Berlin - Es tut mir leid, aber es ist schon wieder passiert. Ich habe mir selbst eine Diagnose gestellt, habe eine Suchmaschine im Internet bemüht. Dabei stieß ich auf Nog. Das klingt erst mal gar nicht so schlimm, klingt nach unbeschwerter Sommerzeit: Nog dir einen! Tatsächlich aber ist es reinste Wissenschaft, wenn nicht sogar Science, Science Fiction, um genau zu sein.

Nog ist nämlich ein Ferengi, eine Figur aus Star Trek, Deep Space Nine, ein putziges Kerlchen mit überproportional großem Kopf. Genau so kam ich mir jetzt beim Blick in den Spiegel vor. Wie Nog. Riesenrübe, und die Ohren erst! Sie hätten dem Radioteleskop GTM in der Sierra Negra, Mexiko, zur Ehre gereicht. Deshalb habe ich mich gleich ans Werk gemacht und mir im Handumdrehen eine passende Diagnose zurechtgelegt, die ich sogleich bestätigt fand: Ich wachse.

Nicht die Knochen vergrößern sich, nicht die Muskeln, was ich persönlich ein wenig bedaure, an dieser Stelle aber keine Rolle spielen soll. Die Haut eines Menschen dehnt sich bekanntermaßen aus, mithin die Ohrläppchen – Schwerkraft, blöde Schwerkraft! Vor allem aber ignorieren die Knorpel den Befehl, mit 18 Jahren das Wachsen einzustellen. Natürlich ist das durch Studien belegt. Forscher aus Neapel zum Beispiel haben sich der Mühe unterzogen, 1480 Ohrmuscheln zu vermessen. 360 weibliche, 380 männliche, links wie rechts. Und jetzt kommt’s: Frauen zwischen 15 und 30 Jahren verfügen über eine durchschnittliche Ohrlänge von 61,4 und Ohrbreite von 29,3 Millimetern. Bei Frauen jenseits der 75 dagegen betrug das Verhältnis 71,1 zu 33,6 Millimeter. Ähnlich ist die Tendenz bei Männern mit 64,6 zu 32,5 gegenüber 76,9 zu 37,6 Millimeter.

Langzeitstudien zum Wachstum der Ohren fehlen 

Weil vorher offenbar noch niemand auf die eigentlich naheliegende Idee gekommen ist, die Ohren einzelner Menschen über die Jahre vergleichsweise zu vermessen, fehlen Langzeitstudien, die über das Knorpelwachstum exakt Aufschluss geben. Das hat mich jedoch nicht davon abgehalten, das Bürolineal an meine Ohrmuschel linkerhand anzulegen und auf diese Weise die Koordinaten 64 Millimeter (Länge) und 35 Millimeter (Breite) zu ermitteln.

Ich würde sagen, dass das eindeutig der Beginn eines Auris externa ferengi ist, wie ich dieses Phänomen nennen würde. Nun könnte ich mich in Ruhe darauf vorbereiten, ernsthaft besorgt zu sein, wäre ich im Verlauf meiner Diagnose nicht auch noch auf Studien gestoßen, die sich mit dem Thema Presbyakusis befassen; der Volksmund nennt es: Schwerhörigkeit im Alter. Die setzt meist mit 50 beidohrig ein. Entwarnung also: Das eine schrumpft, das andere wächst, schon passt es wieder.