Sophia AntipolisMütter entscheiden maßgeblich über die Herzgesundheit ihrer längst erwachsenen Kinder mit: Wenn sie sich etwa gesund ernähren, ausreichend bewegen und auf's Rauchen verzichten, leben ihre Kinder im Schnitt neun Jahre länger ohne eine Herzerkrankung als der Nachwuchs von Müttern mit einem ungesunden Lebensstil. Das zeigen Ergebnisse einer Langzeit-Studie, die US-Forscher im „European Journal of Preventive Cardiology“ vorstellen. Der Vater hat der Untersuchung zufolge keinen entscheidenden Einfluss auf die Herzgesundheit seiner Kinder.

Das Team um James Muchira von der Vanderbilt University (Nashville) hatte die Gesundheit von insgesamt 1989 Kindern für durchschnittlich 32 Jahre untersucht, im Zeitraum zwischen 1971 und 2017. Genau wie ihre Eltern waren auch die Kinder Teilnehmer der sogenannten Framingham Heart Study, einer Langzeit-Untersuchung in der Stadt Framingham in Massachusetts. Der Nachwuchs wurde durchschnittlich mit 32 Jahren in die wissenschaftliche Studie aufgenommen. Für beide Gruppen – Eltern und Kinder – erheben die Forscher regelmäßig Daten zu Gesundheit und Lebensstil. Sie können so die Angaben von Eltern und Kindern in Beziehung setzen und gesundheitliche Effekte über die Generationen hinweg verfolgen.

Zur Beurteilung der elterlichen Herzgesundheit erfassten die Forscher das Rauchverhalten, Angaben zu Ernährung, Bewegung, Körpergewicht, Blutdruck sowie Cholesterin- und Blutzucker-Werte. Diese Werte wurden auch bei den Kindern ermittelt. Zudem erfassten die Wissenschaftler, ob und wenn ja, wann bei ihnen kardiovaskuläre Beschwerden aufgetreten waren. Die Auswertung der Daten zeigte, dass Kinder von Müttern mit einer guten Herzgesundheit neun Jahre länger ohne Herzerkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall lebten als die von Müttern mit schlechterer Herzgesundheit – wenn sie überhaupt entsprechende Probleme bekamen.

Herzgesundheit junger Frauen und Mütter gezielt verbessern

„Unsere Studie legt nahe, dass Mütter die entscheidenden Wächter für die Gesundheit ihrer Kinder sind“, sagte James Muchira von der Vanderbilt University und der University of Massachusetts (Boston). „Dieser mütterliche Einfluss bleibt bis ins Erwachsenenalter ihrer Nachkommen bestehen.“

Vermutlich spiele die Gesundheit der Mütter sowohl während der Schwangerschaft als auch in den ersten Lebensjahren eine Rolle. „Wenn Mütter während der Schwangerschaft an Diabetes oder Bluthochdruck leiden, prägen sich diese Risikofaktoren bereits in sehr jungen Jahren bei ihren Kindern ein“, nennt Muchira ein Beispiel für die vorgeburtliche Einflussnahme der Mütter. Nach der Geburt seien Frauen häufig die Hauptbetreuerinnen und das wichtigste Vorbild für ihre Kinder.

Ein weiteres Ergebnis: Bei Söhnen wirkte sich der Einfluss des mütterlichen Lebensstils stärker aus als bei Töchtern. Vermutlich liege das daran, dass Männer häufig ohnehin ungesünder lebten und die Situation sich dadurch verschlimmere.

Die Wissenschaftler plädieren dafür, vor allem die Herzgesundheit junger Frauen und jünger Mütter in den Blick zu nehmen und gezielt zu verbessern. So ließen sich die generationenübergreifenden Auswirkungen positiv beeinflussen. „Wenn Kinder zu gesunden Erwachsenen heranwachsen, werden sie nicht das gleiche kardiovaskuläre Risiko wie ihre Eltern haben, was die Chancen erhöht, noch gesündere Enkelkinder zu haben“, so Muchira. (dpa/fwt)