nimmt einen jungen Baum nach dem anderen auf die Schippe und lädt ihn auf einen Lkw.

Die Rotbuche zeigt die Auswirkungen des Klimawandels

„Die Rotbuche ist unser Brotbaum“, erklärt Manfred Forstreuter derweil. Würde der Mensch mit Aufforstung und angelegten Baumplantagen zur wirtschaftlichen Nutzung nicht dazwischenfunken – in Mitteleuropa hätten wir Rotbuchenwälder. Rotbuchen sind hierzulande die potenzielle natürliche Vegetation. „Von ihnen hängt unser lokales Klima ab“, erklärt Forstreuter, anhand dieses Baumes lasse sich besonders gut untersuchen, wie sich der Klimawandel mit zunehmend trockenen und heißen Sommern, auswirke. Dazu untersucht und vergleicht Forstreuter mit seinem Team Rotbuchen, gezogen aus Bucheckern aus 45 unterschiedlichen Provenienzen, also Herkunftsorten.

Aus Süd-Schweden bis Sizilien kommend, werden sie hinsichtlich ihrer Anpassungsfähigkeit an extreme Umweltbedingungen untersucht. Forstreuter kennt jeden Baum persönlich, man kann sagen, er brennt für seine Forschung.

Welche Art kommt mit Klimaveränderung besser zurecht?

Zwei Buchen stehen im Botanischen Garten in einem Planquadrat noch dicht beieinander. Anhand ihrer Blätter lässt sich schon ein kleiner, feiner Unterschied feststellen, erklärt der Biologe. Die sizilianische Buche hat viel kleinere Blätter. Ihre deutsche Buchen-Kollegin nebenan protzt mit großen Blättern. Wäre das Wachstum der beiden ein Marathon, sie wäre der potente Schnellstarter, der groß und breit in die erste Runde geht.

Von den Rotbuchenwäldern hängt unser lokales Klima ab.

Dr. Manfred Forstreuter, Dozent an der Freien Universität

Doch wer hat am Ende den Vorteil, wenn sich das Klima verändert? Vielleicht die zierlichere Italienerin, die mit weniger Wasser auskommt, langsamer wächst, aber den längeren Atem hat? Genau das wollen die Wissenschaftler um Manfred Forstreuter wissen.

Eine Rotbuche wird bis zu 350 Jahre alt, 20 bis 30 Meter hoch. Aus den akribisch markierten Stämmchen, die jetzt verladen werden, wird eines Tages ein richtiger Wald. Im Grunewald dürfen die Bäume richtig groß werden, und da bekommt Forstreuter vor Freude und Ehrfurcht Gänsehaut.

Dr. Manfred Forstreuter kennt die Buchen bestens.
Foto: camcop media/Andreas Klug

Seit 2002 betreut er seine Buchen, anhand der Markierung an den Stämmen weiß er, wo jeder Baum herkommt und in welchem Block er im Grunewald wieder eingepflanzt werden soll. Für die Aktion, die am 19. und 20. Dezember stattfindet, werden übrigens noch freiwillige Helfer mit Spaten gesucht.

Anmeldung für die Pflanzaktion unter manfred.forstreuter@fu-berlin.de