York - Oft schaut man auf den Amazonas-Regenwald, wenn es um die große grüne Lunge der Erde geht. Es ist der größte tropische Regenwald des Planeten. Erst jüngst zeigte eine Studie, dass der durch Entwaldung stark bedrohte brasilianische Teil des Amazonasgebiets inzwischen mehr Kohlendioxid ausstößt als aufnimmt. Er habe zwischen 2010 und 2019 etwa 16,6 Milliarden Tonnen CO₂ in die Umwelt abgegeben, aber nur rund 13,9 Milliarden Tonnen aufgenommen, schrieben Forscher in diesem Jahr.

Nun lenkt eine neue Studie den Blick auf andere tropische Wälder der Erde. Die Wälder in den afrikanischen Bergregionen speichern mehr Kohlenstoff als bisher angenommen, berichtet ein internationales Forscherteam nach Messungen in zwölf afrikanischen Staaten. Pro Hektar seien es 149,4 Tonnen, schreiben die Forscher um Aida Cuni-Sanchez von der University of York in Großbritannien im Fachjournal Nature. Im fünften Sachstandsbericht des Weltklimarats (IPCC) von 2014/15 war für diese Wälder lediglich ein Speichervermögen von 89,3 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar angenommen worden.

„Tropische Wälder bedecken weniger als zehn Prozent der globalen Landfläche, speichern jedoch 40 bis 50 Prozent des Kohlenstoffs der Landvegetation“, schreiben die Wissenschaftler. Bisher war die Forschung davon ausgegangen, dass tropische Wälder in einer Höhe von mehr als 1000 Metern über dem Meeresspiegel weniger Kohlenstoff in Bäumen speicherten als tiefer gelegene Wälder. Begründet wurde das mit der in der Höhe abnehmenden Temperatur, mit tief hängenden Wolken, Staunässe im Boden und nährstoffarmen Böden. Diese würden sich auf die  Baumbiomasse und damit die Menge an gespeichertem Kohlenstoff in Bergwäldern auswirken.

Das internationale Forscherteam hat nun in afrikanischen Wäldern in einer Höhe von 800 bis 3900 Metern insgesamt 72.336 Stämme mit einem Durchmesser von mindestens zehn Zentimetern vermessen – auf insgesamt 226 Parzellen an 44 Standorten. Ein Teil der Werte wurde herausgerechnet, weil nur Wälder ab einer Höhe von 1000 Metern als Bergwälder gelten. Und selbst dann noch kamen die Forscher auf einen Speicherwert der Biomasse von 145 Tonnen Kohlenstoff pro Hektar. Das Kohlenstoffspeichervermögen der afrikanischen tropischen Bergwälder sei damit höher als das der tropischen Bergwälder in Südostasien und der tropischen Wälder in Flachland- und Bergregionen in Amerika, so die Wissenschaftler.

Als möglichen Grund dafür nennen sie, dass tropische Wirbelstürme fehlten – mit Ausnahme von Mosambik. Auch seien die Hänge in der Regel nicht so steil wie etwa in den südamerikanischen Anden, weshalb es seltener zu Erdrutschen komme. Zudem seien Zerstörungen durch vulkanische Lava nicht zu erwarten. Ohne solche Naturkatastrophen könnten viele Bäume sehr groß und alt werden und damit viel CO₂ speichern. „Neben ihrer Bedeutung für die Klimaregulierung sind diese Wälder Lebensraum für viele seltene und gefährdete Arten, und sie versorgen Millionen von Menschen flussabwärts mit sehr wichtigen Wasserdienstleistungen“, sagt Phil Platts von der York University, einer der Autoren.

Die neuen Forschungsergebnisse werden sicher in den Berichten des Weltklimarats eine Rolle spielen – auch um den Wert der Bergwälder Afrikas zu betonen, die als Kohlenstoffspeicher dem Klimawandel entgegenwirken. Dies ist besonders wichtig, weil auch hier abgeholzt wird. Seit 2001 seien 0,8 Millionen Hektar Bergwälder in Afrika verschwunden, schreiben die Wissenschaftler. „Wenn die absoluten Entwaldungsraten auf Landesebene anhalten, werden bis 2030 weitere 0,5 Millionen Hektar tropischer Bergwälder verloren gehen“. (mit dpa/fwt)