Dieser Schnelltest aus den Niederlanden erinnert an einen Schwangerschaftstest. Er erkennt aber, ob Anti-Körper gegen Corona im Blut vorhanden sind.  
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Berlin/ LondonDer Direktor des National Infection Service bei der Behörde Public Health England (PHE), Professor Sharon Peacock, hat im britischen Parlament die baldige Verfügbarkeit von Schnelltests für den Heimgebrauch angekündigt. Bis zum 25. April 2020 sollen 25.000 der neuen Tests verfügbar sein und dann verteilt werden. Das sagte Peacock bei einer Konferenz des Wissenschafts- und Technologiekomitees am Mittwoch. 

Mit dem neuen Test sollen mehr Menschen als bisher darauf getestet werden können, ob sie bereits Anti-Körper gegen Covid-19 im Blut haben oder nicht. Zudem soll ein erstes Ergebnis bereits nach 15 Minuten vorliegen. Bisher muss man in Großbritannien etwa einen Tag warten, bis man das Testergebnis erhält. 

„Wir entwickeln ein Heimtest-Kit, mit dem Menschen auf das Vorhandensein von Antikörpern getestet werden können“, sagte Professor Peacock auf der Konferenz. „Wenn dieser Test positiv ist, können sie rausgehen und wieder arbeiten".  

Internet-Riese Amazon soll eingebunden werden

Peacock sagte den Abgeordneten weiter, dass noch abschließende Tests erforderlich seien, bevor sie zur Verteilung freigegeben würden. Diese seien aber „eine Kleinigkeit“. Er gehe davon aus, „dass sie bis Ende dieser Woche durchgeführt werden“, sagte Peacock am Mittwoch. Wann genau die Antikörper-Tests also definitiv verfügbar sein werden, ist noch unklar. Peacock gehe aber davon aus, dass es sich eher um Tage als um Monate handeln würde.

Anschließend sollen die Test-Kits entweder zu einem sehr günstigen Preis oder komplett kostenlos in Apotheken ausgegeben werden. Einem Zeitungsbericht zufolge soll offenbar auch der Internet-Riese Amazon bei der Verteilung der Kits eine Rolle spielen. Amazon soll dabei offenbar bei der Belieferung von unter Quarantäne stehenden Menschen mit den Tests eingebunden werden. 

Kritik von Kassenärztlicher Bundesvereinigung

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung sieht Anti-Körpertests kritisch. „Antikörper sind bei Virusinfektionen meist frühestens eine Woche nach Erkrankungsbeginn nachweisbar, in der Regel sogar erst nach 14 Tagen. Nach Einschätzung von Experten ist zudem völlig ungeklärt, ob ein positiver Antikörpertest nicht durch eine frühere Infektion mit einem anderen Coronavirus verursacht sein könnte“, heißt es in einer Mitteilung.

Daher ersetze der „Schnelltest“ nicht den Erregernachweis durch einen PCR-Test aus einem Abstrich. Weiter heißt es: „Nur der Nachweis von SARS-CoV-2 selbst lässt zuverlässig den Rückschluss zu, dass eine Person zum Zeitpunkt der Untersuchung auch infiziert ist“.

Uni-Klinik Eppendorf will Anti-Körper-Test einsetzen

Befürworter des neuen Verfahrens sagen hingegen, das beispielsweise Kliniken durch Testung des Personals gezielt Ärzte und Pflegende mit positivem Antikörper-Test für die Betreuung von Patienten mit COVID-19 abstellen. Somit könnte eine Weiterverbreitung der Krankheit auf diesem Weg möglicherweise zumindest eingedämmt werden. 

Auch das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg will ab kommenden Freitag einen vergleichbaren Test einsetzen, der Antikörper gegen das Coronavirus nachweisen soll. Das berichtet „Die Zeit“ in ihrer aktuellen Ausgabe.