Jena/Nairobi - Die bisher älteste bekannte Bestattung eines Menschen in Afrika haben Forscher im Höhlensystem Panga ya Saidi im Südosten Kenias nachgewiesen. Das Kinderskelett in dem Grab sei ungefähr 78.000 Jahre alt, berichtet ein Team des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena. Vor allem aus der Lage der Knochen wurde demnach auf eine gezielte Bestattung des etwa zweieinhalb- bis dreijährigen Kindes geschlossen, das „Mtoto“ (Suaheli für Kind) genannt wurde.

Mit angezogenen Knien und einem nach vorn gebeugten Oberkörper sei das auf der Seite liegende Kind in einer flachen Grube bestattet worden, heißt es im Fachmagazin Nature. Möglicherweise habe es sogar eine Art Kopfkissen gegeben. Die Grube direkt unter dem schützenden Felsüberhang am Eingang der Höhle sei eigens ausgehoben und der Leichnam sofort mit Erde bedeckt worden. Hierauf deute die Art und Weise hin, wie die Knochen im Erdreich gefunden wurden. Andernfalls wären die Knochen während der Verwesung in zuvor von Gewebe ausgefüllte Hohlräume gefallen.

In Europa und Asien gibt es bis zu 120.000 Jahre alte Grabstätten

Der Tod eines Kindes ist noch heute ein besonders trauriges Ereignis. Vor allem symbolische Handlungen und der eingesetzte Aufwand trennten die einfache Bestattung vom Totenkult, erläutert Louise Humphrey vom Natural History Museum in London in einem Kommentar. Zu verstehen, wie mit Toten umgegangen wurde, gehe einher mit dem Verständnis sozialer Organisation in der Frühgeschichte der Menschheit.

Die Fundstätte im Höhlensystem Panga ya Saidi nördlich der Hafenstadt Mombasa belegt jedoch nicht die weltweit früheste Bestattung eines Menschen. Sowohl in Europa als auch in Asien wurden bis zu 120.000 Jahre alte Grabstätten von Homo sapiens, Neandertalern und anderen Menschenformen entdeckt. Das Fehlen vergleichbar alter Funde in Afrika sei rätselhaft, schreibt das Team. Mögliche Gründe könnten unterschiedliche Bestattungspraktiken oder der Mangel an entsprechender Feldforschung in großen Teilen Afrikas sein. (dpa/fwt)