Man raucht sie nicht, man dampft sie. Deshalb halten manche die elektrische Zigarette für gesundheitlich eher unbedenklich. Die E-Zigarette boomt, wird aber von Experten immer kritischer beäugt. „Verbraucher sollten sich darauf verlassen können, dass ein Produkt gesundheitlich unbedenklich ist - und das ist bei der E-Zigarette in keinster Weise gegeben“, sagt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ).

„Man sollte bei diesem neuen Produkt, das so massiv auf den Markt drängt, auch aus den Fehlern der Vergangenheit lernen“, mahnt die Expertin mit Blick auf den herkömmlichen Glimmstängel. „Die normale Zigarette hat im letzten Jahrhundert Millionen Tote verursacht und wäre nie zugelassen worden, wenn wir das heutige Wissen vor hundert Jahren gehabt hätten.“

Flüssigkeit enthält hohe Nikotinmengen

Die Rechtslage bei E-Zigaretten in Deutschland ist uneindeutig. So hat Bayern den Handel mit den E-Zigaretten laut DKFZ schon vor einigen Jahren untersagt. Seit Dezember 2011 sind sie in Nordrhein-Westfalen verboten, seit Januar 2012 in Bremen.

„Da könnte etwas ins Rollen kommen. Die Länder machen sich Gedanken, wie sie gemeinsam vorankommen“, sagt Pötschke-Langer. Verbraucherschutz funktioniere nur flächendeckend. Solange man sich in anderen Bundesländern legal eindecken und übers Internet problemlos ordern kann, brummt das Geschäft weiter.

Aber: „Was derzeit auf dem Markt ist, ist alles nicht zugelassen und nicht geprüft“, warnt NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens. Die Flüssigsubstanzen enthalten der Grünen-Politikerin zufolge so hohe Nikotin-Mengen, dass sie als Arzneimittel einzustufen sind - und damit nach den strengen Auflagen des Arzneimittelgesetzes zugelassen werden müssten. Als Medikamente zugelassen sind die erhältlichen Liquids aber allesamt nicht. Deshalb gelten Handel und Verkauf in NRW als rechtswidrig.

Keine Kippen, keine Asche bleibt zurück

„In der E-Zigarette ist nicht der ganze Dreck drin, sie ist zwar nicht gesund, aber weniger schädlich“, sagt dagegen Alexandra Funck. Die 42-Jährige will damit von der herkömmlichen Zigarette weg. Und: „Es bleiben keine Kippen zurück, keine Asche. Die Klamotten stinken nicht und man belästigt auch seine Mitmenschen nicht.“ Das Verbot versteht die Düsseldorferin nicht. „Dann müsste man auch die normalen Zigaretten verbieten oder nur noch über die Apotheken verkaufen.“

Die Hersteller gehen von 1,2 Millionen Konsumenten hierzulande aus. Marktführer Red Kiwi bei Hamburg wirbt: „Die E-Zigarette ist die weitaus weniger schädliche Alternative im Vergleich zur Tabakzigarette.“ Das bezweifeln Mediziner. Lungenfachärzte warnen vor schädlichen Auswirkungen auf die Atemwege. Und die E-Zigarette könne genauso süchtig machen wie die normale Zigarette, warnt Pötschke-Langer vom DKFZ. 

Wie funktioniert sie, was steckt drin und wo ist sie verboten? Antworten auf die wichtigsten Fragen zur E-Zigarette lesen Sie in der Bilderstrecke oben.

(dpa)