Berlin/San Lorenzo Dorsino - Dass Bären sich beim Klettern in missliche Situationen bringen, kommt immer wieder mal vor. Für Rettungskräfte, die den Tieren helfen wollen, ist das eine heikle Situation – wie sich nun auch bei einer Hilfsaktion in der norditalienischen Gemeinde San Lorenzo Dorsino zeigte.

Dort hörten Forstarbeiter bei einer routinemäßigen Kontrolle ihres Reviers zunächst ein Stöhnen, wie es im Bericht der Forstbehörde der Provinz Trient heißt. Ein Bärenjunges war – begleitet von seiner Mutter und einem weiteren Jungtier – an einer unzugänglichen Stelle im Tal zwischen zwei Bäumen eingeklemmt worden. Das Hinterbein steckte fest – der junge Bär saß in der Falle und konnte sich nicht bewegen.

Die Förster sahen, dass das weniger als ein Jahr alte Tier keine Chance hatte, sich zu befreien. Daher die Entscheidung, mit äußerster Vorsicht einzugreifen: „Die Annäherung an ein Bärenjunges in Anwesenheit seiner Mutter ist nur in besonderen Situationen und unter absolut sicheren Bedingungen möglich“, so die Behörde. „Ein Eingriff ohne Deckung hätte das aggressive Verhalten des erwachsenen Exemplars verursacht.“

Per Helikopter wurde weiteres Fachpersonal zum Einsatzort geflogen – eine gute Entscheidung, entschied sich doch die Mutter angesichts des Fluglärms zum Rückzug und ein Waldarbeiter konnte mit der Kettensäge eingreifen und die Bäume absägen, die den Bären gefangen hielten. Videoaufnahmen dokumentieren den heiklen Einsatz.

Ein bewaffneter Kollege und zwei Hundeeinheiten hätten die Sicherheit des Försters kontrolliert, in ständigem Funkkontakt mit dem Hubschrauber, der die Aktion von oben überwachte. Nach getaner Sägearbeit plumpste das Bärenkind etwas unsanft zu Boden und rannte offenbar unverletzt in Richtung seiner Mutter. 

Im Trentino leben nach einem Wiederansiedlungsprogramm relativ viele Braunbären. Einst wanderte von hier auch „Problem-Bär“ Bruno in Richtung Bayern. San Lorenzo Dorsino ist das Tor zum Naturpark Adamello-Brenta, in dem der Bestand der Tiere Ende der Neunzigerjahre auf drei Exemplare geschrumpft war. Um die Population des Ursus arctos zu retten, wurden Tiere aus Slowenien dort angesiedelt. Im Jahr 2012 gab es dann schon wieder mehr als 40 Braunbären, heute sind es um die 50 Tiere.