Die Tabletten zur HIV-Prophylaxe sollte eigentlich über 800 Euro kosten. Jetzt gibt es sie allerdings schon für knapp 51 Euro. Es ist ein Hoffnungsschimmer, um die Gefahr einer Ansteckung mit dem Aids-Virus noch mehr zu verringern: eine Tablette, die den gesunden Partner beim Sex mit einem HIV-positiven Menschen schützt, zusätzlich zum Kondom, das nicht unbedingt zu 100 Prozent schützt.

Der größte Haken der Tablette, die vor dem Aids-Virus schützen soll, scheint der Preis – 600 bis 820 Euro im Monat. Mit dieser horrenden Summe wollte sich der Kölner Apotheker Erik Tenberken, der sich seit 1993 gerade auch im Kampf gegen sexuell übertragbare Krankheiten engagiert, nicht abfinden.

Der Pharmazeut (56) machte sich schlau, schrieb unzählige Mails, wurde bei verschiedenen Anbietern vorstellig und schaffte es, den Preis für das pharmazeutische Schutzschild auf einen Bruchteil zu senken. 50,05 Euro kostet jetzt die Monats-Ration.

Sorge, dass sich Nutzer aus dubiosen Quellen eindecken

Auslöser, erzählt er, war die Sorge, dass sich angesichts der horrenden Preise mehr und mehr Nutzer aus dubiosen Quellen im Internet eindecken, irgendwo irgendwelche Nachahmerprodukte aus Indien oder Swasiland bestellen. „Für 60 Euro im Monat und natürlich illegalerweise ohne ärztliches Rezept.“

Dabei geht es hier nicht um ein buntes Lifestyle-Produkt, sondern um ein hochwirksames Medikament, ursprünglich als letzter Rettungsanker gegen galoppierende Aids-Raten in Afrika eingesetzt. Erst letzten Sommer gab die europäische Zulassungsbehörde EMA grünes Licht.

Wirkstoffe, die das Virus in Schach halten

Das Präparat enthält zwei der drei bewährten Wirkstoffe, mit denen HIV-Patienten das Virus heute routinemäßig in Schach halten, meist sogar unter die Nachweisgrenze drücken können. Ende Juli gab es das Patent. Der Preis blieb hoch.

Das rief den Pharmazeuten mit dem Schwerpunkt HIV-Erkrankungen auf den Plan. „Mir war klar: Wenn wir Erfolg haben wollen, den Einsatz legal und bezahlbar machen wollen, müssen wir unter die 60 Euro kommen“, erklärt er. Bei Hexal fand er ein offenes Ohr. Der Trick: Tenberken kauft das Medikament zum Vorzugspreis, verpackt es neu für den jeweiligen Empfänger. So entsteht technisch ein neues Präparat, ausschließlich zur Prophylaxe.

Im Oktober schließlich wurden die ersten „Blister“ produziert. Kollegen in Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Frankfurt, München und zwei in Berlin ziehen schon mit, über 40 Apotheker stehen vor dem Start. Große Hoffnungen sind mit der „50-Euro-PrEP“ verknüpft. „Sie ist ein Durchbruch“, begrüßte Ulf Hentschke-Kristal, Vorstand der Deutschen Aids-Hilfe, den mutigen und kreativen Kölner Schritt.

Bei Männern ist der chemische Schutzwall in etwa fünf Tagen aufgebaut, bei Frauen wegen der etwas anderen Schleimhautverhältnisse in rund zehn Tagen. Die Gefahr einer Ansteckung sinkt, solange die Pille durchgängig eingenommen wird. Um bis zu 86 Prozent, laut einer Studie mit 400 Testpersonen für das wirkstoffgleiche Originalpräparat „Truvada“.