Immer öfter müssen Apotheken ihre Kunden vertrösten, weil ein verordnetes Medikament nicht lieferbar ist. (Symbolfoto)
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BerlinIn Berlin und Brandenburg gibt es derzeit Lieferengpässe bei Medikamenten. Hunderte Medikamente sind nicht mehr erhältlich. Darunter sind auch Standardmedikamente, wie Blutdrucksenker, Schmerzmittel und Antibiotika. In Cottbus müssten Patienten derweil auf rund 280 Medikamente verzichten. Das berichtete der Rbb.

Preisdruck ist ein wesentlicher Faktor

Der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) sieht unter anderem die Rabattverträge mit den Kassen und den damit verbundenen Preisdruck als wesentliche Faktoren für das Problem. Gerade wenn Kassen "nur mit einem einzigen Hersteller Rabattverträge schließen, ist die Gefahr von Lieferengpässen hoch", so BAH-Sprecher Christof Weingärtner. Aus Kostengründen lassen viele Pharmaunternehmen ihre Medikamente von Lohnherstellern in Schwellenländern wie China oder Indien produzieren. Tritt in einer dieser Fabriken, die Firmen in aller Welt beliefern, ein Problem auf, kommt es schnell zu Engpässen.

Lieferengpässe gibt es schon seit Jahren

Immer öfter müssen Apotheken ihre Kunden vertrösten, weil ein verordnetes Medikament weder vorrätig noch kurzfristig lieferbar ist. "Für deutsche Apotheker gehören Lieferengpässe seit Jahren zu den größten Ärgernissen im Alltag", sagt der Chef des Deutschen Apothekerverbands (DAV), Fritz Becker, im Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau". Die Tendenz sei steigend. Für die Apotheken ist das oft mit Mehraufwand und mitunter auch mit Kosten verbunden. Denn bei einem Engpass ist der Apotheker verpflichtet, die Arztpraxis zu kontaktieren, um eine Ausweichlösung zu finden. Jeder Schritt, jeder vergebliche Bestellversuch muss dokumentiert werden. All das kostet Zeit. Zudem muss der Apotheker bei kleinsten Fehlern befürchten, dass die Kasse die Zahlung des Medikaments komplett ablehnt und er auf den Kosten sitzen bleibt.

BAH-Sprecher Christof Weingärtner sieht die Politik in der Pflicht, damit mehr Wirkstoffe in Europa produziert werden. DAV-Chef Becker fordert derweil von den Pharmafirmen mehr Transparenz und von den Kassen bessere Rabattverträge, "die nicht nur den niedrigsten Preis, sondern auch die Versorgungssicherheit berücksichtigen". (mit dpa)