Chardonnay-Trauben sind bislang typisch für das Burgund.
Foto: Elizabeth M. Wolkovich

BerlinSteigende Temperaturen, unvorhersehbare Wetterextreme und neue Schädlinge – der Klimawandel macht auch dem Weinbau zu schaffen. Eine spanisch-kanadische Studie sagt nun voraus, dass mindestens die Hälfte der Anbaugebiete rund um den Globus bedroht ist.

Wie die Forscher im Fachmagazin PNAS berichten, gebe es allerdings eine Lösung: So könnten die Winzer durch einen Wechsel der Weinsorten die negativen Folgen des Klimawandels zumindest teilweise auffangen.

Weintrauben sind extrem empfindlich gegenüber klimatischen Veränderungen und hier vor allem gegenüber solchen, die die Temperatur betreffen. Das macht sie besonders interessant für Prognosen zu den Folgen des Klimawandels und der entsprechenden Entwicklung von Anpassungsstrategien.

Globale Erwärmungsszenarien

Wissenschaftler der spanischen Universität von Alcalá und der kanadischen Universität von British Columbia analysierten nun Daten für die elf beliebtesten Rebsorten: Cabernet Sauvignon, Chasselas, Chardonnay, Grenache, Merlot, Mourvèdre (auch bekannt als Monastrell), Spätburgunder, Riesling, Sauvignon Blanc, Syrah und Trebbiano (auch bekannt als Ugni Blanc).

Sie untersuchten historische Aufzeichnungen von 1956 bis 2015 zu Knospenbildung, Blüte und Reifung dieser Rebsorten und kombinierten sie mit globalen Pflanzungsdaten und Temperaturaufzeichnungen von 1880 bis 2013, um daraus Modelle für verschiedene globale Erwärmungsszenarien zu kalkulieren.

Das Ergebnis: Bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad würden die Regionen, die für den Weinbau geeignet sind, weltweit um 56 Prozent schrumpfen; bei einem Anstieg von vier Grad wäre es gar auf 85 Prozent der Flächen nicht mehr möglich, gute Weine zu produzieren. Diese Zahlen würden allerdings wesentlich weniger dramatisch ausfallen, wenn die Winzer andere Sorten anbauen würden, die besser zu den neuen klimatischen Bedingungen passten.

Deutsche Weinerzeuger Gewinner des Klimawandels

Eine derartige Anpassung könnte bei einer Erwärmung von zwei Grad dafür sorgen, dass nur noch 24 Prozent der Anbaugebiete verloren gingen. Für das französische Burgund schlagen die Forscher etwa den Anbau von hitzeliebendem Mourvèdre oder Grenache statt Pinot Noir vor. Kältere Anbaugebiete wie Neuseeland, der pazifische Nordwesten der USA und auch Deutschland würden das Zwei-Grad-Szenario relativ unbeschadet überstehen.

In jenen Regionen könnte es künftig allerdings möglich sein, wärmeliebende Sorten wie Merlot oder Grenache anzubauen. Solche, die kältere Temperaturen bevorzugen, etwa Pinot Noir, könnten in Zukunft in Gebieten angepflanzt werden, die derzeit noch gar nicht für den Weinanbau geeignet sind. Tatsächlich bezeichnet auch Ernst Büscher, Sprecher des Deutschen Weininstituts, die deutschen Weinerzeuger noch als Gewinner des Klimawandels. So würde die zunehmende Erwärmung beispielsweise höhere Reifegrade der Trauben bewirken, was letztendlich zu besseren Weinqualitäten führe.