Berlin/RostockDas ist doch mal ein guter Trend: Wenn es um die Haltung von Nutztieren geht, nimmt das Tierwohl eine immer größere Rolle in der öffentlichen Diskussion ein. Dabei geht es nicht nur darum, den Stall besser zu gestalten, den Tieren mehr Platz zu geben oder ihnen einen anderen Boden zu spendieren. Zunehmend rücken auch die geistigen Fähigkeiten der Tiere in den Mittelpunkt des Interesses. Solche Kenntnisse sind bei der Haltung ein wichtiger Punkt, es den Tieren – und damit letztlich auch den Menschen, die sie halten – angenehmer zu machen. 

So fanden im vergangenen Jahr Wissenschaftlerinnen aus Wien heraus, dass sich Kühe entspannen, wenn sie gestreichelt werden und dabei eine sanfte Stimme hören. Dass die Kühe diesen Unterschied bemerken, ist wichtig für weitere Forschung dazu, wie Menschen Wohlbefinden bei ihnen auslösen können. Ein guter Umgang wirkt sich am Ende nämlich auch auf die Milchleistung und die Gesundheit der Tiere aus, so die Forscher. Wer mit seinen Kühen redet, mag belächelt werden, aber das Ganze hat nachweislich positive Effekte.

Forschung wurde auch in Sachen Ziegen unternommen. Wie aktuelle Verhaltensstudien des Leibniz-Instituts für Nutztierbiologie (FBN) in Dummerstorf bei Rostock zeigen, mögen die Hornträger Denksport und stellen sich ohne Not Herausforderungen. Die Tiere verdienen sich gern eine Belohnung mit ihren Anstrengungen, selbst wenn sie die Belohnung auch ohne Mühe bekommen könnten, fanden die Wissenschaftler im Rahmen von Untersuchungen zur Verbesserung des Tierwohls zusammen mit Schweizer Kollegen vom Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung Agroscope heraus.

In den Versuchen kamen Milchziegen und Zwergziegen in einen Raum mit zwei Öffnungen in der Wand. Während eine Öffnung mit einer Schiebetür verschlossen war, stand die andere offen. Hinter beiden Öffnungen wartete eine ungekochte Nudel als Belohnung. Doch statt einfach durch die geöffnete Tür zu spazieren und Pasta zu essen, zogen es die Ziegen oft vor, erst mal die Schiebetür mit der Schnauze aufzuschieben.

„Wir konnten zeigen, dass sich die Ziegen in etwa 50 Prozent der Versuche die Belohnung hinter der geschlossenen Tür abholen“, sagte Jan Langbein vom FBN der Deutschen Presse-Agentur. Dieses Verhalten nenne sich Contrafreeloading, es wurde auch schon bei Mäusen und Hühnern beobachtet. Eine Erklärung dafür sei, dass die Ziegen so ein artspezifisches Verhalten ausleben könnten, immer wieder neue Sachen erkunden, so Langbein. „Möglicherweise haben sie auch das Bedürfnis, sich mit der Umwelt auseinanderzusetzen und dann nicht nur den einfachsten Weg zu gehen.“ 

Beachtet man Forschungsergebnisse wie diese, könnte es also in der Ziegenhaltung angeraten sein, Futter oder Wasser nicht immer frei zur Verfügung stellen, wenn man mit kleinen Denksportaufgaben etwas gegen die häufige Langeweile im Stall tun kann.