Rettung durch Seilbrücken: Gibbons in Hainan. 
Foto: Kadoorie Farm and Botanic Garden/AFP

BerlinDer Hainan-Schopfgibbon (Nomascus hainanus) ist ein tagaktiver Baumbewohner mit ausgewiesenen Lieblingsbeschäftigungen. Kurz vor der Dämmerung startet er in seiner Heimat, der südchinesischen Insel Hainan, mit lauten Gesängen in den Tag. Seine großen Reviere durchstreift der Affe von Baum zu Baum – mit beeindruckenden Sprüngen und Klettermanövern.

Doch was, wenn die Bäume fehlen? Nun, die traurige Wahrheit ist, mit der Zerstörung und Abholzung ihres Lebensraumes haben die Tiere lange und leidvolle Erfahrungen gemacht. Zwischen 1991 und 2008 verschwanden 35 Prozent der Waldflächen der Insel, inzwischen gilt die Art als vom Aussterben bedroht und die Hainan-Schopfgibbons kommen nur noch an einem Ort vor: dem Bawangling-Naturschutzgebiet. 2015 wurden gerade einmal noch 25 Tiere gezählt, inzwischen geht man von 30 verbliebenen Exemplaren aus.

Als wäre das nicht schlimm genug, verwüstete vor sechs Jahren ein heftiger Taifun große Teile des Urwaldes, in dem die Tiere zu Hause sind. Schlammlawinen rissen 15 Meter breite Schneisen zwischen die Bäume. Die Abstände sind zu groß, die Sprünge der Tiere wurden immer riskanter. „Die Anbindung zwischen den Baumkronen ist für Gibbons von entscheidender Bedeutung, da sie nur auf Bäumen leben“, sagt Bosco Pui Lok Chan. Er leitet ein ungewöhnliches Forschungsprojekt zur Rettung der Primaten.

Chan und seine Mitstreiter spannten Seile zwischen die Baumkronen, an denen sich die Tiere entlanghangeln können, um von einem Baum zum nächsten zu gelangen. Wie Fotos zeigen, nehmen die Gibbons diese Möglichkeit inzwischen auch an. Nach rund sechs Monaten begannen die Tiere, die Seilbrücken zu nutzen, sagt Chan. Dies sei aber nur eine kurzfristige Lösung, betonte er und forderte eine schnelle Wiederaufforstung. Die Zerstörung des Waldes behindere die Tiere bei ihrer Nahrungs- und Partnersuche und mache sie zu einer leichten Beute für Raubtiere, warnen die Forscher.