Unhaltbare Zustände in der Fleischindustrie sind durch Corona offensichtlich geworden – zumindest für die Mitarbeiter. Doch was ist mit Tieren und Konsumenten? 
Foto: Getty Images/iStockphoto

BerlinNach Tönnies kam Wiesenhof und dann das Saarland: Die Fleischskandale, die durch Corona aufgedeckt wurden, sind in aller Munde. Nichtsdestotrotz scheint die Nachfrage nach Fleisch ungebrochen; rund 60 Kilogramm davon vertilgt der Deutsche im Schnitt pro Jahr. Was das mit unserer Gesundheit mache, schreibt Ernährungsmedizinerin Petra Bracht in ihrem Buch: „Klartext Ernährung“. 

Berliner Zeitung: Frau Bracht, Sie plädieren für eine grundsätzlich vegane Ernährung. Warum? 

Petra Bracht: Man sollte wissen, dass in der pflanzlichen Ernährung eine große Kraft steckt. Wir müssen nicht vermehrt Geld ausgeben und schon gar nicht für Medikamente, um gut und gesund zu leben. Wir können einfach von der Kraft der Pflanzen profitieren.

Wie genau profitiert der Körper davon, wenn der Mensch kein Fleisch isst?

Gerade als wir das Buch abgegeben hatten, kam Covid. Auch das hat viel mit Fleischkonsum zu tun und mit der Art, wie wir leben. Jetzt kam noch der Massentierhaltungsskandal dazu. Wie deutlich muss dieses Leben eigentlich noch zeigen, dass wir sowas nicht tun sollten?

Dass wir was nicht tun sollten?

Tierische Lebensmittel essen. Schauen wir uns nur die Zoonosen an. Die Infektionskrankheiten sind bei uns Menschen erst aufgetreten, als wir mit der Domestizierung von Tieren anfingen. Das war auch erst vor etwa 12.000 Jahren. Masern und Pocken wurden durch Ziegen übertragen, der Keuchhusten kommt wohl von Schweinen, und Typhus durch Hühner. HIV stammt wahrscheinlich von in Afrika geschlachteten Affen für den Buschfleischhandel. Mit Corona scheint es ähnlich zu sein.

Das heißt, wir werden nicht nur von direktem Fleischkonsum krank, sondern auch durch die Haltungsbedingungen?

Natürlich. Vor allem durch die Massentierhaltung. Bis vor wenigen Jahren wurden Antibiotika noch eingesetzt, damit die Tiere fett werden. Das ist inzwischen verboten. Jetzt werden sie aber immer noch eingesetzt, um die Tiere einigermaßen gesund zu halten. Es hat sich also nichts geändert. Wir nehmen durch den Konsum tierischer Lebensmittel immer noch kleine Mengen Antibiotikum auf und entwickeln dadurch Resistenzen. Allein an multiresistenten Keimen sterben in Deutschland jährlich zwischen 33.000 und 40.000 Menschen.

Lesen Sie doch weiter

Erhalten Sie unbegrenzt Zugang zu allen Online-Artikeln der Berliner Zeitung für nur 9,99 € im Monatsabo.

Jetzt abonnieren

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Oder das E-Paper? Hier geht’s zum Abo Shop.