Mithilfe von Proteinen aus Schlachtabfällen kann Fleisch oder Wurst Wasser zugesetzt werden, ohne dass Lebensmittelkontrolleuren das auffällt. Die Fleischprodukte werden dadurch schwerer und können teurer verkauft werden. Derart gepanschte Ware gelangt in Deutschland in den Handel, hat das ZDF-Magazin „Frontal 21“ recherchiert.

Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert das als Verbrauchertäuschung: „Schnittfestes Wasser ist billig und kann natürlich schön untergejubelt werden, ohne dass die Verbraucher das mitbekommen“, sagte er dem ZDF-Magazin. Der Beitrag wurde am Dienstagabend ausgestrahlt.

„Betrug am Genuss und am Geldbeutel”

In Deutschland vertreibt die Firma Sonac solche Zusatzstoffe, sogenannte hydrolisierte und funktionelle Proteine. Sonac verweist gegenüber „Frontal 21“ darauf, dass diese Zusätze dem Lebensmittelrecht entsprechen und Fleischproduzenten für eine korrekte Deklarierung der eingesetzten Zutaten verantwortlich seien. Nach Angaben des staatlichen Max-Rubner-Instituts ist es bei Proteinen aus Blutplasma derzeit nicht möglich, Täuschungen mit undeklariertem Wasser in Fleischerzeugnissen gerichtsfest aufzuklären.

Die ehemalige Landwirtschaftsministerin Renate Künast (B'90/ Die Grünen) fordert die Bundesregierung auf, mehr Geld in die Forschung zu geben, um Betrug in der Fleischindustrie aufzudecken und zu beenden. „Leitungswasser hat definitiv nicht den gleichen Preis wie ein Steak.“ Insofern sei die eklige Panscherei nicht nur ein Betrug am Genuss, „sondern es ist auch Betrug am Geldbeutel“.

Für Recherchen eine Fleischfirma gegründet

Das TV-Magazin hatte für die Recherchen zum Schein eine Fleischfirma gegründet und konnte so an einem Seminar der Firma Sonac teilnehmen. Sonac warb dort für seine Protein-Zusätze aus Schlachtabfällen. Ein Vertreter führte vor, wie mit Hilfe solcher Proteine in Frischfleisch maschinell Wasser einspritzt wird, um so das Verkaufsgewicht zu erhöhen. Zielgruppe der Sonac-Veranstaltung waren Fleisch- und Wurstproduzenten. 

Der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie erklärt gegenüber „Frontal 21“, ihm seien „keine Fleischerzeugnisse bekannt, die unter Verwendung von hydrolisierten Proteinen tierischen Ursprungs hergestellt werden“. (ots/ef)