Dieses Satellitenbild der Nasa zeigt den Vulkan Okmok auf der Insel Umnak in Alaska heute. Die gewaltige Eruption im Jahre 43 v. Chr. hat einen gewaltigen Kessel hinterlassen, eine sogenannte Caldera. Der Krater besitzt einen Durchmesser von zehn Kilometern.
Foto: Nasa/Landsat/U.S. Geological Survey/Joshua Stevens

BerlinAls der Feldherr und Diktator auf Lebenszeit Gaius Julius Cäsar im Jahre 44 v. Chr. während einer Senatssitzung erdolcht wurde, entbrannte in der Römischen Republik ein fast zwei Jahrzehnte andauernder Machtkampf. Er mündete schließlich in den Niedergang. Auch das Königreich der Ptolemäer im alten Ägypten wurde mitgerissen. Schriftliche Zeugnisse aus jener Zeit belegen, dass jener Machtkampf von einer Periode ungewöhnlich kalten Wetters mit Ernteausfällen, Hungersnöten, Seuchen und entsprechenden Unruhen im Mittelmeerraum begleitet wurde. Die Ursache dafür waren offenbar große Vulkanausbrüche, wie eine im Fachjournal PNAS vorgestellte Studie nahelegt

““Der Tod Cäsars wurde von zwei Eruptionen des Vulkans Okmok in Alaska gerahmt, fand ein Forscherteam vom Desert Research Institute in Reno im US-Bundesstaat Nevada heraus. Das ergab die Analyse vulkanischer Asche in sechs Eisbohrkernen aus der Arktis. Es sei faszinierend, Beweise dafür zu finden, dass ein weit entfernter Vulkan zum Untergang der Römer und Ägypter beitrug, sagt Joseph McConnell, der Leiter der Studie. „Es zeigt, wie eng die Welt vor 2000 Jahren miteinander verbunden war.“

Durch die Untersuchung der Eisbohrproben aus Grönland und Russland konnten die Wissenschaftler zwei Ausbrüche des Okmok feststellen: einen starken, aber kurzlebigen und örtlich begrenzten im Jahr 45 v. Chr. sowie einen wesentlich kraftvolleren und ausgedehnteren Anfang 43 v. Chr., der einer der größten der vergangenen 2500 Jahre war. Wie die Forscher an gesammelten Daten aus aller Welt feststellten, gehörten die beiden Jahre danach zu den kältesten auf der Nordhalbkugel in den letzten 2500 Jahren, das folgende Jahrzehnt sei das viertkälteste gewesen. Klimamodelle deuteten darauf hin, dass die Durchschnittstemperatur im Sommer und Herbst nach der Eruption bis zu 7 Grad Celsius unter dem Normalwert gelegen habe. Gleichzeitig sei der Sommerniederschlag in Südeuropa um 50 bis 120 Prozent stärker ausgefallen, die Niederschläge im Herbst seien gar um bis zu 400 Prozent über den sonst üblichen Wert gestiegen.

„Diese Ergebnisse verleihen Schilderungen über Kälte, Hunger, Nahrungsmittelknappheit und Krankheiten, die von antiken Quellen beschrieben wurden, Glaubwürdigkeit“, sagte der Archäologe Andrew Wilson von der Universität Oxford. Ägyptische Quellen berichteten, dass das für die Landwirtschaft so wichtige Nil-Hochwasser zum Zeitpunkt des Vulkanausbruchs besonders dürftig ausgefallen sei, sagte der Historiker Joe Manning von der Yale-Universität. „Die klimatischen Effekte waren ein schwerer Schock für eine bereits gestresste Gesellschaft zu einem entscheidenden Zeitpunkt in der Geschichte.“ Wie die Autoren der Studie betonen, hätten natürlich mehrere verschiedene Faktoren zum Untergang der Römischen Republik und des Königreichs der Ptolemäer geführt. Die Klimaeffekte durch die Okmok-Eruption spielen aber eine unbestreitbar große Rolle.