Berlin - Es soll niemand sagen können, er sei nicht gewarnt gewesen. In zehn Jahren werden in Berlin rund 10.000 Vollzeitkräfte in der Kranken- und Altenpflege zusätzlich benötigt. Das prognostiziert das Deutsche Krankenhausinstitut. Gleichzeitig kehren Beschäftigte dem Beruf den Rücken oder melden sich für längere Zeit krank, weil sie überlastet sind. Das hat Folgen, die in die Zukunft reichen. Ein Drittel der Auszubildenden in der Pflege bricht Schätzungen zufolge die Lehre ab oder steigt nach dem Examen aus. Der Druck lastet auch auf ihnen. Dieser Befund deckt sich jetzt mit dem Resultat einer Umfrage der Berliner Krankenhausbewegung.

Flucht aus der Pflege: Die Tendenz ist fatal

Die Tendenz ist fatal, die Leidtragenden sind schon jetzt die Patienten als vermeintlich schwächstes Glied in einer Kausalkette, die ihren Anfang vor fast 50 Jahren nahm. 1972, Willy Brandt stand als Bundeskanzler einer sozialliberalen Koalition vor, wurde die zweigleisige Klinikfinanzierung eingeführt. Demnach bezahlt die Solidargemeinschaft der Versicherten die Behandlungen, für die Investitionen sind die Länder zuständig. Seit 2003 werden Behandlungen über sogenannte Fallpauschalen finanziert, die Länder jedoch haben ihren Beitrag immer stärker zurückgefahren. Die privaten Klinikkonzerne sind zudem ihren Aktionären verpflichtet. Auf der Einnahmenseite haben daher lukrative Operationen an Bedeutung gewonnen, auf der Ausgabenseite das Personal.

Die Ökonomisierung hat dazu geführt, dass Pflegende Kostenfaktoren sind. Die Folgen spüren wir alle, denn jeder dürfte früher oder später auf ihre Dienste angewiesen sein. Es wird höchste Zeit, das System grundlegend zu überholen. Umsichtig wirtschaftende Kliniken sollten ihre Selbstkosten aus öffentlichen Fördermitteln und Pflegesätzen bestreiten können. Gesundheit ist kein Geschäft. Weder die Gesundheit der Patienten, noch derer, die für sie sorgen.