Berlin - Eine Ampelkreuzung in Berlin-Mitte, sie steht auf Rot, ich stehe mit meinem Fahrrad am Stoppstrich. Der Blick geht einen Laternenpfahl hinauf zu einem Wahlplakat. Ich lese: „Perfekt für dich.“ Ich denke: „Perfekt für mich? Eine Tonsur? Kreisrunder Haarausfall? Sollte auch ich berufen sein? Wie Olaf Scholz? Bin ich die Antwort auf den Kanzlerkandidaten der SPD, Kojak des Wahlvolks, Bruce Willis der Unentschlossenen? Na toll!“ Und schon habe ich zwei klinische Verdachtsfälle in mir vereinigt, wobei sich das so konkret aber erst später herausstellt.

Zu Hause angekommen, bemühe ich die Suchtmaschine – pardon: Suchmaschine. Wie immer, wenn mein Zustand kritisch zu werden droht. Ich durchforste das Internet und frage mich, wie ich diesen Befund derart fahrlässig hatte ignorieren können. Effluvium, dieses Büschel, das stets nach dem Haarewaschen aus dem Kamm zu entfernen ist. Noch allerdings scheint es nicht zu spät zu sein, denke ich, erinnere mich an den Blick vorhin in die Seitenscheibe eines neben mir an der Ampel wartenden Autos, an mein Spiegelbild.

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