Illustration der röhrenförmigen Parasiten mit ihrem muschelähnlichen Wirt.
Foto: Zhifei Zhang (Northwest University)

KunmingIm Süden von China haben Forscher Hinweise auf das älteste Parasiten-Wirt-System gefunden. In einer mehr als 500 Millionen Jahre alten Erdschicht fand das Team Tausende von winzigen muschelähnlichen Tieren, von denen viele von Röhrenstrukturen bedeckt sind. 

Dabei handelt es sich vermutlich um Parasiten, die Nahrung von ihren Wirten abgezweigt haben, schreibt das Team um Zhifei Zhang von der Northwest University der Stadt X’ian im Fachblatt Nature Communications. Im damaligen Kambrium-Erdzeitalter, in dem viele neue Tierstämme entstanden, hätten sich parasitische Tierbeziehungen erstmals entwickelt.

In der sogenannten Kambrischen Explosion entstanden vor etwa 540 Millionen Jahren viele neuartige Tierstämme, von denen etliche bis heute existieren. Die Forscher entdeckten in der südchinesischen Provinz Yunnan nahe der Hauptstadt Kunming eine 512 Millionen Jahre alte Gesteinsschicht, die winzige Fossilien in einer Dichte von etwa 60.000 Individuen pro Quadratmeter enthielt.

Dabei handelt es sich um etwa zwei Millimeter kleine Armfüßer (Brachiopoda), die mit ihrem zweiklappigen Gehäuse Muscheln ähneln und am Meeresgrund siedelten. Von den Klappen ausgehend trugen die Tiere viele bis knapp fünf Millimeter lange Borstenfäden. Auffällig ist, dass etliche der Tiere – Artname Neobolus wulongqingensis – von länglichen Röhren bedeckt sind.

Diese Tiere sind um durchschnittlich gut ein Viertel kleiner als ihre röhrenfreien Artgenossen. Deshalb gehen die Forscher davon aus, dass es sich bei den Röhrenstrukturen um Parasiten handelt. „Parasiten steigern typischerweise den Energiebedarf infizierter Organismen, denn der Wirt braucht nicht nur genügend Energie für seinen eigenen Bedarf, sondern auch für den Bedarf des Parasiten“, schreiben die Forscher.

Zudem sind die Röhren stets so ausgerichtet, dass sie zur Klappenöffnung reichen, wo die Brachiopoden ihre Nahrung aus dem Wasser filtern. „Die bevorzugte Wachstumsrichtung zeigt, dass die Röhrenbewohner den Brachiopoden nicht nur als Unterlage nutzten, auf die sie ihre Röhren bauten“, schreiben die Forscher. Die Tiere hätten wohl auch die gefilterte Nahrung vor der Verdauung für sich selbst abgezweigt. Die Schalen der Brachiopoden waren weitgehend unversehrt. Andere Tiere in der Gesteinsschicht wie etwa Trilobiten weisen keine solche Röhren auf. (dpa/fwt)