Viele halten sie für ausgerottet, doch die Krätze ist wieder auf dem Vormarsch. In Berlin und bundesweit haben Ärzte 2017 deutlich mehr Medikamente gegen die Hautkrankheit verschrieben als noch ein Jahr zuvor, wie aus einer Untersuchung der Krankenkasse Barmer unter ihren Versicherten hervorgeht. In Berlin wurden 35 Prozent mehr Medikamente verschrieben, bundesweit im Schnitt 60 Prozent.

Eine umfassende Meldepflicht gibt es laut Robert Koch-Institut (RKI) nicht. Gemeinschaftseinrichtungen wie Kitas, Obdachlosenheime, Flüchtlingsunterkünfte oder Gefängnisse müssen Ausbrüche an die Gesundheitsämter melden. Diese wiederum müssen die Daten nicht an die Landesbehörden oder das RKI weiterleiten.

Aber was ist Krätze überhaupt und was können Betroffene dagegen tun? Wir haben Wolfgang Lensing vom Berufsverband der Deutschen Dermatologen in Euskirchen dazu befragt: 

Was ist Krätze überhaupt?

Krätze ist eine ansteckende und stark juckende Hauterkrankung. Verursacher sind winzige Parasiten, sogenannte Krätzmilben. Sie graben kleine Gänge in die Haut und legen dort ihre Eier ab. Der starke Juckreiz verleitet zum Kratzen, daher der Name der Krankheit, die medizinisch Skabies genannt wird. Durch massives Kratzen kann sich die Haut dann entzünden und mit Bakterien infizieren, und es entsteht das typische Hautbild der Krätze.

Welche Stellen sind vor allem betroffen?

Betroffen sind vor allem Körperfalten, der Genitalbereich, die Zwischenräume zwischen Finger und Zehen, die Achselhöhlen sowie der Nabel. Besonders wohl fühlen sich die Parasiten in warmer Umgebung, zum Beispiel im Bett.

Wie wird Krätze übertragen?

Übertragen werden die Milben insbesondere bei längerem intensiven Hautkontakt (länger als 5-10 Minuten). Hände­schütteln, Begrüßungs­küsse und Umar­mungen sind in der Regel jedoch ohne Übertragungs­risiko.

Bei engen Kontaktpersonen besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko. Das sind alle Personen, die zu Erkrankten engen Haut-zu-Haut-Kontakt haben, zum Beispiel durch gemeinsames Schlafen im Bett, Geschlechtsverkehr, Kuscheln, Liebkosen von Kleinkindern und die Pflege und Betreuung anderer Menschen.

Hat Krätze etwas mit mangelnder Hygiene zu tun?

Nein. Skabies-Milben sind seit Jahrtausenden treuer Begleiter der Menschheit, sie besiedeln Personen jeden Alters und jeder Herkunft. Gerade bei gepflegten Menschen wird ein Befall meist nicht vermutet. Die Parasiten könnten sich daher ungehindert ausbreiten. Bis die Symptome nach drei bis vier Wochen bemerkt werden, sei oft die ganze Familie angesteckt. Daher sollten sich auch enge Kontaktpersonen untersuchen lassen. Besonders gut einnisten können sich die Parasiten in trockener, spröder Haut oder bei Kindern, deren hauteigene Schutzfunktion noch nicht ausgereift ist.

Was tun, wenn ich betroffen bin?

Wer juckenden Ausschlag an sich entdeckt, sollte zum Arzt gehen. Einmal diagnostiziert, ist die Krankheit mit Tabletten meist gut behandelbar und von Betroffenen geht schon nach einem Tag keine Ansteckungsgefahr mehr aus. 

Kleidung, Handtücher und Bettwäsche sollten trotzdem täglich gewechselt und bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Sachen, die nicht gewaschen werden können, müssen sieben Tage luftdicht in eine Plastiktüte gepackt werden. Polster, Matratzen und Möbel müssen täglich abgesaugt werden. (dmn/dpa)