Berlin - Bei den Corona-Impfungen in Deutschland rückt der Start mit dem Präparat des Herstellers Novavax näher. Die ersten Lieferungen des Impfstoffes sollten am Donnerstag beim Bund ankommen, wie das Gesundheitsministerium auf Anfrage in Berlin mitteilte. Am heutigen Freitag soll der Impfstoff dann an die Länder ausgeliefert oder von ihnen abgeholt werden können. Vorgesehen ist, dass er vorerst nur an die Länder geht und noch nicht an Arztpraxen. Die erste Lieferung soll 1,4 Millionen Dosen umfassen.

Angeboten werden soll das Mittel von Novavax, Nuvaxovid, vorrangig Beschäftigten im Gesundheitswesen. In Berlin soll die Verteilung nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur am 28. Februar beginnen. Dabei interessierten sich in der Hauptstadt laut einer Umfrage rund 1800 von 4000 ungeimpften Krankenhaus-Bediensteten für eine Impfung mit Nuvaxovid.

Die am häufigsten in Deutschland verabreichten Impfstoffe – die Mittel von Biontech/Pfizer und Moderna – sind mRNA-Impfstoffe. Vor Corona gab es noch keine zugelassenen Impfstoffe auf mRNA-Basis. Manche Menschen macht das misstrauisch. Wie auch die Vektorimpfstoffe von Johnson & Johnson und Astrazeneca basieren mRNA-Impfstoffe darauf, dass unsere Körperzellen einen kleinen Teil des Virus – das Spike-Protein – selbst herstellen. Dadurch wird eine Immunantwort ausgelöst, die vor Krankheit schützen soll. Der Novavax-Impfstoff basiert hingegen auf einem klassischeren Verfahren.

Impfstoff greift auf eine über 35 Jahre praktizierte Technologie zurück

Es wird erhofft, dass der Novavax-Impfstoff eine Alternative für all jene ist, die Vorbehalte gegen mRNA-Impfstoffe haben. Aber ob sich das in breiterem Umfang auswirkt, ist nicht sicher. Immer wieder hatten etwa Pflegende, die noch nicht geimpft sind, angeführt, dass sie auf einen Totimpfstoff warten würden.

Mit Nuvaxovid ist ein Protein-basierter Totimpfstoff in der EU zugelassen, der auf eine seit über 35 Jahren praktizierte Technologie zurückgreift. Allerdings beinhaltet der Impfstoff ein neuartiges Adjuvans, also einen neuen Hilfsstoff. Nuvaxovid besteht aus virusähnlichen Partikeln, die das Spike-Protein des Coronavirus enthalten, sowie einem Wirkverstärker. Manche Menschen heben Nuvaxovid als – vermeintlich sichereren –Totimpfstoff hervor, also als Impfstoff ohne lebende, vermehrungsfähige Krankheitserreger. Dieser Begriff ist aber in der Wissenschaft nicht klar von anderen abgegrenzt. Laut Ständiger Impfkommission (Stiko) sind auch die vier anderen Impfstoffe „funktionell“ Totimpfstoffe, enthalten also keine lebenden Viren.

Hohe Wirksamkeit, Schutz vor Omikron allerdings unklar

In den Zulassungsstudien zeigte der Impfstoff laut Stiko eine mit den mRNA-Impfstoffen vergleichbare hohe Wirksamkeit. Wie gut das Mittel vor Omikron schützt, könne noch nicht beurteilt werden. Nuvaxovid führe häufig zu lokalen und systemischen Impfreaktionen, die über wenige Tage anhalten können und ähnlich stark seien wie nach Impfung mit den anderen Corona-Impfstoffen. Die Zulassungsstudien hätten keine Sicherheitsbedenken hinsichtlich schwerer unerwünschter Wirkungen ergeben. Allerdings betont die Stiko auch, dass die Datenlage zu Nuvaxovid noch begrenzt sei. Einige Experten weisen darauf hin, dass die Datenlage beispielsweise bei mRNA-Impfstoffen durch Milliarden verabreichter Dosen deutlich besser sei.

Im ersten Quartal soll Deutschland laut Bundesgesundheitsministerium insgesamt rund vier Millionen Dosen von Novavax bekommen. Von April bis Juni sollen dann bis zu 30 Millionen weitere Dosen folgen. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte sich für den Einsatz ab 18 Jahren ausgesprochen – mit zwei Dosen im Abstand von mindestens drei Wochen. Laut den Gesundheitsministerinnen und -ministern der Länder soll Nuvaxovid prioritär an bisher nicht geimpfte Beschäftigte in den betroffenen Einrichtungen verimpft werden. Für Beschäftigte in der Pflege und in Kliniken greift ab Mitte März die einrichtungsbezogene Impfpflicht.