Was macht ein erfülltes Leben aus? Was macht uns glücklich? Diese Fragen beantworten wir alle unterschiedlich. Die einen legen Wert auf Geld, andere auf Gesundheit. Andere wiederum erfreuen sich an einem Statussymbol, wie einem großen Haus, einem schnellen Auto oder dekadenten Urlauben. Wir fühlen uns von unterschiedlichen Dingen erfüllt, und das ist auch gut so.

Doch stimmt das wirklich? US-Forscher behaupten nun, dass es doch die EINE Formel für Glück und ein erfülltes Leben gibt, die auf uns alle zutrifft.

Umfassende Langzeitstudie über 75 Jahre

In zwei Langzeitstudien über 75 Jahre hinweg befragten Forscher der Harvard Universität über 724 Amerikaner, was für sie Glück bedeutet. In „The Grant-Study“ wurden 268 Harvard-Absolventen aus den Jahrgängen 1939-1944 regelmäßig befragt, in der „Glueck Study“ 456 Männer, die alle als Kinder in den ärmeren Vierteln von Boston aufgewachsen waren. Die Forscher um den Studienleiter Robert Waldinger, Direktor der „Harvard Study of Adult Development“ befragten die Teilnehmer über Jahrzehnte, verfolgten ihre Lebensgeschichten, ihre beruflichen Karrieren und ihren Gesundheitszustand, wie er in einem Vortrag erklärt.

Viele Probanden verstarben seitdem, rund 60 leben aber noch und halten Kontakt mit den Wissenschaftlern. Eine weitere, neue Studie mit der zweiten Generation der Probanden, rund 2000 Kindern, läuft gerade an. Doch nicht nur die Studienteilnehmer werden älter, laut Waldinger, dem Leiter der Studie, ist er selbst bereits der vierte auf diesem Posten.

Was macht uns denn nun glücklich?

Waldinger erklärt: „Gute Beziehungen machen uns glücklicher und gesünder. Punkt.“ Die Betonung liege dabei auf gut, so Waldinger. „Es geht nicht um die Anzahl der Freunde.“ Es sei die Qualität der nahen Beziehungen, die zähle. Das heiße nicht, dass man sich nicht mal so richtig zanken dürfte, so Waldinger. Denn das Gefühl, trotz aller Verschiedenheiten und Unstimmigkeiten immer auf den anderen zählen zu können und sich sicher zu fühlen, sei viel ausschlaggebender für eine gute und stabile Beziehung.

Die Studie zeigt, welche positiven Auswirkungen die Liebe auf unsere emotionale Stabilität und die Gesundheit hat. Menschen, die sich lange Zeit sehr einsam fühlten und keine stabilen zwischenmenschlichen Beziehungen führten, fühlten sich nicht nur unglücklich, ihre Gesundheit wurde im Alter merklich schlechter, ihre Gehirnfunktionen nahmen eher ab und sie starben früher als die, die ihre Beziehungen als gut und stabil einschätzen. „Die Teilnehmer, die im Alter von 50 Jahren von glücklichen zwischenmenschlichen Beziehungen berichteten, waren im Alter von 80 Jahren am gesündesten“, berichtet Waldinger aus den Ergebnissen.

Unser Glück hängt also auch von anderen ab

Was wir aus dieser Langzeitstudie für unser Leben und unseren Alltag mitnehmen können? Wir können unsere Prioritäten überdenken und uns mehr Zeit für unsere Liebsten nehmen – auch um unsere eigene Gesundheit zu fördern.

Waldingers Tipps: „Wie wäre es, die Zeit, die man vor dem TV verbringt, einfach mit anderen Menschen, guten Freunde zu verbringen?“ Oder eine alte, festgefahrene Beziehung wiederbeleben, indem man einfach etwas Neues zusammen unternimmt. Oder mit dem Familienmitglied, das seit Jahren nach einem blöden Familienstreit von allen gemieden wird, könnte ebenfalls Kontakt aufgenommen werden. 

Im Video: Was macht Glück eigentlich aus?