Didier Raoult: Virologe mit neuen Heilmethoden. 
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MarseilleMit schulterlangen, weißblonden Haaren und dichtem Vollbart erinnert er an einen Druiden aus dem Dorf von Asterix. Andere vergleichen ihn mit einem lässigen Alt-Hippie. Von Entspannung kann bei Didier Raoult in Zeiten der Corona-Krise allerdings nicht die Rede sein. Hunderte Menschen stehen täglich vor dem Institut für Infektionskrankheiten in Marseille, das er leitet. Es sind Patienten, die Raoult testet. Und es sind Corona-Infizierte, die sich mit Chloroquin behandeln lassen wollen.

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Chloroquin bisher als Mittel gegen Malaria verabreicht

Vielen gilt der 68-Jährige als Wunderheiler, seit er das Medikament, das bisher zur Therapie von Malaria verabreicht wurde, als wirksames Heilmittel gegen Covid-19 anpreist. Mit Kollegen hatte er es an 24 Erkrankten getestet. Und er spricht von guten Ergebnissen. Ende Februar sorgte der Spezialist für Viruserkrankungen für Aufsehen, als er ankündigte: „Das Spiel ist aus für das Coronavirus.“ Seitdem kam etwa der an Covid-19 erkrankte Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, zu ihm. Er war eigenen Angaben zufolge nach sechs Tagen geheilt.

Mitte Februar hatten chinesische Forscher bereits über positive Ergebnisse bei klinischen Studien mit Chloroquin berichtet. Auch US-Präsident Donald Trump pries es als Wundermittel an. Doch zahlreiche Ärzte und Wissenschaftler warnen vor Vergiftungsgefahr und Nebenwirkungen: Veränderungen der Netzhaut, Depressionen, Magenprobleme. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mahnte, der Nachweis der Wirksamkeit stehe noch aus. Inzwischen hat ein europäischer klinischer Test begonnen.

Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran, selbst Mediziner, hat die Anwendung von Chloroquin in schweren Fällen erlaubt. Raoult steht mit der Regierung in Kontakt. An den Sitzungen des wissenschaftlichen Rates, der sie berät, nimmt er nicht mehr teil. Er sei mit der Strategie nicht einverstanden, sagt er.

Medien tauften ihn „Professor Rebell“

In den Medien, die ihn „Professor Rebell“ nennen, teilt der Virologe scharf gegen Kritiker aus: „Nachdem wir gezeigt haben, dass ein Medikament bei hundert Leuten funktioniert, interessiert es mich nicht, wenn alle anderen eine Nervenkrise bekommen und wenn Dummköpfe sagen, die Wirkung sei nicht sicher.“ Er halte es für unmoralisch, eine effiziente Behandlung nicht anzuwenden. Und in seinem Metier gelte er als „Weltstar“, betont Raoult.

Die Zeitung Libération zitierte einen seiner Kollegen mit den Worten, Raoults Kompetenz entspreche seiner Unbescheidenheit: „Er ist ein Provokateur, aber fachlich spitze.“